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Rettung für das Pfungstädter Moor

Das Pfungstädter Moor in Südhessen stößt seit Jahren Unmengen von CO2 in die Atmosphäre. Um das zu stoppen, soll das trockene Moor jetzt bewässert werden - mit jährlich bis zu 300.000 Kubikmetern Rheinwasser.

Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt und der Wasserverband Hessisches Ried (WHR) haben einen Vertrag unterzeichnet, der die Bewässerung des ausgetrockneten Pfungstädter Moor vorsieht. Das teilte das RP am Montag in einer Mitteilung mit. Danach soll dem Moor jährlich bis zu 300.000 Kubikmeter aufbereitetes Rheinwasser zugeführt werden. Das Land gibt der Mitteilung zufolge 225.000 Euro für den Bau der Anlage und übernimmt die künftigen Kosten der Wasserbereitstellung durch den WHR: pro Jahr rund 200.000 Euro.

Trockene Moore stoßen CO2 aus

Moore sind eigentlich Feuchtgebiete. Ihre sauerstoffarmen Böden schließen Pflanzenreste ein. Doch bei Zerstörung des Moores, etwa durch Torfabbau oder Entwässerung, mineralisieren die Pflanzen. Dadurch entweicht CO2. "Ein trockenes Moor stößt unentwegt klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre, erläutert Tino Westphal, Darmstädter Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes NABU. Aus einem Moor wird so ein Klimakiller. Die Wiedervernässung kann diesen Prozess stoppen.

Experten gehen davon aus, dass das ausgetrocknete Pfungstädter Moor bisher jedes Jahr 600 bis 1.200 Tonnen CO2-Äquivalente freigesetzt hat. Insgesamt entweichen laut NABU deutschlandweit aus trockenen Mooren jährlich 44 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, fünf Prozent der deutschen Gesamtemissionen. Zum Vergleich: Eine Tonne CO2 entspricht einer Fahrt über knapp 5.000 Kilometer mit einem Mittelklasse-Benziner.

Pfungstädter Moor entstand vor rund 10.000 Jahren

Das Pfungstädter Moor ist ein insgesamt 97 Hektar großes Gebiet zwischen Pfungstadt und Bickenbach im Kreis Darmstadt-Dieburg. Es entstand vor etwa 10.000 Jahren, 1955 wurde es erstmals als Naturschutzgebiet ausgewiesen, seit 2007 gehört es zum EU-Vogelschutzgebiet Hessische Altneckar-Schlingen.

Die gezielte Absenkung des Grundwassers zur Gewinnung von Baugrund, das Abschneiden des natürlichen Zuflusses durch die A5 und nicht zuletzt die Trockenheit der vergangenen Jahre haben im Laufe der Zeit dazu geführt, dass das Moor zunehmend trocken fiel.

Klärung offener Fragen dauerte anderthalb Jahre

Das Moor neu zu bewässern, war eigentlich schon im Frühjahr 2021 beschlossene Sache. Das Umweltministerium hatte dazu bereits 270.000 Euro bereitgestellt und jeweils 208.000 Euro für die Folgejahre. Es dauerte allerdings anderthalb Jahre, bis alle Details geklärt waren. Geplant sind nun laut Mitteilung oberirdische Bewässerungsanlagen in Kombination mit der Direkteinleitung in eine offene Wasserrinne. So könne die Mooroberfläche direkt durchfeuchtet und offene Wasserflächen auch bei tiefen Grundwasserständen erhalten werden.

Derzeit ist das Pfungstädter Moor von Sträuchern überwuchert, laut Westphal ein Anzeichen dafür, dass dort zu viel Stickstoff vorhanden ist, verursacht durch jahrelange Zuleitung von Abwässern. "Ein fataler fachlicher Fehler. Das wird Jahre dauern, bis das wieder ausgetragen ist." Eine Möglichkeit, dies zu beschleunigen, könne nach seinen Worten eine Beweidung sein.

Je eher mit der Bewässerung begonnen werden könne, desto besser. "Das Stoppen der Ausgasung wäre schon superwichtig", betont Westphal die Dringlichkeit. Dass aus dem Moor wieder ein aktives, wachsendes wird, erwartet er für die nächsten Jahre nicht. Dazu reichten die vorgesehenen Wassermengen nicht aus.

Wiederansiedelung seltener Tiere und Pflanzen erwartet

Neben dem Klimaschutz soll die Wiederbewässerung auch der Artenvielfalt dienen. Laut RP gab es bereits zwischen 1999 und 2008 eine Bewässerung, infolge derer sich seltene Tier- und Pflanzenarten in dem Gebiet angesiedelt haben. Einen ähnlichen Effekt erwartet die Behörde auch jetzt. "Das ist eine wirklich wichtige Maßnahme, die wir hier durchführen", betont Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne).

Bis wieder Rheinwasser ins Pfungstädter Moor gelangt, wird es allerdings noch etwas dauern. Laut einer Sprecherin des Wasserverbands stehen zunächst technische Vorarbeiten und Prüfungen auf dem Programm, danach werde die Ausführungsplanung vergeben. Ende 2023, so der Plan, solle die neue Anlage betriebsbereit sein.

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