Hinterbliebene belästigt Vater von Hanau-Attentäter kurzzeitig in Polizei-Gewahrsam

Der Vater des Attentäters von Hanau ist in der vergangenen Woche vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Er hatte sich zuvor der Mutter eines Opfers des Anschlags genähert – obwohl er das nicht darf.

Bei einer Demonstration zum Gedenken an die Opfer des rechtsextremistischen Anschlags in Hanau halten Teilnehmer Plakate mit Bildern der Opfer des Anschlags.
Bei einer Demonstration zum Gedenken an die Opfer des rechtsextremistischen Anschlags in Hanau halten Teilnehmer Plakate mit Bildern der Opfer des Anschlags. Bild © picture-alliance/dpa
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Der Vater des Attentäters von Hanau ist am vergangenen Mittwoch vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Das hat die Polizei dem hr am Dienstag bestätigt. Demnach hat sich Hans-Gerd R. trotz eines Annäherungsverbots wiederholt vor dem Haus von Serpil Unvar, der Mutter eines Opfers des Anschlags, aufgehalten. Er habe schließlich eine Nacht in einer Arrestzelle verbracht. Zuerst hatte die Frankfurter Rundschau darüber berichtet.

Nur einen Tag später sei R. wieder im Stadtteil Kesselstadt aufgetaucht, sagte Serpil Unvar dem hr. Ihr Sohn Ferhat Unvar war beim rechtsextremistischen Anschlag von Hanau getötet worden. Wie Aufnahmen, die dem hr vorliegen, zeigen, ist R. in den vergangenen Monaten mehrfach vor Unvars Haus aufgetaucht. 

Insgesamt 24 Ermittlungsverfahren eingeleitet

Im Oktober hatte Unvar deswegen Strafanzeige gestellt und ein zunächst 14-tägiges Näherungsverbot erwirkt. Auf Antrag von Unvar hat es das Hanauer Amtsgericht im vergangenen Jahr verlängert.

Mittlerweile seien in 21 Fällen Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz eingeleitet worden, teilte die Staatsanwaltschaft Hanau am Dienstag der dpa mit. Zusätzlich liefen drei weitere Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

"Habe große Angst"

Trotz des Näherungsverbotes für R. habe sie große Angst, sagte Unvar. Solange die Polizei vor Ort sei, sei "alles gut". R. versuche aber jeden Tag, bei ihr vorbeizukommen. "Und leider kann niemand etwas machen."

Der 43 Jahre alte Sohn des Angeklagten hatte am 19. Februar 2020 in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen und anschließend seine Mutter und sich selbst getötet. Sein Vater fiel in der Folge mehrfach wegen rechtsextremen Gedankengut auf. Im vergangenen September etwa war R. vom Hanauer Landgericht wegen Beleidigung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe verurteilt worden, nachdem er Teilnehmer einer Demonstration als "wilde Fremde" bezeichnet haben soll.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version des Artikels hatten wir berichtet, R. sei nach der Nacht in der Arrestzelle wieder vor Serpil Unvars Haus aufgetaucht. Sie hat diese Aussage präzisiert.

Weitere Informationen

Sendung: hr-iNFO, 03.01.2022, 10 Uhr

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Quelle: hessenschau.de, Heiko Schneider (hr)