Ein Transparent auf einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen fordert einen Untersuchungsausschuss

Ein Untersuchungsausschuss soll jetzt die Corona-Politik in Hessen aufarbeiten. Wie weit er gehen darf, werden vermutlich Verfassungsrichter entscheiden. Bis das geklärt ist, könnten wir uns selbst auch einige Fragen stellen, oder?

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Ausschuss soll hessische Corona-Politik aufarbeiten

Ein Schild an der Filiale einer Krankenversicherung in der Innenstadt weist auf die bestehende Maskenpflicht und das Abstandsgebot aufgrund des Coronavirus hin.
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Am Mittwochabend hat der Landtag einen Corona-Untersuchungsausschuss installiert. Die AfD hat dies per Minderheitenrecht erreicht. Sie will nach eigenen Angaben Fehler aufdecken, die in der Politik gemacht worden seien.

Im Rückblick ist laut dem jüngsten hr-hessentrend vom April eine knappe Mehrheit der Hessen zufrieden mit der Corona-Politik. Viele Menschen wünschen aber auch eine politische Aufarbeitung dieser dramatischen Zeit, unter deren Folgen viele Menschen bis heute leiden.

Welche Fragen bei der Aufarbeitung im Landtag an Politiker und Experten letztlich gestellt werden dürfen, ist wegen eines Streits über die laut Verfassung begrenzten Kompetenzen eines solchen Ausschusses aber noch offen. Wie wäre es, wenn wir mit der Befragung einfach schon mal anfangen - bei uns selbst?

Sich selbst verzeihen

Wer es ernst meint mit der Aufarbeitung, der könnte sich unabhängig von der Verantwortung der Politiker doch fragen: Habe ich selbst etwas falsch gemacht? Und wenn ja, was? Was habe ich in der unübersichtlichen und stressigen Lage der ersten Pandemie meines Lebens falsch eingeschätzt?

Und um ein inzwischen geflügeltes Wort des früheren Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) aufzugreifen: Was muss ich mir selbst verzeihen?

Hamster und Vitamin B

Hier ein erster denkbarer Ansatz mit einem Dutzend Fragen für einen Corona-Untersuchungsausschuss in eigener Sache:

  • Habe ich 2016 Witze darüber gemacht, dass der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) jedem Haushalt Notvorräte für zehn Tage empfahl?
  • Habe ich beim Ausbruch der Pandemie Nudeln, Klopapier und/oder Masken gehamstert?
  • Hatte ich den Mundschutz im vollbesetzten Bus am liebsten unter dem Kinn hängen?
  • Habe ich mich nach dem starken Mann gesehnt, der endlich mal durchregiert?
  • Habe ich über Politiker geschimpft, ohne zu bedenken, dass ich vielleicht angesichts der Last der Verantwortung nicht mit ihnen hätte tauschen wollen?
  • Habe ich Lockdown-Gegner pauschal als Schwurbler verlacht, weil ich mit meiner Rundum-Sorglos-Existenz als Erbe, Beamter oder festangestellter Redakteur leicht reden hatte?
  • Ist in mir der Blockwart erwacht, wenn sich trotz Kontaktsperre mal mehrere Jugendliche abends an der Bushaltestelle getroffen haben?
  • Fußte mein hartes Urteil über Impfskeptiker zu einem großen Maß auf Selbstgefälligkeit?
  • Habe ich auf Demos "Corona-Diktatur" gerufen, obwohl ein solcher Widerspruch in einer Diktatur kaum erlaubt wäre?
  • Habe ich Vitamin B genutzt, um in einer Praxis einen Impftermin zu bekommen, obwohl ich zu keiner Risikogruppe gehörte?
  • Habe ich mich länger als nötig im Homeoffice verdrückt oder telefonisch krankschreiben lassen, um daheim Netflix-Serien zu schauen oder endlich die Gartenhütte fertig zu bekommen?
  • Habe ich damals auf dem Balkon fürs schwer belastete medizinische Personal geklatscht und fahre trotzdem in die Notaufnahme, sobald mir ein Furz querliegt?

Die Liste ist ohne Anspruch auf Vollkommenheit oder Vollständigkeit. Wenn Sie sie ändern oder ergänzen würden: Vorschläge können Sie gerne weiter unten machen. Falls Sie es für kompletten Unfug halten: Immer raus damit!

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Ihre Kommentare Wo lagen Sie während der Corona-Pandemie daneben?

91 Kommentare

  • Meine Frau ist immunsupprimiert. Ich habe mich geirrt, als ich glaubte, dass vulnerable Menschen in dieser Gesellschaft geschützt würden.

    Es gibt keinen Schutz. Man kann sich selbst zu schützen versuchen, begegnet aber oft Unverständnis oder wird für das Tragen einer Maske angefeindet. Hat man Kinder, so wie wir, hat man keine Chance, denn an Schulen gibt es keinen Infektionsschutz (mehr) für kranke Kinder oder auch Kinder, bei denen ein Elternteil vorerkrankt ist.

    Die Öffentlichkeit wird immer noch nicht richtig aufgeklärt, dass Infektionen dauerhafte Schäden verursachen können. Noch schlimmer, Infektionen werden sogar als förderlich für das Immunsystem angesehen.

    Viele Familien wie meine, die man Schattenfamilien nennt, wissen keinen anderen Ausweg und ziehen in ein anderes Land, das Homeschooling erlaubt, um kranke Familienangehörige schützen zu können.

    Ich bedaure es sehr, dass ich mich geirrt habe.

  • Ich habe mich während der Corona-Pandemie geirrt.

    Ich hätte nicht gedacht, dass irgendwann alle die Gefahr ignorieren würden. In den Schulen und Kindergärten gibt es keine Luftfilter, und Lehrkräfte sowie andere Menschen, die viele Kontakte haben, infizieren sich immer wieder. Schüler und Kindergartenkinder werden ständig krank, obwohl es klare Studien zur Gefährlichkeit des Virus gibt.

    Ich dachte nicht, dass Kinder keine Unterstützung bekommen und dass kranke Menschen egal sind. Ich habe die Solidarität in unserem Land überschätzt.

    Wenn man eine Maske trägt, wird man wie ein Außenseiter behandelt, manchmal sogar beschimpft oder angegriffen.

    Der Schutz vor einem gefährlichen Virus wird schlecht gemacht, und kranke Kinder sind in den Klassenräumen dem Virus ständig ausgesetzt. Alle ignorieren die Gefahr. Gleichzeitig wurde den Querdenkern mehr geglaubt als den Wissenschaftlern. Da war mein Fehler.
    Durch Covid bin ich, an ME/CFS erkrankt und leben deswegen als Schattenfamilie.

  • Ich habe geglaubt, dass die Impfung Corona wieder eliminiert und gegen Corona schützt.
    Leider stimmte vieles nicht von dem, was uns erzählt wurde.
    Aus heutiger Sicht würde ich mich nicht mehr impfen lassen.
    Was mich damals erschreckt hat, war der unmenschliche Umgang mit denen, die sich nicht impfen lassen wollten. Das war ein sehr dunkles Kapitel in unserer Geschichte.

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