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Frankfurter Bahnhofsvorplatz soll Emilie und Oskar Schindler gedenken

Oskar Schindler hat mit seiner Ehefrau Emilie mehr als 1.000 Juden vor den Nazis gerettet. Hollywood verfilmte diese Geschichte. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Schindler in Frankfurt, wo seiner bislang nur knapp gedacht wird. Das soll sich nun an prominenter Stelle ändern.

In Yad Vashem, der bedeutendsten Gedenkstätte an die nationalsozialistische Judenvernichtung, haben Emilie und Oskar Schindler ein Ehrengrab. In Frankfurt, wo Oskar Schindler die letzten neun Jahre seines Lebens verbrachte, gibt es eine Erinnerungsplakette und eine kleine, nach ihm benannte Straße am Rand von Frankfurt-Bonames.

"Frankfurt hat es bislang nicht geschafft, seine Taten gebührend zu würdigen", sagt Petra Thomsen (Grüne), stellvertretende Vorsteherin des Ortsbeirats 1, zu dem der Hauptbahnhof gehört.

Der Ortsbeirat hat am Dienstag beschlossen, Schindler prominenter zu würdigen: Der bislang namenlose Vorplatz des Hauptbahnhofs, an dem Schindler wohnte, soll künftig "Emilie-und-Oskar-Schindler-Platz" heißen.

"Herausragende Vorbilder für Menschlichkeit und Mut"

"Der Ortsbeirat 1 würdigt damit in angemessener Weise und an einem zentralen Ort in Frankfurt die historischen Leistungen von Emilie und Oskar Schindler", heißt es in der Begründung. Die Schindlers hatten ungefähr 1.200 jüdische Menschen vor der Ermordung in Konzentrationslagern des NS-Staats gerettet. 1993 war der davon handelnde Film "Schindlers Liste" mit sieben Oscars ausgezeichnet worden.

Ein Besucher der Ausstellung "Vater Courage Oskar Schindler - unerkannt in Frankfurt" betrachtet im Museum Judengasse in Frankfurt ein Porträt von Schindler (Foto vom 23.04.2008).

"Emilie und Oskar Schindler dienen als herausragende Vorbilder für Menschlichkeit und Mut", heißt es weiter im Antrag, der im Ortsbeirat einstimmig hätte beschlossen werden sollen. Doch weil auch der Vertreter der rechtspopulistischen Bürger für Frankfurt (BFF) den Antrag unterstützte, stimmte die Ökologische Linke (ÖkolinX) dagegen.

Dieses Detail aber solle die einzige Schwierigkeit bleiben, der Ortsbeirat hat schließlich das Recht, Plätze und Straßen zu benennen - auch wenn er seinen Entschluss nun noch der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und dem Magistrat vorschlagen muss. "Dort muss die Umbenennung aber nicht abgesegnet werden", sagt Petra Thomsen.

Deutsche Bahn ist "aufgeschlossen"

Einzig die Deutsche Bahn könnte den neuen Namen noch verhindern. Als Eigentümerin des Bahnhofsvorplatzes steht sie der Sache aber "aufgeschlossen gegenüber", teilte eine Sprecherin auf hr-Anfrage mit. Man orientiere sich letztendlich an den Gremienbeschlüssen der Stadt Frankfurt.

Die werde schließlich einen internationalen künstlerischen Wettbewerb ausrufen, der die bestmögliche Lösung zum Gedenken an die Schindlers finden soll, sagt Thomsen. Die künstlerische Gestaltung solle eindrücklich vermitteln, was das Ehepaar bewirkt hat - die Benennung an sich aber schnellstmöglich umgesetzt werden, damit die letzten Überlebenden der sogenannten "Schindlerjuden" noch davon erfahren oder es miterleben.

Grünen-Bundesvorsitzender lobt Beschluss

"Großer Dank an den Ortsbeirat für diese Entscheidung und an die Deutsche Bahn für die Bereitschaft, sie mitzutragen", twitterte Omid Nouripour, der Bundesvorsitzende der Grünen aus Frankfurt. "Die Ehrung dieser beiden Gerechten unter den Völkern steht unserer Stadt Frankfurt und ihrer Tradition von aktiver Toleranz gut an."

Großer Dank an den Ortsbeirat für diese Entscheidung und an die ⁦⁦ @DB_Bahn ⁩ für die Bereitschaft, sie mitzutragen. Die Ehrung dieser beiden Gerechten unter den Völkern steht unserer Stadt Frankfurt und ihrer Tradition von aktiver Toleranz gut an. https://t.co/0dKzzuvBvJ

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Schindler, ein sudetendeutscher Industrieller, hatte in seiner Emailwarenfabrik im polnischen Krakau viele jüdische Zwangsarbeiter beschäftigt. Einerseits bewahrte er sie, mit der Hilfe von Emilie, so vor Deportation und Ermordung durch die Nazis. Andererseits, auch das gehört zu seiner Geschichte, verdiente er als NSDAP-Mitglied viel Geld mit ihnen, ehe er zum Retter wurde.

"Wäre Schindler nicht gewesen, wie er war, wären wir auch nicht mehr gewesen. Das Glück war, dass Schindler war, wie er war", sagte Moshe Bejski, der von Schindler gerettet worden war und später Richter am Obersten Gerichtshof Israels wurde, einst in einem ZDF-Interview. "Die Normalen haben nicht gemacht, was Schindler gemacht hat."

Gedenken könnte noch "ein paar Jahre" brauchen

1949 wanderten die Schindlers nach Argentinien aus und trennten sich dort. Oskar Schindler kehrte 1957 nach Deutschland zurück und lebte ab 1965 in einer Einzimmerwohnung im Frankfurter Bahnhofsviertel. 1974 ist er gestorben.

"Über die vergangenen Jahrzehnte gab es viele Versuche, ihn hier zu ehren", sagt Petra Thomsen. Aus unterschiedlichsten Gründen sei es bislang aber nie dazu gekommen. Dass sich dies nun ändert, steht nach dem Ortsbeirats-Beschluss fest.

Nur wann es sich ändert, ist zum Teil noch völlig offen, sagt Thomsen. "Solange der Bahnhofsvorplatz noch eine Baustelle ist, muss man überlegen, wie man die Ehrung vorübergehend umsetzen kann, bis der Platz wieder wirklich schön ist." Es könne also noch ein paar Jahre dauern, bis der Schindlers künstlerisch gedacht wird. Die Umbenennung aber könne auch kurzfristig, in den nächsten Monaten erfolgen.

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