Vili-Viorel Păun verfolgte den Attentäter von Hanau und bezahlte das mit dem Leben. Wäre er bei einem funktionierenden Polizei-Notruf zu retten gewesen? In dieser Frage spielt nun ein dramatisches Video eine Rolle.

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Fragen zu Polizei-Notruf im Hanau-Untersuchungsausschuss

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Der Notruf der Hanauer Polizei war in der Nacht des rassistischen Anschlags mit neun Todesopfern technisch veraltet und zeitweise auch personell überfordert. Das hat der Untersuchungsausschuss des Landtags, der möglichem Behördenversagen nachgeht, bislang ergeben.

Die dahinter stehende Frage, eine der zentralen der ganzen parlamentarischen Untersuchung, ist damit nicht geklärt: Hätten ein oder mehrere Opfer überleben können, wenn der Polizei-Notruf einwandfrei funktioniert hätte? Am Montag steht sie erneut im Mittelpunkt - und das auf dramatische Weise.

Den Mitgliedern wird ein Video gezeigt, wie der Ausschussvorsitzende Marius Weiß (SPD) sagte. In dem nur knapp 20 Sekunden langen Clip soll zu sehen sein, wie der Attentäter Tobias R. das Auto des später von ihm getöteten Vili-Viorel Păun beschießt. Wie der junge Mann waren am 19. Februar 2020 acht weitere Menschen mit Migrationshintergrund gestorben, bevor der Täter seine Mutter und sich selbst tötete.

Hätten Worte bewirkt, was Schüsse nicht taten?

Der 22-jährige Păun verfolgte den Täter in der Tatnacht und wählte dabei mehrfach den Notruf. Doch wegen der Notruf-Mängel kam er nicht durch. Angehörige und ein großer Teil der Opposition glauben: Hätte Păun den Notruf nur erreicht, hätten die Polizeibeamten ihn davon abhalten können, dem Täter zu folgen.

Die aus dem Regierungslager stammenden Kritiker dieser Theorie setzen darauf, dass die Aufnahmen der Überwachungskamera das Gegenteil nahelegen. Denn der Attentäter schoss schon auf Păuns Wagen, bevor dieser die Verfolgung aufnahm. Păun folgte Tobias R. vom ersten Tatort, dem Heumarkt, zum zweiten Tatort: der Arena Bar am Kurt-Schumacher-Platz.

Wenn sogar Schüsse auf das eigene Auto Păun nicht davon abgehalten haben, dem Täter zu folgen: Hätten es dann Worte einer Polizeibeamtin am Telefon geschafft?

Warum wurde der Notruf so lange vernachlässigt?

Eine endgültige Antwort wird das Video allerdings kaum geben können. Dass es die Schüsse gab, war schon bekannt. Die Aufnahme gehört zu den vielen kleinen Puzzleteilen, die der Untersuchungsausschuss für ein Gesamtbild der Tatnacht zusammensetzen muss. Weitere Teile sollen am Montag die Aussagen mehrerer Zeugen liefern.

Unter anderem wird jene Polizeibeamtin befragt, die in der Tatnacht den Notruf bedient hat. Außerdem ein Kollege, der zunächst ebenfalls Notrufe entgegennahm, später aber zum ersten Tatort am Heumarkt gerufen wurde. Dadurch war die Polizistin mit dem Notruf allein.

Der Zustand des Hanauer Notrufs ist Gegenstand zweier weiterer Befragungen: Der Leiter der Polizeidirektion Main-Kinzig sowie der damalige Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen sollen sagen, seit wann sie über die Probleme mit dem Hanauer Notruf Bescheid wussten und warum nichts unternommen wurde.

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Weitere Akten freigegeben

Noch im Juli soll der Untersuchungsausschuss weitere Akten zum Fall geliefert bekommen. Wie der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Marius Weiß (SPD), twitterte, habe der Generalbundesanwalt zugestimmt, bisher als vertraulich eingestufte Informationen zur Verfügung stellen zu wollen.

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