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Bus-Ärger in Büdingen

Mal kommen sie zu spät, mal gar nicht und das seit Wochen: In der östlichen Wetterau sorgt der Ausfall von Linienbussen vor allem bei Schülern und Eltern für Frust. Jetzt hat das Thema den Kreistag erreicht - offenbar mit Erfolg.

Seit dem Ende der Sommerferien bietet sich am Büdinger Schulzentrum am Dohlberg mittags häufig ein ähnliches Bild: Schülerinnen und Schüler sammeln sich an den Bushaltestellen, warten vergeblich, blicken orientierungslos auf ihre Handys oder rennen zwischen Haltestellen hin und her.

Die für den Heimweg vieler Jugendlicher wichtigen FB-20er Buslinien kommen mit Verspätung oder gar nicht. Auch in den benachbarten Gemeinden Ortenberg und Glauburg-Stockheim ist es immer wieder fraglich, ob Kinder morgens abgeholt oder mittags nach Hause gebracht würden. Oft müssen Eltern den teils über zehn Kilometer langen Schulweg selbst organisieren.

Kritik an Busunternehmen

Warum die Busse nicht fahren, ist unklar. Informationen auf der RMV-Webseite gibt es nicht. Betroffene Eltern berichten in den sozialen Medien, das ausführende Busunternehmen habe auf Nachfrage behauptet, die Busse seien sehr wohl gefahren. Ein Mitarbeiter schrieb auf Facebook indes von katastrophalen Krankenständen. Auf hr-Anfrage war der Busbetreiber vorerst nicht erreichbar.

Da es zudem Berichte über massive Sicherheitsprobleme bei den Bussen gab, wandten sich Elternvertreter der Gesamtschule Konradsdorf, der Keltenbergschule Stockheim, der Maria-Sibylla-Merian-Schule Ortenberg und des Büdinger Wolfgang-Ernst-Gymnasiums in einem offenen Brief an den Schulträger Wetteraukreis. Sie forderten unter anderem, die jeweiligen Fahrten an ein anderes Busunternehmen zu vergeben.

Beschwerden zeigen Wirkung

Nun zeigen die Beschwerden offenbar Wirkung: Der Kreistag wollte sich am Mittwoch mit dem Thema befassen. Die Wetterauer FDP-Fraktion hatte eine Anfrage an den Kreisausschuss und Landrat Jan Weckler (CDU) gestellt, die Grünen brachten einen Dringlichkeitsantrag ein. Zudem lud die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) im Vorfeld der Kreistagssitzung zu einem Gespräch zwischen betroffenen Eltern, eigenen Vertretern und Landrat Weckler ein.

Dabei habe die VGO angekündigt, dass ab kommendem Montag (10. Oktober) die Fahrten zur ersten und nach der sechsten Stunde auf der besonders betroffenen Linie FB-20 nicht mehr von dem bisherigen Unternehmen bedient werden sollen, berichtet Tobias Greilich vom Elternbeirat des Büdinger Wolfgang-Ernst-Gymnasiums. Ein anderer Auftragnehmer solle einspringen.

Problem Personalmangel

Eltern am Wetterauer Kreistag

Die VGO bestätigte am Mittwoch diesen Lösungsversuch. Man habe ein regional tätiges mittelständisches Unternehmen gefunden, das eine Reihe von Fahrten der betroffenen Linien (FB-20, FB-22 und FB-23) übernehmen werde. Damit solle "für eine nachhaltige Entspannung gesorgt werden, um den Fahrplan pünktlich und zuverlässig fahren zu können", heißt es in einer Mitteilung.

Die VGO habe seit den ersten Beschwerden vor Wochen an einer Lösung gearbeitet, sei an vielen Stellen aber am Personalmangel in der Branche gescheitert. Deswegen sei auch eine kurzfristige Kündigung des aktuellen Anbieters nicht möglich gewesen, wie ein Sprecher erläuterte. Ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember werde der aktuelle Anbieter aber nicht mehr als Subunternehmer eingesetzt.

Kritik an Preisdumping

Elternvertreter Greilich begrüßt die gefundene Lösung ausdrücklich. Eigenen Recherchen zufolge gebe es aber weniger Kapazitäts- als vielmehr Preisprobleme: "Wenn die VGO aktuelle Marktpreise zahlen würde, könnte sie wohl auch die nötigen Leistungen einkaufen", sagt er.

Das wiederum weist die VGO entschieden zurück, man zahle "den im Ausschreibungswettbewerb erzielten Preis" und habe seit Beginn des Ukrainekrieges "auf die stark steigenden Kraftstoffpreise reagiert und die monatlichen Abschläge deutlich erhöht, um den Unternehmen ihre Liquidität zu sichern", teilt Geschäftsführer Armin Klein mit.

Tobias Greilich und andere Eltern hoffen, dass sich die Situation nun beruhigt, wollen aber mit dem Kreis im Gespräch bleiben. Langfristig hoffen sie auch auf eine Änderung der Informationspolitik. Es könne nicht sein, dass die VGO von Ausfällen erst über die Eltern erfahre.

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