Volker Bouffier (li.) und Thomas Schäfer im Landtag

Der plötzliche Tod von Finanzminister Thomas Schäfer hat im ganzen Land große Bestürzung ausgelöst. Ministerpräsident Bouffier deutete in einem Statement an, dass der Finanzminister sehr unter der Corona-Krise gelitten habe.

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Der Schock über den plötzlichen Tod von Finanzminister Thomas Schäfer sitzt auch am Tag danach noch tief. Das war Ministerpräsident Volker Bouffier am Sonntagmittag deutlich anzumerken, als er in der Staatskanzlei in Wiesbaden vor die Mikrofone trat. "Der Anlass ist der traurigste, zu dem wir je eingeladen haben", hatte Staatsekretär Michael Bußer dessen Statement eingeleitet.

"Die Nachricht traf mich und uns alle völlig unvorbereitet", sagte Bouffier. Er sei "geschockt, fassungslos und unendlich traurig". Seine Gedanken seien in dieser Stunde besonders bei der Familie, der Frau und den Kindern von Thomas Schäfer.

Schäfers Tod sei ein großer Verlust für das Land Hessen. "Gerade ihn hätten wir in einer so schweren Zeit besonders gebraucht", sagte Bouffier. In solch einer Krise bedürfe es vor allem Besonnenheit und Tatkraft. "Für beides stand Thomas Schäfer".

Bouffier: "Sorgen haben ihn erdrückt"

Der Finanzminister habe sich nach den Worten von Bouffier große Sorgen um die Bewältigung der Corona-Krise gemacht. "Große Sorgen vor allen Dingen darum, ob es gelingen könne, die riesigen Erwartungen in der Bevölkerung, insbesondere der finanziellen Hilfen, zu erfüllen", sagte der Ministerpräsident. "Ich muss davon ausgehen, dass ihn diese Sorgen erdrückt haben. Er fand offensichtlich keinen Ausweg mehr. Er war verzweifelt und ging von uns. Das erschüttert uns, das erschüttert mich."

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Fahnen auf Halbmast

Das Innenministerium ordnete am Sonntag für alle öffentlichen Gebäude und Dienststellen im Land für drei Tage Trauerbeflaggung an. "Der plötzliche Tod von Thomas Schäfer macht mich sehr traurig", sagte Minister Peter Beuth, "unsere Zusammenarbeit wird mir sehr fehlen".

Am Samstagvormittag war die Leiche des Finanzministers an der ICE-Strecke bei Hochheim (Main-Taunus) gefunden worden. "Aufgrund der Gesamtumstände, der umfangreichen Tatortarbeit, der Befragung zahlreicher Zeugen, der Auffindesituation vor Ort sowie technischer und kriminalwissenschaftlicher Auswertungen und Untersuchungen" sei von Suizid auszugehen, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei Wiesbaden mit. Schäfer wurde 54 Jahre alt und hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Bis zur Ernennung eines neuen Ministers wird der parteilose Staatssekretär Martin Worms die Amtsgeschäfte im Finanzministerium führen. Der 65-Jährige wurde 2017 zum Staatssekretär ernannt, zuvor hatte er fast eineinhalb Jahrzehnte die Abteilung Haushalt und Finanzpolitik im Ministerium geleitet. "Wir werden ihn nicht vergessen - als Minister, Chef und vor allem als Mensch", schrieb Worms am Sonntag über Schäfer in einem Runndschreiben an die Mitarbeiter des Ministeriums.

Zahlreiche Trauerbekundungen von Politikern und Weggefährten

Noch in der Nacht hatten zahlreiche Politiker und Weggefährten Schäfers mit Bestürzung und Trauer auf die Todesnachricht reagiert. Die Reaktionen setzen sich am Sonntag fort - und das über Parteigrenzen hinweg.

"Thomas war ein großartiger Kollege und ein guter sowie vertrauensvoller Freund", teilte CDU-Landtagsfraktionschef Michael Boddenberg" mit. "Schon jetzt vermisse ich seine sehr verantwortungsvolle und zugleich sehr menschliche Art des Umgangs und nicht zuletzt seinen auch in schwierigen Zeiten immer wieder aufkeimenden Humor."

Am Sonntag vor dem Amtsgericht in Biedenkopf, der Heimatgemeinde des hessischen Finanzminister Thomas Schäfer: ein Trauerflor an einer deutschen Fahne neben einer Fahne mit dem hessischen Landeswappen.

"Ich kenne wenige Persönlichkeiten, die so standfest, interessant und zuverlässig waren wie Thomas Schäfer" sagte Landtagspräsident Boris Rhein (CDU). "Schon jetzt fehlt er! Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, Politik ohne ihn zu gestalten." Gesundheitsminister Kai Klose, Wissenschaftsministerin Angela Dorn und Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (alle Grüne) drückten ihre Trauer in den sozialen Medien kommentarlos mit Fotos einer brennenden Kerze aus.

"Professionell und bodenständig"

Auch die Landtagsfraktion der Grünen zeigt sich "von tiefer Trauer erfüllt", wie der Farktionsvorsitzende Mathias Wagner in einer Mitteilung schreibt. "Wir werden Thomas Schäfer vermissen, als Mensch und als überaus kompetenten und umsichtigen Politiker. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen."

Hessens früherer Ministerpräsident Roland Koch CDU), dessen Büroleiter Schäfer einst war, erinnerte sich: "In seltener Weise verstand er höchste Kompetenz und Professionalität mit Bodenständigkeit, Zugewandtheit und Geselligkeit zu verbinden - und mit seinem trockenen, bisweilen deftigen Humor half er auch schwierige Situationen zu lösen."

Faeser: Seine seelischen Schmerzen blieben uns verborgen

Hessens SPD-Landtagsfraktionschefin Nancy Faser würdigte die Verdienste von Schäfer. "Zurück bleiben tiefe Trauer und die Erinnerung an einen Mann, der die Geschicke unseres Landes über viele Jahre maßgeblich mitgestaltet hat", sagte Faeser. "Als Politiker war Dr. Thomas Schäfer geradlinig und durchsetzungsstark, schlagfertig und humorvoll. Die seelischen Schmerzen, die der Mensch Thomas Schäfer empfunden haben muss, blieben uns leider verborgen."

"Mit Thomas Schäfer verlieren wir einen klugen, menschlichen, humorvollen und kompetenten Kollegen. Er war eine der prägenden Persönlichkeiten der hessischen Landespolitik des letzten Jahrzehnts", teilten FDP-Landtagsfraktionschef René Rock und der FDP-Landesvorsitzende Stefan Ruppert mit.

Die Linksfraktion im Landtag reagierte ebenfalls geschockt: "Ich bin bestürzt und fassungslos über diese schreckliche Nachricht. Mein Beileid und mein Mitgefühl gilt seiner Familie", twitterte Fraktionschefin Janine Wissler.

Die AfD-Fraktion im Landtag bekundete auch ihr Beileid. "Wir alle haben Thomas Schäfer am Dienstag noch im Plenum erlebt. Die Plötzlichkeit seines Todes geht uns sehr nahe", hieß es in einer Mitteilung.

Bätzing: "Kompetent, humorvoll, verlässlich"

Große Anteilnahme auch bei den Kirchen: "Als Bischof habe ich ihn in unseren Gesprächen mit der hessischen Landesregierung und in persönlichen Begegnungen sehr schätzen gelernt. Er war für mich immer ein besonnener, kompetenter, humorvoller und verlässlicher Gesprächspartner", sagt der Limburger Bischof Georg Bätzing. "Die Nachricht vom Tod Thomas Schäfers hat mich geschockt und sehr erschüttert", sagte der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung.

Ähnlich äußerte sich auch der Präsident des Hessischen Landkreistages, der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU). Man werde die Zusammenarbeit mit dem Verstorbenen vermissen.

Der Präsident des Hessischen Städtetages, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) würdigte Schäfer als fairen Verhandlungspartner, der stets die Landesinteressen mit den kommunalen Anliegen in Übereinklang zu bringen versucht habe.

Für die Deutsche Steuer-Gewerkschaft schrieb deren Landesvorsitzender Michael Volz, der Minister sei rund 20 Jahre lang eine tragende Säule der Landespolitik gewesen.

Weitere Informationen

Hilfe bei Suizid-Gedanken

Wenn Sie verzweifelt sind und in einer bedrückenden Lebenssituationen keinen Ausweg sehen: Suchen Sie sich Hilfe bei anderen Menschen. Das kann ein Gespräch mit Familienangehörigen oder Freunden sein. In seelische Krisen könne man immer wieder mal geraten, das sei nichts Unnormales, sagen Psychologen. Deshalb gibt es Hilfe und professionelle Beratungsangebote. Hier können Sie auch anonym bleiben. Die Telefonseelsorge ist zu jeder Tages- und Nachtzeit unter der Rufnummer 0800/1110111 erreichbar.

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Sendung: hr-iNFO, 29.03.2020, 13 Uhr