Gert-Uwe Mende lässt sich von seinen Parteikollegen feiern.

Gert-Uwe Mende ist der neue Oberbürgermeister von Wiesbaden. Der SPD-Kandidat ließ am Sonntag bei der Stichwahl seinen CDU-Konkurrenten Eberhard Seidensticker klar hinter sich.

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Die Bürger in der Landeshauptstadt haben am Sonntag ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Bei der Stichwahl um den Oberbürgermeisterposten landete SPD-Kandidat Gert-Uwe Mende einen klaren Sieg. Für den neuen Wiesbadener OB stimmten nach Auszählung aller 260 Wahlbezirke 61,8 Prozent. Sein klar unterlegener Konkurrent Eberhard Seidensticker von der CDU kam nur auf 38,2 Prozent. Einzig die Ortsbezirke Heßloch und Sonnenberg konnte Seidensticker gewinnen.

"Das ist ein wunderbares Wahlergebnis. Ich freue mich riesig, aber wir bleiben mit beiden Füßen auf dem Boden", sagte Mende in einer ersten Reaktion nach seinem Triumph. Zugleich bedankte er sich bei Seidensticker, der dem neuen OB bereits während der laufenden Stimmenauszählung gratulierte, für einen "fairen Wettkampf".

Seidensticker zeigte sich angesichts der deutlichen Niederlage "schon ein Stück weit enttäuscht". Trotzdem wolle er der Politik mit Blick auf die Kommunalwahl 2021 erhalten bleiben, so der CDU-Mann.

Seidensticker und Mende waren nach dem ersten Durchgang am 26. Mai mit insgesamt sieben Bewerbern auf den frei gewordenen OB-Posten im Wiesbadener Rathaus übrig geblieben. Beim Finale am Sonntag waren knapp 210.000 Wahlberechtigte zum Gang an die Urne aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei nur bei 32,1 Prozent. Vor drei Wochen waren es noch mehr als 50 Prozent, allerdings fand parallel auch die Europawahl statt.

Glückwünsche von Schäfer-Gümbel

"Wiesbaden hat gezeigt, dass die SPD die Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen kann, wenn Kandidat, Programm und Kampagne zusammenpassen", gratulierte SPD-Landeschef Torsten Schäfer-Gümbel in einer Mitteilung.

Die Landtagsfraktion verliere nun zwar einen wertvollen politischen Kopf, die Landeshauptstadt gewinne aber ein hervorragendes Staatsoberhaupt. "Wiesbaden ist bei ihm in den allerbesten Händen."

Wiesbadener SPD feiert "ein geiles Ergebnis"

Mende tritt die Nachfolge seines SPD-Parteikollegen Sven Gerich an, der nach Korruptionsvorwürfen das Handtuch geworfen hatte. Der Erfolg des gelernten Journalisten Mende überrascht insofern, da er dem Umfrage- und Stimmungstief seiner Partei auf Landesebene und Bundesebene trotzte. "Ziel ist ein tragfähiger Umgang mit dem Stadtparlament, um gemeinsam etwas für die Stadt zu bewegen", erklärte Mende nach seinem Sieg.

Der Wiesbadener SPD-Vorsitzende Dennis Volk-Borowski freute sich über ein "geiles Ergebnis". Die SPD habe gezeigt, dass sie nicht nur parteiintern streiten könne, sondern auch Wahlen gewinne könne. Auch die Bundespartei freute sich über den Erfolg. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sendete per Twitter Glückwünsche in die hessische Landeshauptstadt.

Ein großer Glückwunsch nach Wiesbaden! https://t.co/UFitdlHTJi

[zum Tweet]

CDU: "Unermüdlicher Einsatz nicht belohnt"

Strahlende Gesichter auf der einen, hängende Köpfe auf der anderen Seite. "Wir hätten uns einen anderen Ausgang gewünscht. Seidenstickers unermüdlicher Einsatz wurde leider nicht belohnt", sagte Hessens CDU-Generalsekretär Manfred Pentz.

Schon nach dem ersten Wahlgang vor drei Wochen hatte Mende mit 27,1 Prozent der Stimmen die Nase vorne gehabt. CDU-Rivale Seidensticker schaffte es hingegen gerade so in die Stichwahl. Nur mit knappem Vorsprung (24,5 Prozent) ließ er Christiane Hinninger von den Grünen (23,4 Prozent) hinter sich. Die Bewerber der vier anderen Parteien (FDP, AfD, Linke, Freie Wähler) spielten in der ersten Runde keine Rolle.

Klimaschutz versus Wirtschaft

Zumindest die Wiesbadener Linke hatte sich vor dem zweiten Wahlgang klar positioniert und für Mende ausgesprochen. Die Parteien der anderen unterlegenen Kandidaten gaben dagegen keine Wahlempfehlungen ab. Mende war zuletzt auffällig oft in den Innenstadt-Hochburgen der Grünen unterwegs, um dort mit seiner Forderung nach mehr Klimaschutz zu punkten. Der Dachdeckermeister und gebürtige Wiesbadener Seidenstecker betonte hingegen die Bedeutung der heimischen Wirtschaft.

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Ansonsten gab es eine vergleichsweise große Schnittmenge beider Kandidaten, die sich unisono einen besseren Nahverkehr in der Landeshauptstadt sowie die Bekämpfung der Wohnungsnot auf die Fahne geschrieben hatten. Die polarisierenden Knaller auf beiden Seiten fehlten praktisch, sodass der Wahlkampf zwischen Mende und Seidensticker fast schon harmonisch verlaufen war.

Neben der OB-Wahl in Wiesbaden fanden in Hessen noch weitere vier Stichwahlen statt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 16.06.2019, 19.30 Uhr