Indiz für langen Ukraine-Krieg? US-Army will ukrainische Soldaten in Wiesbaden ausbilden

Die US-Army plant Medienberichten zufolge, ein Trainingszentrum für ukrainische Soldaten in Wiesbaden zu schaffen. Diese sollen dort den Umgang mit westlichen Waffen trainieren.

Ein Archivbild zeigt ein Schild mit der Aufschrift "Lucius D. Clay Kaserne" vor dem Haupttor des Flugplatzes in Wiesbaden-Erbenheim, Sitz des Europa-Hauptquartiers der US-Armee.
Das Haupttor des Flugplatzes in Wiesbaden-Erbenheim, Sitz des Europa-Hauptquartiers der US-Armee. (Archivbild) Bild © picture-alliance/dpa
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In Wiesbaden, wo das Hauptquartier des US-Heeres in Europa und Afrika stationiert ist, soll ein Ausbildungszentrum für ukrainische Soldaten entstehen. Das berichtet die New York Times (NYT) unter Berufung auf namentlich nicht genannte, hochrangige US-Beamte. 300 Militärkräfte sollen sich demnach in Wiesbaden um die Ausbildung kümmern.

Wie die NYT weiter berichtet, findet ein Großteil der Ausbildung ukrainischer Soldaten an US-Waffensystemen schon jetzt in der hessischen Landeshauptstadt oder in ihrer Nähe statt. Die Ukrainer würden vorübergehend aus den Kriegsgebieten abgezogen, um den Umgang mit westlichen Waffensystemen zu trainieren, die vermehrt von den USA und Bündnispartnern an das von Russland angegriffene Land geliefert werden.

Ausbildung ähnlich wie im Irak und Afghanistan

Die NYT beruft sich auf die Angaben von Vertretern des US-Verteidigungsministeriums Pentagon, denen zufolge bislang etwa 2.000 Ukrainer für den Umgang mit US-Artillerie und Drohnen ausgebildet worden sind. Wie die Zeitung weiter berichtet, ist der Plan für Wiesbaden nun Teil eines größeren Vorhabens, mit dem die US-Streitkräfte darauf abzielen, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine spontan geschaffene Ausbildung ukrainischer Soldaten zu überarbeiten.

Das Ganze solle eine formelle Struktur bekommen, die grob den US-Ausbildungs- und Unterstützungsbemühungen im Irak und in Afghanistan in den vergangenen zwei Jahrzehnten nachempfunden sei.

Eine hr-Anfrage an den US-Stützpunkt in Wiesbaden blieb zunächst unbeantwortet. Der Pressesprecher des Pentagons wollte die Planungen für einen dortiges Ausbildungszentrum gegenüber der NYT nicht kommentieren. Er teilte aber schriftlich mit: "Wir bewerten und verfeinern kontinuierlich unsere interne Haltung und unsere Prozesse, um sicherzustellen, dass wir der Ukraine rechtzeitig relevante Sicherheitshilfe leisten." Damit diese eine "dauerhafte Stärke" aufbauen könne, "um eine zukünftige russische Aggression abzuschrecken".

Schneller ukrainische Operationen unterstützen

Der Wiesbadener Kurier zitierte einen Sprecher der US-Streitkräfte in Wiesbaden: "In enger Abstimmung mit unseren Verbündeten und Partnern unternehmen wir weiterhin Schritte, um unsere Unterstützung für die ukrainischen Streitkräfte einheitlicher auszurichten." Ein Sprecher des US-Hauptquartiers in Stuttgart sagte der Zeitung zudem, dass schon am 6. August das "International Donor Coordination Center" – ein multinationales Logistikteam, das die Hilfe für die Ukraine koordiniert – nach Wiesbaden verlegt worden sei.

Die Zusammenfassung dieser Spezialisten in Wiesbaden mit dem Hauptquartier der US-Armee in Europa und Afrika sowie dem 18. Luftlandekorps erhöhe die Fähigkeit, ukrainische Operationen schnell zu unterstützen. Die neuen Pläne für Wiesbaden gehen der NYT zufolge von US-General Christopher G. Cavoli aus, der ein entsprechendes Konzept im Pentagon vorgelegt habe. Das neue Kommando werde demnach auch an ihn berichten.

Indiz für länger andauernden Konflikt

Cavoli ist seit Juli dieses Jahres der Befehlshaber der US-Streitkräfte in Europa mit Sitz in Stuttgart und gleichzeitig der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa. Bis Juli war Cavoli Oberbefehlshaber in Wiesbaden.

Cavolis Vorhaben wird der NYT zufolge von Beobachtern in den USA als Indiz gewertet, dass die Bedrohung Russlands für die Ukraine und weitere Nachbarstaaten aus Sicht der USA noch lange andauern dürfte. Ob das Vorhaben für das Ausbildungszentrum in Wiesbaden auch umgesetzt wird, soll dem Bericht zufolge innerhalb der nächsten Wochen entschieden werden.

Quelle: hessenschau.de/Max Sprick