Darmstadt 98 im Teamcheck Die Lilien gehen in den Kampf mit Giganten

Der kleinste Etat, der große Außenseiter und dennoch hat der SV Darmstadt 98 in der neuen Bundesliga-Saison einiges vor. Geht es nach den Lilien soll die Spielzeit keine Eintagsfliege bleiben. Dafür muss der Teamspirit stimmen und ein Rückkehrer den Sturm neu beleben.

Torsten Lieberknecht Darmstadt 98
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Lilien sagen "Sorry" und mahnen zur Ruhe

hs 15.08.2023
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Der Saisonstart verlief denkbar schlecht für den SV Darmstadt 98. Mit 0:3 flogen die Lilien beim Regionalligisten Homburg hochkant aus dem DFB-Pokal. Beim Bundesliga-Start am Sonntag (17.30 Uhr) bei Eintracht Frankfurt wollen es die Südhessen sofort besser machen.

So lief die vergangene Saison

Blendend. Nachdem die Lilien eine Saison zuvor den Aufstieg noch hauchzart verpassten, schüttelten sich die Südhessen in der Sommerpause einmal kurz und machten im Anschluss genau da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten. Am 12. Spieltag erklommen die Darmstädter die Tabellenspitze und gaben sie erst am letzten Spieltag, als Heidenheim die Lilien gerade noch vom Thron stieß, ab. Zweitliga-Meisterschaft also verpasst, Aufstieg dafür souverän geschafft.

Bemerkenswert war dabei, wie die Südhessen zahlreiche Widerstände aus dem Weg räumten. Zu Beginn der Saison mussten sie das System ändern, weil mit Luca Pfeiffer und Tim Skarke zwei wichtige Spieler gewechselt waren, im Verlauf der Spielzeit plagten die 98er teilweise so ausufernde Verletzungssorgen, dass die Auswechselbank nicht vollständig gefüllt werden konnte. Den Darmstädtern war das egal, zwischenzeitlich gelangen ihnen 21 Spiele ohne Niederlage.

Wer kommt, wer geht?

Auch in diesem Jahr müssen die Lilien vor der Saison schmerzhafte Abgänge verkraften. Sowohl Verteidiger Patric Pfeiffer, der seinen Vertrag nicht verlängerte, als auch Angreifer Phillip Tietz, für den die Lilien etwa 2,5 Millionen Euro Ablöse erhielten, schlossen sich im Sommer dem FC Augsburg an. Besonders der Abgang von Tietz, der im Sturm Antreiber, Torschütze und Spielmacher in einem war, schmerzt die Südhessen sehr.

In seine Fußstapfen soll eigentlich Fraser Hornby treten. Der Schotte, der von Stade Reims nach Darmstadt wechselte, verpasste aber weite Teile der Vorbereitung und ist noch nicht ganz bei den Lilien angekommen. Am Donnerstag reagierten die Lilien auf die Sturmflaute und lotsten mit Luca Pfeiffer einen Altbekannten zurück ans Böllenfalltor. Der einstige kongeniale Sturmpartner von Tietz kommt auf Leihbasis vom VfB Stuttgart und soll das Angriffsspiel neu beleben.

In der Abwehr haben sich die 98er mit Christoph Klarer von Fortuna Düsseldorf und Matej Maglica (Stuttgart) verstärkt, im Mittelfeld sind Fabian Nürnberger (Nürnberg) und Andreas Müller (Magdeburg) neu.

Der Trainer

Dass ein Trainer seinen Vertrag, der sowieso noch zwei Jahre Gültigkeit aufweist, vorzeitig um weitere zwei Jahre verlängert, ist einerseits im Fußball-Geschäft mindestens ungewöhnlich, passt bei Torsten Lieberknecht und Darmstadt 98 aber wie die Faust aufs Auge. Der Pfälzer und die Lilien: It's a match. Vor zwei Jahren übernahm der 50-Jährige die Südhessen, nachdem Markus Anfang sich in Richtung Bremen verabschiedet hatte. Der Rest ist Geschichte.

Nun ausgestattet mit einem Vertrag bis 2027 soll Lieberknecht in Darmstadt eine ähnliche Ära prägen wie einst in Braunschweig. Auch dort gelang ihm mit einem Außenseiter der Sprung in die Bundesliga, nach nur einem Jahr ging es damals jedoch wieder runter. Vor dem Darmstädter Trainer dürfte in dieser Saison seine schwerste Aufgabe liegen.

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Lieberknecht: "Alle sind top integriert worden"

Torsten Lieberknecht
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Die Erwartungen an die Saison

Denn für die Lilien kann es in diesem Jahr nur ein Ziel geben: den Klassenerhalt. Lieberknecht selbst sprach im Trainingslager der 98er in Herxheim in der Pfalz mit Blick auf die neue Saison von einem "Kampf gegen Giganten". Die Südhessen haben den kleinsten Etat der Liga, sind der absolute Außenseiter. Unmöglich ist diese Mission aber nicht.

Einerseits, weil mit Heidenheim ein weiterer klarer Underdog aufgestiegen ist und andererseits, weil in der vergangenen Spielzeit mit Schalke und Hertha zwei Schwergewichte abgestiegen sind. Die Möglichkeit, das Unmögliche möglich zu machen, war vielleicht selten so groß wie in dieser Spielzeit. Die Lilien, das ist klar, werden in jedem Fall den Kampf mit den Giganten annehmen.

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Darmstädter Lilien im Trainingslager

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Quelle: hessenschau.de/Nico Herold