Oliver Glasner von Eintracht Frankfurt ist frustriert

Schon vor der zweiten Partie in der Champions League bei Olympique Marseille ist die Euphorie bei Eintracht Frankfurt verflogen. Trainer Oliver Glasner nimmt sein Team in die Pflicht, taktisch könnte es die Rolle rückwärts geben.

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Die Eintracht-PK vor dem Spiel in Marseille

Eintracht-Pressekonferenz in Marseille
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Im Stadtzentrum von Marseille war die besondere Anspannung vor dem Champions-League-Gastspiel von Eintracht Frankfurt bereits am Montag spürbar. Am alten Hafen, den unzählige Kneipen und Restaurants umranden, fuhren am Nachmittag mehrere Mannschaftswagen der Polizei vor. Obwohl nur sehr vereinzelt hessische Fans, die diese Zone auf Raten der Eintracht eher meiden sollten, unterwegs waren, patrouillierten in den engen Gassen schwerbewaffnete Sicherheitskräfte. Ein seltsames Bild.

Ungebremste Vorfreude auf das erste Königsklassen-Auswärtsspiel der Frankfurter Vereinsgeschichte konnte so trotz der eigentlich perfekten Rahmenbedingung aus Sommerwetter, Pubs und dem Blick aufs Meer nicht so richtig aufkommen. Die allgemeine Gefühlslage vor Ort: irgendwas zwischen mulmig und nervös. Also ganz ähnlich wie aktuell auch bei der Eintracht. Die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner braucht nach zwei schwachen Partien in Folge dringend ein Erfolgserlebnis und schon jetzt eine Trendwende. Es steckt auf und neben dem Platz viel drin in diesem Spiel.

Stimmung bei der Eintracht ist getrübt

Coach Glasner gab sich auf der Pressekonferenz im Bauch des beeindruckenden Stade Velodrome am Montagabend dann zwar betont optimistisch. "Wir gehen es positiv an und wollen die ersten Punkte holen." Dass die Stimmung beim Europa-League-Sieger nach dem eher holprigen Saisonauftakt schon einmal besser war, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. In der Bundesliga sind die Hessen Elfter, in der Königsklasse bereits nach einem Spiel unter Druck. "Der Start verlief nicht wie gewünscht", so Glasner. Auch intern, so hört man, soll es auf der Chefebene schon einmal harmonischer zugegangen sein.

Klar ist: Die Euphorie, die die Eintracht in der vergangenen Saison zum Titelgewinn in der Europa League trug, ist lange verflogen. Vor allem der blutleere Auftritt gegen den VfL Wolfsburg am vergangenen Samstag (0:1) hat die Laune noch einmal deutlich verschlechtert. "Ich war sauer, die Spieler aber auch selbstkritisch", fasste Glasner die Gefühlslage in der Kabine zusammen. Der Eintracht fehlte gegen alles andere als überragende Wölfe vor allem das, was sie in den vergangenen Jahren stets ausgezeichnet hatte: mentale Bereitschaft und Herz. Eine Leistung nah an der Bankrotterklärung.

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Umso wichtiger ist deshalb die Partie in Marseille. Die Eintracht, die vor etwas mehr als einer Woche noch RB Leipzig mit 4:0 vom Platz gefegt hatte, muss beweisen, dass die Niederlagen gegen Sporting Lissabon (0:3) und Wolfsburg nur Ausrutscher waren und die teils verheerenden Leistungs-Schwankungen nicht zur Gewohnheit werden. "Wir müssen daraus lernen und uns weiterentwickeln", forderte Glasner. "Es ist nicht so, dass wir es nicht können." Klare Botschaft: Die Spieler sind jetzt in der Bringschuld.

Glasner kehrt wohl zur Dreierkette zurück

Welche elf Spieler diese Aufgabe am Dienstagabend (21 Uhr) von Beginn an angehen werden, ist derweil noch unsicher. Da sich mit Luca Pelligrini am Montag auch der zweite von zwei Linksverteidigern verletzt abmeldete und gar nicht erst mit an die Cote d’Azur flog und ein gelernter Rechtsverteidiger im Kader ohnehin nicht zu finden ist, steht die Eintracht plötzlich komplett ohne Fachpersonal für die beiden Außenpositionen in der Viererkette da. Heißt: Trainer Glasner muss sich in der Defensive etwas einfallen lassen und wird wohl zur Taktik mit Dreierkette und zwei Schienenspielern zurückkehren.

"Es könnte durchaus sein, dass Makoto Hasebe in der Startelf steht", blickte Glasner vielsagend voraus. In diesem Fall würde der Japaner die zentrale Position neben Evan N’Dicka und Tuta übernehmen, rechts könnte Ansgar Knauff wirbeln, links Faride Alidou eine Bewährungschance erhalten. Gute Nachrichten gibt es zudem von Sebastian Rode. Der Kapitän meldete sich nach überstandener Verletzung früher als geplant zurück und könnte direkt in die Anfangsformation rücken. "Wir werden gemeinsam besprechen, wie viel Spielzeit er sich zutraut. Aber er ist fit."

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Glasner, Fans & Marseille: Bei der Eintracht brodelt es

Marseille Fans mit Choreo, Vorne: Trapp und Payet im Profil gegenüber. Text: Heimspiel - Showdown in Marseille
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Es ist Champions League!

Entscheidender als die Auf- wird im Hexenkessel von Marseille am Dienstag aber ohnehin die Einstellung. Während es auf den mit knapp 67.000 Fans besetzten Rängen friedlich bleiben sollte, muss auf dem Rasen die Post abgehen. "Wir wollen hier alle ein Fußballfest feiern. In einem tollen Stadion, mit zwei Traditionsclubs und zwei tollen Mannschaften", so Glasner. "Wir spielen Champions League, das ist nach wie vor eine Riesen-Freude und ein tolles Gefühl. Wir können daran nur wachsen."

Da war sie also doch noch, die Vorfreude auf ein historisches Ereignis. Sollten die Hessen die Trendwende verpassen, droht jedoch schnell ein böses Erwachen im Alltag.

So könnte die Eintracht in Marseille spielen.
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