Die Anhänger von Olympique Marseille und Eintracht Frankfurt haben sich gegenseitig mit Pyrotechnik beschossen. Ein Unbeteiligter aus Friedrichsdorf wurde am Hals getroffen und liegt im Krankenhaus. Seine Lebensgefährtin ist noch immer entsetzt.

Audiobeitrag

Audio

Eintracht-Fan Christina aus Friedrichsdorf im Interview

Ende des Audiobeitrags

Als er in Marseille war, dachte Eintracht-Fan Michael darüber nach, das Spiel sausen zu lassen. Er und seine Lebensgefährtin Christina hatten Karten für das Champions-League-Spiel der Eintracht, waren 1.000 Kilometer nach Südfrankreich gefahren, um ihre Mannschaft gegen Olympique Marseille anzufeuern. Vor Ort war die Stimmung aber schon am Nachmittag derart angespannt, dass Michael gar nicht in den Fan-Bus steigen wollte, der sie zum Stade Velodrome bringen sollte.

Michael schlug Christina vor, sich doch lieber an den Strand zu setzen und den Tag am Mittelmeer zu genießen. "Da habe ich noch gedacht: Naja, so schlimm wird es schon nicht kommen", sagte die Friedrichsdorferin im Gespräch mit dem hr-sport. Aber es kam schlimm.

Konsequenzen der Uefa drohen

Die Fans von Olympique Marseille und Eintracht Frankfurt lieferten sich im Stade Velodrome schon vor Spielbeginn heftige Pyro-Auseinandersetzungen, bewarfen sich mit Böllern und schossen Leuchtraketen aufeinander. Eintracht-Vorstand Philipp Reschke sprach von einer "Aggressivität" der OM-Anhänger, die den Hessen so noch nie begegnet sei.

Die Vergehen des eigenen Anhangs wollte Reschke dabei aber nicht kleinreden. Bei der Eintracht geht man davon aus, dass die Vorfälle Konsequenzen der Uefa nach sich ziehen werden. Selbst Sanktionen für kommende Heimspiele in der Champions League können die Hessen nicht ausschließen.

Halswirbel und drei Rippen gebrochen

Michael aus Friedrichsdorf liegt seit Dienstagabend in einem Krankenhaus in Marseille. Vom Spiel seiner Eintracht hat er nichts mitbekommen. Eine der vielen Raketen, die aus dem Olympique-Block auf den Gäste-Block geschossen wurden, traf ihn am Hals. Michael stürzte und fiel auf die Treppenstufen, die neben seinem Platz waren. "Wir waren nicht mal zehn Minuten im Stadion, da kam aus dem Nichts die Rakete von unten aus dem OM-Block", erzählt Christina. "Die hat ihn wohl so am Hals getroffen, dass er… Er sagte zu mir später: Es hätte ihm einfach die Beine weggezogen."

Christinas erste Sorge galt Michaels Hals. Dort, wo er getroffen wurde, klaffte ein Loch. Überall war Blut. "Wir dachten, die Halsschlagader wäre getroffen worden", so die Hessin, die versuchte, die Blutung zu stillen. Was erst später herauskam: Michael hatte sich beim Sturz drei Rippen und einen Halswirbel gebrochen. Letzterer erfordert vielleicht sogar einen operativen Eingriff. Das soll sich im Laufe des Mittwochs entscheiden. Seinen linken Arm kann Michael so gut wie gar nicht bewegen.

Weitere Informationen

Mehrere Verletzte Eintracht-Fans

Unter den Eintracht-Fans gab es am Dienstagabend mehrere Dutzend Leichtverletzte. Der OM-Anhang soll Augenzeugenberichten zufolge nicht nur Pyro, sondern auch kleinere Gegenstände wie Golfbälle und Muttern nach dem Gäste-Anhang geworfen haben, weil diese durch das Sicherheitsnetz passten. Viele Eintracht-Fans standen durch das Erlebte unter Schock.

Ende der weiteren Informationen

Der Schock sitzt tief

"Ich war bis heute Nacht um 3 Uhr auf der Intensivstation bei ihm. Er ist ansprechbar, war zu keiner Sekunde bewusstlos, aber ihm geht es nicht sehr gut", erzählt Christina. Vor allem der Schock darüber, dass er seinen Arm nicht bewegen kann, sitzt tief. Seine Lebensgefährtin bereut es "total", dass sie Michael zum Stadionbesuch überredet hat. Ein Tag am Strand wäre wohl doch die bessere Wahl gewesen.