Krösche kritisiert naiven Frankfurter Fußball Eintracht schiebt Mega-Frust nach dem Derby

Dieses Remis im Derby ist irgendwie unerklärlich. Eine Stunde lang dominierten überlegene Frankfurter harmlose Darmstädter. Danach bestürmten furiose Lilien 30 Minuten lang eine seltsam passive Eintracht. Ein wichtiger Faktor für den Umschwung war die Wirr-Warr-Taktik von Lilien-Trainer Torsten Lieberknecht.

Frankfurter Derby-Frust
Frankfurter Derby-Frust Bild © Imago Images
  • Link kopiert!
Videobeitrag

Highlights: SV Darmstadt 98 – Eintracht Frankfurt

Im Hintergrund sieht man ein Fussballstadion, davor links das Logo vom SV Darmstadt 98 und rechts das Logo der Eintracht Frankfurt
Bild © hr
Ende des Videobeitrags

Während die Darmstädter Mannschaft nach dem Derby minutenlang von den eigenen Fans gefeiert wurde, schlichen die Frankfurter Profis wie geprügelte Hunde in die Kabine. Während Darmstadt 98 wie nach einem Sieg am Samstag kollektiv jubelte, fühlte sich das 2:2 für die Eintracht an wie eine Niederlage. Das setzte sich in den Katakomben fort.

Dort schwärmte Darmstadts 2:2-Torschütze Christoph Klarer von den "lautesten Lilien-Fans, die ich je gehört habe", keine drei Meter entfernt pochte die Halsschlagader von Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche ganz bedrohlich: "Wir haben naiv Fußball gespielt. Wir haben heute zwei Punkte weggeschmissen", schimpfte er. Flügelspieler Nils Nkounkou, der die Frankfurter 1:0-Führung geschossen hatte, schaute bei seinen Interviews kurz danach vor Scham und Enttäuschung nur noch auf den Boden. So tief saß der Stachel.

Erst Flügel-Alarm, dann rätselhafte Fußball-Lethargie bei der Eintracht

Videobeitrag
PK
Bild © hr
Ende des Videobeitrags

Dabei begann alles so erfolgreich für die Eintracht. In der ersten Halbzeit hatten die Frankfurter alles im Griff. Vor allem über die Flügel. Auf der linken Seite spurtete Nkounkou dem Darmstädter Verteidiger Matthias Bader regelmäßig davon, auf Rechts tat Ansgar Knauff mit Lilien-Defensivmann Matej Maglica das gleiche. Kein Zufall, dass die Frankfurter Flügelflitzer auch die Tore schossen. Die Lilien waren zu diesem Zeitpunkt von einem eigenen Treffer weit entfernt. Bis zum Strafraum lief alles recht ansehnlich, danach ging gar nichts.

Doch kurioserweise direkt nach dem Frankfurter Tor zum 2:0 durch Ansgar Knauff (51.) wurden die Eintracht-Spieler von einer mysteriösen Lethargie befallen. Krösche: "Nach dem 2:0 haben wir einfach aufgehört, Fußball zu spielen. Wir waren einfach nur noch passiv." Nichts ging mehr und die Darmstädter starteten den Vorwärtsgang. 30 Minuten Powerfußball - angefeuert von den lautstarken Lilien-Fans.

Toppmöller schrie und tobte am Spielfeldrand. Vergebens. Das sei schwer zu erklären, gab sein in der Nachspielzeit eingewechselter Kapitän Sebastian Rode nach dem Spiel zu: "Es ist dann einfach schwer zu ändern, wenn Du auf dem Feld stehst, aus dieser Passivität wieder herauszukommen. Eigentlich müsstest Du mutig bleiben und keine Angst haben, etwas zu verlieren. Aber das ist im Sport halt leichter gesagt als getan."

Darmstädter Taktik-Wirr-Warr bringt die Eintracht zu Fall

Dass die Eintracht den Sieg nicht über die Ziellinie brachte, lag aber nicht nur an der eigenen Lethargie. Lilien-Trainer Torsten Lieberknecht verwirrte die SGE in der zweiten Halbzeit zusätzlich mit einer Umstellung von Dreier- auf Vierer-Abwehrkette. Das Flügelspiel der Eintracht erlahmte postwendend. Und als die Lilien die Taktik dann auch noch ständig wechselten, war es um die Eintracht geschehen, gab Toppmöller nach dem Spiel ehrlich zu: "Darmstadt hat die Struktur aufgelöst, mal aus einer Dreier-, mal aus einer Viererkette aufgebaut, das war etwas wild und hat uns vor Probleme gestellt."

Grenzenlose Eintracht-Enttäuschung nach dem 2:2 im Derby
Grenzenlose Eintracht-Enttäuschung nach dem 2:2 im Derby Bild © Imago Images

Dazu kamen die individuellen Fehler. Ein zu kurzer Abschlag von Torwart Kevin Trapp bei gleichzeitiger akuter Schlafmützigkeit von Tuta ermöglichte dem starken Lilien-Neuzugang Julian Justvan den 1:2 Anschlusstreffer. Vor dem Darmstädter Tor zum 2:2 (90.+5.) versäumte es abermals Tuta, den Ball einfach wegzudonnern. Stattdessen schob er ihn zum Gegner - mit fatalen Folgen. Toppmöller: "Ein Wahnsinns-Fehlpass."

Und so stand auch Sportvorstand Krösche noch lange in den Katakomben des Darmstädter Stadions und hatte "Hals". Wegen der Punkte, die seine Spieler da im Derby gegen die Lilien liegengelassen hatten. Denn die Konkurrenten um einen Europapokalplatz, also Hoffenheim, Stuttgart und Leipzig, verloren am Samstag allesamt ihre Spiele. "Das ist einfach so unnötig, vor allem wenn man auf die Tabellenkonstellation schaut."

Quelle: hessenschau.de