Ebimbe und Ekitike von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt verpasst auch in Gladbach einen Sieg, darf dank gütiger Konkurrenten aber dennoch das Ticket nach Europa bejubeln. Dass am Ende ein Remis zum (sehr wahrscheinlichen) Happy End führt, passt zu dieser Spielzeit.

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Die Eintracht-PK nach dem Spiel gegen Gladbach

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Nach dem Abpfiff wusste bei Eintracht Frankfurt erst einmal niemand so richtig, wie dieses Ergebnis nun einzuordnen war. Die Hessen konnten am Samstag auch bei Borussia Mönchengladbach nicht gewinnen und haben nach dem 1:1 (1:1) nur eines der vergangenen acht Spiele für sich entschieden. Da die Konkurrenz allerdings ebenfalls weiter schwächelt, ist nun die Teilnahme an der Conference League absolut sicher, die Europa League sehr wahrscheinlich und auch die Champions League noch immer möglich. Ob das alles verdient ist? Es ist kompliziert.

Deshalb erst einmal die Fakten: Die Eintracht kann einen Spieltag vor Schluss nur noch theoretisch und ausschließlich von der TSG Hoffenheim von Platz sechs verdrängt werden. Die Kraichgauer, die am Sonntag (15.30 Uhr) in Darmstadt antreten, müssten dafür in ihren verbleibenden beiden Spielen sechs Punkte und neun Tore aufholen. Dass das passiert, ist deutlich unwahrscheinlicher als der Titelgewinn von Borussia Dortmund in der Königsklasse. Sollte das passieren, erklingt in der kommenden Saison in Frankfurt die Champions-League-Hymne. Es ist verrückt.

Trapp erlebt "Wellenbad der Emotionen"

Ob es tatsächlich so kommt, bleibt abzuwarten. Dass am Ende ein schnödes Unentschieden bei Kellerkind Gladbach ausreicht, um das große Saisonziel zu erreichen und auch im kommenden Jahr europäisch vertreten zu sein, passt zu dieser seltsamen Spielzeit aus Frankfurter Sicht. Richtig überzeugend war und ist das alles nicht. "Es war eine komplizierte Saison mit einem glücklichen Ende", fasste Torhüter Kevin Trapp korrekt und nüchtern zusammen. "Es ist dieses Jahr ein Wellenbad der Emotionen."

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SGE steht mit einem Bein in der Europa League

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Nun ist das Wellenbad der Emotionen umgangssprachlich zwar eigentlich eher ein Wechselbad der Gefühle. Die Trapp'sche Metapher beschreibt die vergangenen Frankfurter Monate aber sehr gut. Es gab viele Hochs und viele Tiefs, zwischenzeitlich drohte der Untergang, der teils sehr heftige Gegenwind hat sich aber erst einmal verzogen. Die Eintracht ist ergebnistechnisch obenauf und hat nun Planungssicherheit. Dass auch in Gladbach kein grenzenloser Jubel ausbrach, ist aber ebenso folgerichtig wie verständlich.

Zum einen ist Platz sechs, wie bereits vorgerechnet, eben weiter nicht komplett sicher. Zum anderen schaffte es die Mannschaft von Trainer Dino Toppmöller auch in Gladbach nicht, eine konstant gute Leistung über 90 Minuten abzurufen. Die Eintracht zeigte über weite Strecken einen engagierten und teilweise ansehnlichen Auftritt, es reichte aber wieder einmal nicht für drei Punkte. "Es ist gut und wichtig, dass wir Europa erreicht haben. Mich nervt aber, dass wir Platz sechs nicht eintüten konnten", beschrieb Sportdirektor Timmo Hardung die ambivalente Frankfurter Gefühlswelt.

Eintracht spielt gut, macht aber zu viele Fehler

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Highlights: Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt

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Das Spiel an sich, auch das fügt sich nahezu perfekt ins Bild dieser Saison, ist schnell erzählt: Die Eintracht startete frisch und durchaus mutig, ein haarsträubender Stellungsfehler von Junior Dina Ebimbe und ein simpler langer Ball von Borussia-Keeper Jonas Omlin machten dann aber alles zunichte. Robin Hack nutzte die Lücken in der wieder einmal schlechtsortierten Eintracht-Defensive aus und schob zur Führung ein (9.). Im Anschluss wurden die Hessen besser, versiebten aber zunächst viele Chancen, ehe sie (wie könnte es anders sein) durch Dina Ebimbe belohnt wurden (35.).

Der junge Franzose, der erneut innerhalb von Sekunden zwischen Genie und Wahnsinn wechselte und vor seinem Treffer einen sensationellen Doppelpass inklusive Hakenablage mit Hugo Ekitiké auf den Rasen zauberte, ist fast schon ein Sinnbild dieser Mannschaft. Das Potenzial ist groß, die Leistungs-Schwankungen aber selbst innerhalb eines Spiels sind ebenfalls zu groß. Dass ein kapitaler Fehlpass von Dina Ebimbe zur größten Gladbacher Möglichkeit des zweiten Durchgangs führte, beschreibt den Verlauf des Spiels und den Zustand der Eintracht sehr gut. Ein Sieg und eine weniger ruckelige Saison wären definitiv möglich gewesen, die Hessen sind aber einfach zu fragil.

Darmstadt 98 kann der Eintracht helfen

Dass nun am Sonntag ausgerechnet der ungeliebte Nachbar Darmstadt 98 dafür sorgen kann, dass die Eintracht schon vor dem letzten Spieltag sicher auf Platz sechs ist, setzt dem Ganzen die Krone auf. Sollten die bereits sicher abgestiegenen Lilien gegen Hoffenheim mindestens einen Punkt holen, können in Frankfurt die Korken knallen. Darmstadt 98 schießt Eintracht Frankfurt in Richtung Champions League. Klingt unglaublich, wäre aber die passende Pointe dieser skurrilen Saison.