HJK Helsinki

Der HJK Helsinki ist so etwas wie der FC Bayern München Finnlands. Der Klub mit dem wenig kreativen Spitznamen hat etwas, das Eintracht Frankfurt derzeit abgeht.

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Eintracht Frankfurt: Mit breiter Brust gegen Helsinki?

Eintracht-Spieler am Jubeln, Eintracht-Logo oben links. Text: Heimspiel - Knauff mich mal - Eintracht zaubert!
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Am Donnerstag (21 Uhr) empfängt Eintracht Frankfurt den HJK Helsinki zum dritten Gruppenspiel der Conference League. Das Spiel hören Sie live und in voller Länge bei hr-iNFO und auf hessenschau.de. Die wichtigsten Vorab-Infos zum Gegner aus Finnland gibt es aber schon hier.

Der Verein

Wenn am Donnerstag der Helsingin Jalkapalloklubi in Frankfurt reüssiert, kommt nicht weniger als der finnische FC Bayern München in den Frankfurter Stadtwald. Mit 32 finnischen Meisterschaften - deren letzte übrigens erst am vergangenen Wochenende gefeiert wurde, in Finnland spielt man mit dem Kalenderjahr - ist HJK Helsinki der mit weitem Abstand erfolgreichste Klub des Landes und der einzige Klub Europas, bei dem sowohl die Männer als auch die Frauen Rekordmeister sind. Chapeau. Und mit dem Erfolg kommen auch die Fans: Eine Umfrage 2012 ergab, dass jeder vierte finnische Fußball-Fan HJK-Anhänger ist. Kein Wunder, dass der Spitzname schlicht "Klubi" ist, was "Der Klub" bedeutet.

Gegründet wurde der Verein 1907 auf Initiative des Eisschnelllaufweltmeisters von 1901 Fredrik Warthen, und das auf einer Kegelbahn in einem Helsinkier Park. Klingt nach einer multisportiven Angelegenheit, tatsächlich hat der Klub in seiner Geschichte nur wenige andere Sportarten angeboten und spielt seit 1976 ausschließlich Fußball.

Und das auch international passabel, die Champions-League-Teilnahme 1998/99 ist der bislang größte internationale Erfolg einer finnischen Mannschaft. Kleiner Fun Fact: In der damaligen Gruppenphase traf HJK unter anderem auf den 1. FC Kaiserslautern, bei denen ein gewisser Harry Koch verteidigte, Vater von Eintracht-Innenverteidiger Robin Koch. Die Fußballwelt ist eben ein Dorf.

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Audio-Livestream: Eintracht Frankfurt schlägt Helsinki 6:0

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Der Star

HJK Helsinki hat, was Eintracht Frankfurt zumindest bis zum Wintertransferfenster noch abgeht: einen echten Mittelstürmer. Bojan Radulovic heißt der Mann, ist 23 Jahre jung, 1,92 Meter groß und unumstrittene Nummer eins im Sturm der Finnen. Der Serbe wuchs als Sohn des Profifußballers Radoslav Radulovic in Spanien auf, wo er für UE Lleida im Herrenbereich debütierte, anschließend führte ihn sein Weg in die Premier League zu Brighton, zurück nach Spanien zu Espanyol und Alaves, weiter nach Schweden zu AIK Stockholm und schließlich zu HJK Helsinki. Ein echter Wandervogel also, was allerdings auch in den Genen liegen könnte, schon sein Vater war aktiv in Serbien, Spanien, Schweden und Israel.

Nachdem der zweifache U21-Nationalspieler zuvor meist nur Ergänzungsspieler war, ist Radulovic in Helsinki ordentlich eingeschlagen, war mit acht Toren schon in seinem ersten Meisterschaftsjahr 2022 bester Torschütze des Teams und mit 18 Treffern im Meisterjahr 2023 Torschützenkönig. Also aufpassen, zumal Radulovic auch schon zweimal in der Conference League genetzt hat.

Der Trainer

Der Fußball, er ist ein mitunter knallhartes Geschäft. Und das auch in Finnland, wo HJK-Erfolgstrainer Toni Koskela nach drei Meisterschaften, einem Pokal- und einem Ligapokalsieg in vier Jahren im Sommer 2023 seinen Hut nehmen musste. Wohlgemerkt als Tabellendritter mit nur drei Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze. Aber des einen Pech ist des anderen Glück, und so übernahm Co-Trainer Toni Korkeakunnas die Mannschaft und führte sie zum vierten Titel in Folge.

Korkeakunnas kann selbst auf eine 19-jährige Karriere als Profi zurückblicken, die er ausnahmslos in Finnland verbrachte, er ist also ein echtes Kind der Veikkausliiga. Neben seiner Tätigkeit bei HJK ist Korkeakunnas auch Teil des Trainerteams der finnischen Nationalmannschaft, neben dem sportlichen dürfte er auch über das pädagogische Rüstzeug verfügen, um es als Trainer weit zu bringen: Korkeakunnas studierte Lehramt und arbeitete bereits als Grundschullehrer.

Das Stadion

Die nur 10.770 Zuschauer fassende Bolt Arena steht im Stadtteil mit dem schönen Namen Töölö und ist seit Eröffnung im Jahre 2000 die Heimstätte von HJK. Besonderheit: Es handelt sich beim Spielfeld um einen Kunstrasenplatz. Die Arena hatte ursprünglich zwar Naturrasen, der bekam allerdings im schattigen Finnland nicht genug Sonne und wurde daher durch Kunstrasen ersetzt. Eine saftige Grätsche dürfte man also deutlicher merken als anderswo.

Eine gewissen Verwechslungsgefahr bietet auch die Anreise: Das Stadion steht wenige Schritte vom Olympiastadion entfernt, in dem die Eintracht 2022 den Europäischen Supercup ausspielte. In der Bolt Arena wird Fußball übrigens noch gearbeitet. Schließlich ist das Stadion benannt nach einer Leiharbeit-Firma.

Und sonst so?

Was die nationalen Titel angeht, liegen HJK Helsinki und der FC Bayern ja ungefähr gleichauf. In Sachen unliebsame Rivalen kleinhalten, eigentlich ja eine Paradedisziplin der Münchner, hat der HJK den Bayern sogar noch etwas voraus. So schickte sich 1999 der FC Jokerit an, den Platzhirschen zu ärgern, stieg in die erste Liga auf, spielte im selben Stadion wie HJK, gewann den Pokal und wurde Vizemeister.

Die Spiele gegen Jokerit, dessen Fans als besonders heißblütig galten, waren die bestbesuchten Ligaspiele der HJK-Geschichte, Jokerit aber kam nach wenigen Jahren Ligazugehörigkeit sportlich wieder ins Schlingern, stieg ab – und HJK kaufte den Klub 2004 kurzerhand, um ihn zu seiner zweiten Mannschaft umzuwandeln. Autsch.

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