Haus- und Stadionverbote gefordert "Gewaltexzess": Polizei nimmt Eintracht in die Pflicht

Die Polizei Frankfurt zeigt sich nach den Ausschreitungen rund um das Spiel der Eintracht am Wochenende erschüttert. Polizeipräsident Stefan Müller spricht von einem Frankfurter Problem – und erwartet von der Eintracht ein Durchgreifen.

Eintracht Frankfurt VfB Stuttgart Fans Kurve
Gegen den VfB Stuttgart blieb die Nordwestkurve eine Zeit lang halb leer. Bild © Imago Images
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Nach Krawallen vor Eintracht-Spiel – Polizei rechtfertigt Einsatz

Stefan Müller vom Polizeipräsidium Frankfurt
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Die Polizei Frankfurt hat die Krawalle rund um das Spiel der Eintracht am Samstag gegen den VfB Stuttgart scharf verurteilt. Es habe einen "Gewaltexzess von 300 bis 400 Vermummten" gegeben, die die Polizei 30 Minuten lang mit Absperrgittern, Feuerlöschern, Dixi-Klotüren und allem, was sonst noch als Wurfgeschoss geeignet gewesen wäre, attackiert hätten. "Die Bilder und das Ausmaß der Angriffe haben mich sehr erschüttert", sagte Polizeipräsident Stefan Müller auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz am Montag.

Die Beamten seien vor dem Spiel am Samstag zur Hilfe gerufen worden, nachdem Ordner vor der Nordwestkurve attackiert wurden. Die Polizei hätte dann, im Umlauf des Stadions, in Form einer Kette versucht, die "Angreifer" von unbeteiligten Personen zu trennen. Um ihre Darstellung zu untermauern, präsentierte die Polizei zwei kurze Videos von den Beamten beim Einsatz, die vor vermummten Fans langsam zurückwichen.

Ina Kobuschinski, die Vorsitzende des Fanclubverbands, gab im Gespräch mit dem hr-Sport zu, dass es Fehlverhalten von einigen Fans gegeben habe, das ändere aber nichts daran, dass "die Polizei einen Einsatz gefahren hat, der völlig übertrieben war."

"Es handelt sich um ein Frankfurter Problem"

57 Polizeibeamte und 59 Ordner wurden nach Behördenangaben verletzt. "Das sind untragbare Zahlen", so Müller. Von unbeteiligten Verletzten habe man weiter keine Kenntnis und rief Geschädigte dazu auf, sich bei der Polizei zu melden. "Wir haben über 100 verletzte Fans, zwei waren bewusstlos und mussten abtransportiert werden", sagte hingegen Kobuschinski. Dass diese sich bei der Polizei melden würden, kann sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. "Die Fronten sind verhärtet."

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Ina Kobuschinski still
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Nach Ansicht des Polizeipräsidenten hat sich bei dem Spiel gegen Stuttgart "etwas entladen, was sich über Monate aufgestaut hat". Immer wieder sei es in der jüngeren Vergangenheit zu Pyro-Vorfällen gekommen. Die Fans seien zwei Mal in den Innenbereich des Stadions eingedrungen, mit der Frankfurter Feuerwehr liegen sie wegen der Choreographien im Stadion über Kreuz. "Es handelt sich um ein Frankfurter Problem", sagte Müller klipp und klar – und nahm auch die Eintracht in die Pflicht.

Professionell in die Winterpause

"Wir haben die Erwartungshaltung, dass die Sanktionsmuster, die der DFB vorsieht, gezogen werden", so der Polizeipräsident. Heißt: Der Verein solle bei Verfehlungen konsequent Haus- und Stadionverbote erlassen und bei bestimmten Spielen darüber nachdenken, keinen Alkohol auszuschenken.

Für die Polizei gehe es nun erst einmal darum, "in die Winterpause zu kommen". Das Conference-League-Spiel gegen PAOK Thessaloniki am Donnerstag (21 Uhr) möchte die Polizei "mit der gebotenen Professionalität angehen, mit Gelassenheit". Müller ergänzte: "Wir erwarten das aber auch vonseiten der Problemfans."

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 27.11.2023, 16.45 Uhr

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Quelle: hessenschau.de/Gerald Schäfer, Nico Herold, Mark Weidenfeller