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Sportmomente 2022: Deborah Levis Goldfahrt in Peking

Im Februar gewann die Bob-Anschieberin Deborah Levi mit ihrer Pilotin Laura Nolte das Größte, was eine Sportlerin gewinnen kann. Dabei herrschte beim Überqueren der Ziellinie erstmal Verwirrung.

Deborah Levi steht am Start des Eiskanals von Peking, ihre Spikes bohren sich in den Startbalken, ihre Hände greifen das hintere Ende des Bobs. Levi und Pilotin Laura Nolte sind die Letzten, die noch oben stehen. Sie führen nach drei Läufen, der vierte und entscheidende steht an. Eigentlich kann die beiden nur ein dicker Patzer stoppen. Oder ein Fehler beim Anlauf: "Beim Start habe ich nur gedacht: Ich darf auf keinen Fall jetzt zu weit laufen, kein Risiko mehr eingehen. Einfach lieber ein bisschen früher einsteigen", erinnert sich Levi.

Dream-Team Levi und Nolte

Bis zu diesem Moment oben am Start, die Goldmedaille noch etwa eine Minute konzentrierte Fahrt entfernt, ist es ein weiter Weg. 2018 kommt die eigentliche Leichtathletin Levi zum Bobsport. Und zu Pilotin Laura Nolte: "Wir haben uns in Winterberg kennengelernt. Es hat direkt Klick gemacht." Vier Jahre später fahren die beiden immer noch als Team, es gibt sogar eine Doku über die beiden. "Es ist ungewöhnlich, dass eine Anschieberin so lange mit einer Pilotin fährt. Aber ich glaube, gerade das hat sich am Ende ausgezahlt: Dass wir die Höhen und Tiefen des Leistungssports gemeinsam durchlebt haben."

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Melsungen gewinnt Krimi | hessenschau Sport vom 27.12.2022

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Corona und Studium belasten die Nerven

Die Saison bis hin zu OIympia läuft gut. Das Duo fährt in jedem Weltcup-Rennen aufs Podest, wird vor den Winterspielen in China als Mitfavorit gehandelt. Und trotzdem schleicht sich vor den Wettkämpfen ein mulmiges Gefühl ein. Der Grund? Corona. "Da hatten die Trainer und auch wir selbst große Sorge, dass wir uns kurz vorher noch anstecken und gar nicht erst nach China reisen können. Oder dass wir uns kurz vor den Wettkämpfen anstecken und dort in Quarantäne müssen. Und diese Situation ist total anstrengend."

Anstrengend auch: Sowohl Levi als auch Nolte studieren parallel zum Leistungssport. Levi ist an der Goethe-Universität in Frankfurt im Studiengang Grundschullehramt eingeschrieben: "Wenn wir den ganzen Tag trainiert haben und die anderen abends Karten gespielt haben, saßen Laura ich dann noch da und haben unsere Uni-Aufgaben gemacht. Das kostet einfach viel Energie und Zeit."

Levi verpasst Zeitanzeigen

Deborah Levi kauert sich im Zweier-Bob hinter Pilotin Laura Nolte

Levi und Nolte meistern die Doppelbelastung. In der Bobbahn von Peking, dem so genannten "Fliegenden Drachen", wollen sie sich für den Aufwand belohnen. Beim entscheidenden vierten Lauf reicht eine solide Fahrt, der Vorsprung auf die zweitplatzierten Mariama Jamanka und Alexandra Burghardt ist groß. Der Start ist gut – danach heißt es für Anschieberin Levi: Kopf einziehen und abwarten, ob es für Gold reicht: "Ich sitze drin, habe die Beine ausgestreckt und lege meinen Kopf zwischen den Beinen ab. Ich sehe nichts, aber spüre schon, wie Laura vorne fährt. Wir sind ja in der vorletzten Kurve noch so ein bisschen gedriftet. Aber ich dachte: Das müsste eigentlich reichen."

Es reicht: Deborah Levi und Laura Nolte holten olympisches Gold. Aber beim Überqueren der Ziellinie ist sich Levi erst einmal unsicher: "Hinter dem Ziel sind die Zeitanzeigen. Ich habe sie nicht direkt gesehen, weil viel Wind in mein Gesicht kam. Und dann habe ich Laura irgendwann vorne schreien gehört. Und dann wusste ich okay, jetzt haben wir es geschafft."