Seit 1. Mai gültig Rund 140.000 Deutschlandtickets in Hessen verkauft

Seit Montag gilt das Deutschlandticket für 49 Euro im Monat - und das ist bei den Hessen gefragt. Viele haben ein Abo abgeschlossen, andere reihen sich noch in eine der Schlangen in den Bahnhöfen ein, um es zu beantragen. Einige Stammkunden zögern noch.

  • Link kopiert!
Audiobeitrag
Bild © picture-alliance/dpa| zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags
Audiobeitrag
Bild © picture-alliance/dpa| zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

In der B-Ebene der Frankfurter Hauptwache bilden sich seit Tagen lange Schlangen vor dem Kundencenter, weil sich Leute noch schnell ein Deutschlandticket besorgen wollen. Die Verkehrsbetriebe im Rhein-Main-Verkehrsverbund haben nach RMV-Angaben bis jetzt 124.000 Jahresabos mit Fahrscheinen zum Preis von 49 Euro pro Monat verkauft.

RMV-Geschäftsführer Knut Ringat ist zufrieden: "Es gibt einen großen Ansturm auf das Ticket. Der Verkauf läuft gut, die Dynamik hat in den letzten Tagen noch mal zugenommen."

RMV: 60.000 neue Kunden gewonnen

Der RMV-Chef sagt, dass besonders viele neue Kunden gewonnen werden konnten: 60.000 Deutschlandtickets seien an Menschen gegangen, die bisher noch kein ÖPNV-Abo hatten, sondern eher gelegentlich mit Bussen und Bahnen gefahren sind.

Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) verkaufte bisher über 15.000 Tickets. Zwei Drittel dieser Kunden hatten schon vorher ein Abo und sind jetzt zum Deutschlandticket gewechselt, weil es günstiger ist und bundesweit in allen öffentlichen Verkehrsmitteln gilt, wie der Verkehrsverbund mitteilt.

Einige Hessen sparen durch den Umstieg viel Geld. Zum Beispiel die Pendlerin Angelika Herok aus Friedberg, die jeden Tag nach Frankfurt fährt: "Ich hatte bis jetzt eine Monatskarte, die über 200 Euro kostet - ich spare also mehr als 150 Euro im Monat, das ist wirklich eine Menge!"

Viele Stammkunden zögern noch

Andere Pendler überlegen noch, ob sie aufs 49-Euro-Ticket umsteigen sollen oder nicht. Kai Röhrl etwa fährt jeden Tag mit der Bahn von Weinheim (Baden-Württemberg) nach Frankfurt, bisher mit einem Fernverkehrsticket für 230 Euro im Monat, wie er sagt: "Weil es relativ teuer ist, überlege ich, aufs Deutschlandticket umzusteigen. Aber dann darf ich nur noch Regionalbahn fahren und nicht mehr mit dem Intercity, dann brauche ich länger zur Arbeit."  

Auch viele andere Stammkunden zögern offenbar noch: Von etwa 1,1 Millionen Abokunden in Hessen haben aktuell noch nicht einmal 100.000 zum Deutschlandticket gewechselt.

Fragen zum Jobticket

Birgit Stey, Geschäftsführerin der Stadtwerke Marburg, stellt fest, dass viele Kunden noch unsicher sind und einen hohen Beratungsbedarf haben. Außerdem biete das neue Ticket nicht nur Vorteile. Die kostenlose Mitnahmeregelung für andere Fahrgäste falle weg. "Vielen Kundinnen und Kunden ist das sehr wichtig", sagt Stey: "Der Preis oder eine deutschlandweite Gültigkeit muss nicht zwingend entscheidend für den Kauf sein."

Etwa die Hälfte der Abokunden in Hessen hat ein Jobticket. Ob sie zum Deutschlandticket wechseln können oder nicht, entscheidet der Arbeitgeber. Wenn das Unternehmen mindestens 25 Prozent der Kosten übernimmt, gibt es sogar noch einmal fünf Prozent Rabatt für alle.

Viele Unternehmen informierten sich derzeit noch über die Details, seien aber grundsätzlich bereit umzusteigen, sagt Micha Spannaus von der Wiesbadener Verkehrsgesellschaft ESWE: "Die Nachfrage von Firmenkunden ist hoch. Wir stehen mit über 40 kleinen bis großen Unternehmen in Kontakt. Hier sehen wir insgesamt noch großes Potenzial."

Videobeitrag

Deutschlandticket bei der Bahn gestartet

hs 01.05.2023
Bild © hessenschau.de
Ende des Videobeitrags

Übergangstickets für Mai

Wer privat noch ein Abo für das Deutschlandticket abschließen will, kann das kurzfristig über verschiedene Apps machen, zum Beispiel von RMV, NVV oder Deutscher Bahn. Für Tickets am Schalter ist die offizielle Bestellfrist bereits am 10. April abgelaufen. Dort bekommt man eigentlich keine Tickets mehr, die ab Mai gültig sind, sondern erst ab Juni.

Doch viele Verkehrsbetriebe wie die Verkehrsgesellschaft Frankfurt machen Ausnahmen und stellen den Kunden ein Übergangsticket aus. Auch der nordhessische NVV hat die Frist aufgehoben und verkauft noch Tickets für den Mai, damit zum Start möglichst viele Kunden das Deutschlandticket nutzen können.

Erst ab August soll es in Hessen ein vergünstigtes Deutschlandticket für Menschen mit weniger Einkommen geben. Es soll 31 Euro im Monat kosten. Die Möglichkeit für Studierende, ihr Semesterticket zu einer deutschlandweit gültigen Regionalverkehrfahrkarte aufzustocken, wird es laut RMV erst zum Wintersemester hin geben.

Weitere Informationen

Sendung: hr-iNFO, 28.04.2023, 8.40 Uhr

Ende der weiteren Informationen

Quelle: hessenschau.de