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Eintracht-Party kostet Stadt Frankfurt eine Million Euro

Für die Europapokalfeier der Eintracht im Mai mit dem Autokorso zum Römer zahlt die Stadt mindestens eine Million Euro. Und auch ein Rabatt bei der Stadionmiete sorgt für Nachfragen.

Bei Eintracht Frankfurt gab es zuletzt einiges zu feiern, vor allem natürlich den Europapokalsieg im Mai. Der anschließende Autokorso zum Römer und der Empfang dort haben 140.000 Menschen angelockt. Und gekostet hat die Feier hat auch einiges: Mindestens 1,3 Millionen Euro, gibt die städtische Tourismus und Congress Frankfurt GmbH (TCF) an, die das Fan-Fest in der Stadt organisiert hat.

600 private Sicherheitskräfte, Steinwürfe auf LED-Videowand

Rund 600 private Sicherheitskräfte wurden demnach angeheuert, um Unfälle und Ausschreitungen zu verhindern. Das gelang auch größtenteils. Allerdings hätten Fans eine der gemieteten LED-Videowand durch Steinwürfe beschädigt, erklärt die TCF. Komme die Versicherung nicht für den Schaden auf, könne die Schlussrechnung noch auf 1,4 Millionen Euro steigen.

Es geht auch anders - zum Beispiel in Leipzig

Eintracht Frankfurt übernimmt von den Kosten laut Stadt ein knappes Viertel, nämlich 300.000 Euro. Der Rest, also mindestens eine Million Euro, komme aus dem Stadtsäckel. TCF-Chef Thomas Feda betont, die Stadt habe vom Europapokalsieg der Eintracht durchaus profitiert. Die Feier habe positive Bilder produziert, die millionenfach verbreitet worden seien. Die Werbewirkung für die Stadt sei enorm.

Allerdings räumt Feda ein, dass die Stadt bisher noch nie so viel für ein einzelnes Fußball-Fest gezahlt habe. Die Feier nach dem DFB-Pokalsieg vor vier Jahren habe nicht einmal halb so viel gekostet: rund eine halbe Million Euro.

Und es geht auch zum Nulltarif für die Kommune. Das hat der diesjährige DFB-Pokalsieger Leipzig vorgemacht. Zwar war in Sachsen alles ein bis zwei Nummern kleiner, aber auch dort hat man es krachen lassen. Zu den Feiern vor dem Rathaus und auf den Festwiesen kamen laut Leipziger Tourismus und Marketing GmbH rund 50.000 Fans. Bühne, Leinwände, Sicherheit – das habe alles der Klub RB Leipzig bezahlt.

Party-Rechnung liegt bei Feldmann

In Frankfurt dagegen sorgt die teure Party immer noch für Schriftverkehr im Rathaus. Auf den Kosten sitzt im Moment ausgerechnet derjenige, der bei dem Ganzen bestimmt keinen Image-Gewinn verbucht hat: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), dessen Auftritt auf der Feier bekanntlich einiges an Kritik auslöste. Die Tourismus und Congress GmbH hat alle Rechnungen an das Hauptamt geleitet, das Feldmann untersteht.

Das Problem dabei: Auch das Hauptamt kann eine Million Euro nicht aus der Portokasse bezahlen. Deshalb hat das Amt alle Dezernate der Stadtregierung angeschrieben und um finanzielle Beteiligung gebeten. Aber noch ist die Summe nicht beisammen. Die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen, erklärt Feldmanns Sprecher auf hr-Anfrage.

Autokorso war nicht genehmigt

Auch sonst zeigte sich die Stadt kulant, als es darum ging, die Europa-Helden zu feiern. So konnte die Eintracht den Autokorso vom Flughafen zum Römer veranstalten, obwohl es dafür gar keine amtliche Genehmigung gab.

Auf hr-Anfrage erklärt das zuständige Ordnungsamt: "Das Ordnungsamt konnte keine Genehmigung für den Autokorso erteilen, da kein entsprechender Antrag eingegangen ist." Dabei hätte der Korso aus Sicht des Amtes sehr wohl einer Erlaubnis bedurft, so wie sie auch von den Fastnachtsvereinen für ihre Umzüge alljährlich beantragt wird.

Rabatt bei Stadionmiete sorgt für Nachfragen

Wie eng das Verhältnis von Stadt und Eintracht ist, zeigt sich auch beim Thema Stadionmiete. Da hat die Stadt dem Klub in letzter Minute, bevor der Mietvertrag unterzeichnet wurde, noch einen Nachlass gewährt. Wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Zuschauerbeschränkungen bekommt der Klub einen Rabatt in unbekannter Höhe. Weder die Stadt noch die Eintracht Frankfurt Fußball AG haben bisher die genaue Summe genannt.

Zwar haben auch andere Städte ihren Klubs Nachlass bei der Miete gewährt, Köln etwa, allerdings hat dort die Stadt die Zahlen öffentlich gemacht.

Die gleiche Transparenz würde sich der Bund der Steuerzahler Hessen auch in Frankfurt wünschen. Es gehe darum, "allein den Eindruck einer verdeckten Subventionierung des Profisports zu vermeiden". Denn es sei nicht Aufgabe des Staats, Profi-Klubs direkt oder indirekt finanziell zu unterstützen.

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