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Verbraucherschützer mahnen Sparkasse ab

Logo der Sparkasse auf einer Hauswand (dpa)

Prämiensparverträge waren bei vielen Geldhäusern früher ein Bestseller. Doch heute wollen die Institute sie am liebsten loswerden, auch die Kreissparkasse Schwalm-Eder. Sie bringt mit ihrer Methode Verbraucherschützer und Kunden gegen sich auf.

Susanne B. aus Schwalmstadt ist verärgert. Die 52-jährige Angestellte ist schon von klein auf Kundin bei der Kreissparkasse Schwalm-Eder und hat als junge Frau dort 1998 einen Prämiensparvertrag abgeschlossen. Damit wollte sie sich über die Jahre ein Finanzpolster ansparen. "Der Prämiensparvertrag war dafür wirklich gut geeignet, denn darauf gab es damals vier Prozent Zinsen und hohe Sparprämien", erklärt Susanne B..

Letztes Jahr bekam sie aber Post von der Kreissparkasse, ihr Prämiensparvertrag werde in Kürze enden. Man wolle der Kundin gerne in einem persönlichen Gespräch ein individuelles Angebot für eine andere Geldanlage machen. "Da war ich sehr überrascht und verärgert", sagt die 52-jährige Sparkassen-Kundin. Denn ihr Vertrag sei doch unbefristet, das gehe aus den Dokumenten klar hervor.

Dazu kommt: Susanne B. hat noch nicht alle Sparprämien in Anspruch genommen. Ihr Vertrauen in die Sparkasse habe dadurch gelitten.

Verbraucherschützer mahnen Sparkasse ab

Nach einem monatelangen Schriftverkehr mit der Sparkasse hat sich die Nordhessin an die Verbraucherzentrale Hessen gewandt. Andere Verbraucherinnen und Verbraucher beschwerten sich dort ebenfalls über die Vorgehensweise der Sparkasse. Deshalb gingen die Verbraucherschützer dagegen vor und mahnten das Institut erfolgreich ab. Es hat eine Unterlassungserklärung unterzeichnet und sich damit verpflichtet, künftig keine solchen Schreiben mehr zu verschicken.

"Mit diesen Schreiben hat die Kreissparkasse Schwalm-Eder die betroffenen Inhaber von Prämiensparverträgen getäuscht", meint Bankenexpertin Katharina Lawrence von der Verbraucherzentrale: "Verbrauchern wird der Eindruck vermittelt, ihre bestehenden Verträge würden automatisch auslaufen, was nicht der Fall ist."

Schließlich seien es unbefristete Verträge, mit über Jahre verteilten Prämien, auf die Kunden vertrauen können müssten, so Lawrence. Erst wenn sie diese komplett ausgeschöpft hätten, stehe es der Sparkasse zu, den Vertrag einseitig zu kündigen.

Werbeflyer von anno dazumal irrelevant

Die Kreissparkasse Schwalm-Eder verweist auf alte Flyer, in denen die Sparverträge beworben wurden. Demnach sei die Vertragsdauer zu Beginn auf 25 Jahren festgelegt gewesen. Mit Ablauf dieser Vertragsdauer sei im Grunde nicht klar, wie der Vertrag weitergeführt werde.

Deshalb schreibt man laut Bank dann die Kunden an und biete ihnen eine Beratung. Was in diesen Flyern steht, ist für Verbraucherschützerin Lawrence aber nicht relevant: "Denn ausschlaggebend sind am Ende die Verträge und da ist von einer Begrenzung auf 25 Jahre nicht die Rede", so Lawrence.

Den Vorwurf der Täuschung weist die Sparkasse zurück, räumt aber immerhin ein, dass die Schreiben für die Kunden offensichtlich irreführend gewesen seien. Deshalb wolle man darauf verzichten, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme: "Wir haben entschieden, die betroffenen Kunden künftig persönlich anzusprechen."

Beendeter Sparvertrag läuft aber weiter

"Das finde ich noch gefährlicher als die Schreiben", meint Sparkassen-Kundin Susanne B.: "Denn so ein Beratungsgespräch lässt sich kaum nachvollziehen." Die Nordhessin könnte sich gut vorstellen, dass Kunden dann spontan eine Vertragsauflösung unterschreiben würden, obwohl sie es gar nicht müssten.

Sie hat bisher die Angebote ihrer Sparkasse, ihr Geld aus dem Prämiensparvertrag anderweitig anzulegen, ausgeschlagen. Obwohl ihr Vertrag angeblich im Februar 2023 enden sollte, läuft er trotzdem weiter. Die Sparkasse bucht weiter jeden Monat Geld von ihrem Girokonto ab und überweist es auf das dazu gehörende Sparkonto.

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