Umfrage der Uni Kassel ÖPNV-Kunden sind Preis und einfache Nutzbarkeit wichtiger als Komfort

Wer Bus und Bahn fährt, möchte vor allem kostengünstig und flexibel ans Ziel kommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Uni Kassel zur Nutzung des 9-Euro-Tickets. Komfort und Hightech sind demnach weniger gefragt.

Eine Straßenbahn fährt nachts über die Ignatz-Bubis-Brücke in Frankfurt vor der erleuchteten Skyline
Eine Straßenbahn fährt nachts über die Ignatz-Bubis-Brücke in Frankfurt vor der erleuchteten Skyline. Bild © picture-alliance/dpa
  • Link kopiert!
Audiobeitrag
Bild © picture-alliance/dpa| zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Forschende vom Institut für Verkehrswesen der Universität Kassel haben untersucht, inwiefern und von wem das 9-Euro-Ticket im Sommer des vergangenen Jahres genutzt wurde. Dazu haben sie eine bundesweite Online-Befragung durchgeführt. Das Ergebnis: Nutzerinnen und Nutzern des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sind vor allem Flexibilität, Zeitersparnis und kostengünstige Angebote wichtig.

Den Angaben nach nahmen vom 15. Juli bis 31. August 2022 insgesamt 1.634 Menschen im Alter von 18 bis 91 Jahren an der Umfrage teil. Das Durchschnittsalter lag bei 44 Jahren.

"Klar geregelt, wo das Ticket gültig ist"

Das Ergebnis verblüffte die Forschenden. "Weniger wichtig als zunächst angenommen sind demnach Komforteigenschaften, die sich in alternativen Verkehrsmitteln wie dem Auto oder dem Fahrrad bieten, wie beispielsweise Privatsphäre oder keine Ansteckungsgefahr", sagte Paul Papendieck, Mitglied des Forscherteams.

Das 9-Euro-Ticket habe für viele Nutzer eine große Erleichterung dargestellt. "Es war klar geregelt, wo das Ticket gültig ist, wann es genutzt werden darf und wen ich darauf mitnehmen darf", erläuterte Papendieck. Nicht nur der geringe Preis sei ausschlaggebend für den Erfolg des Tickets gewesen, sondern auch die einfache Nutzbarkeit.

Angebot in der Fläche gefragt

Zwar sei der Anlass der Untersuchung das 9-Euro-Ticket gewesen, die Fragen seien aber nicht konkret auf das kurzzeitige Angebot bezogen gewesen. Daher könnten auch grundsätzliche Erkenntnisse für das ÖPNV-Angebot abgeleitet werden, sagte Papendieck.

Die Empfehlung der Wissenschaftler: Flexibilität, Zeitersparnis und kostengünstige Angebote stärker betonen - so sie es gibt. "Es ist für die Nutzer offenbar nicht so wichtig, in Hightech-Bahnen zu sitzen, sondern ein Angebot in der Fläche zu haben, das sie günstig und flexibel ans Ziel bringt."

Erfragt wurde zum einen das subjektive Empfinden einer ÖPNV-Fahrt, inklusive Komfort, Entspannung und Privatsphäre. Zum anderen ging es um Aspekte der Funktionalität und praktischen Nutzbarkeit des ÖPNV, also etwa um Flexibilität, Zeitersparnis und Kosten.

Umfrage auch zu Deutschland-Ticket

Zwar zeigten die Ergebnisse, dass regelmäßige Nutzer im Vergleich zu gelegentlichen Nutzern eine positivere Einstellung zum ÖPNV hätten, erklärte Papendieck. Daraus lasse sich aber nicht schließen, dass Menschen mit einer positiveren Einstellung häufiger den ÖPNV nutzen würden. Es sei unklar, ob die positive Einstellung eine häufige Nutzung bedinge oder umgekehrt.

Eine Nachfolgeumfrage soll nun Erkenntnisse zum Deutschland-Ticket liefern. Das Angebot stellt den Forschenden zufolge eine neue Option dar, die vor allem auf die einfache und flexible Nutzung des ÖPNV abzielt.

Die Preisgestaltung von 49 Euro pro Monat werfe aber die Frage auf, ob das Deutschlandticket ebenfalls als preislich attraktive Alternative zu anderen Verkehrsmitteln wahrgenommen wird, sagte Papendieck. Dazu führen die Forschenden bis Ende Oktober eine bundesweite Untersuchung durch.

Weitere Informationen

Sendung: hr-iNFO, 30.08.2023, 8 Uhr

Ende der weiteren Informationen

Quelle: hessenschau.de/Meliha Verderber, dpa/lhe