Peter Roberg steht in einem Zimmer mit religiösen Symbolen und lacht in die Kamera.

Gleich nach dem Abitur ist Peter Roberg ins Franziskaner-Kloster auf dem Frauenberg in Fulda gezogen. Der 18 Jahre alte Katholik absolviert dort ein Freiwilliges Ordensjahr. Er schätzt die spirituelle Atmosphäre, mag die Arbeit, muss aber auch mit Einschränkungen leben.

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Das Kloster Frauenberg in Fulda

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Wie geht es weiter nach dem Abitur? Eine Frage, die alljährlich viele junge Menschen beschäftigt. Reisen, Praktika, Ausbildung, Studium, Bundeswehr oder Freiwilligendienst? Die Möglichkeiten sind groß, zuweilen ist die Verunsicherung deswegen ebenso groß.

Peter Roberg liebäugelt mit einem Archäologie-Studium. Aber der Einser-Abiturient mochte sich nicht direkt wieder "ins nächste Lernen stürzen", wie er sagt. Der 18-Jährige wollte erst einmal zur Ruhe kommen, sich über seinen Lebensweg klar werden und seinen Glauben ausleben. Dafür ist der bekennende Katholik einen ungewöhnlichen Schritt gegangen.

Roberg lebt seit knapp vier Monaten in einem Kloster. Er absolviert im Franziskaner-Kloster auf dem Fuldaer Frauenberg ein Freiwilliges Ordensjahr. Das kombiniert er mit einem Bundesfreiwilligendienst bei der Bürgerstiftung "antonius", die dort ein inklusives Ausbildungs- und Arbeitsprojekt umsetzt und das Tagungs- und Gästehaus im Kloster führt.

Freiwilliges Ordensjahr seit 2019 möglich

Roberg ist aktuell einer von sieben Teilnehmern, die in deutschen Klöstern ein Freiwilliges Ordensjahr machen. Seit dem Sommer 2019 existiert das Projekt. Initiiert wurde es von der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), der Vertretung der römisch-katholischen Ordensgemeinschaften.

Interessierte zwischen 18 und 75 Jahren können zwischen drei und zwölf Monate lang in einem von rund 50 teilnehmenden Klöstern und Ordensgemeinschaften beten, arbeiten und leben. Seit der Einführung hätten 51 Menschen ein Ordensjahr absolviert, sagt Projekt-Koordinatorin Maria Stadler von der DOK.

Roberg hat seit seinem Start im Oktober eine sehr inspirierende Zeit verbracht, wie er erzählt. Er könne sich sogar vorstellen, später mal sein Leben komplett im Kloster zu verbringen. "Ich genieße die Ruhe hier, die spirituelle Atmosphäre und das familiäre Gefühl."

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So lebt Ordensjahr-Absolvent Peter Roberg im Kloster Frauenberg in Fulda

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Klöster und Orden wollen sich öffnen

Dabei könnten die anderen Ordensbrüder - zwischen 58 und 85 Jahren alt - allesamt seine Väter oder Großväter sein, wie Pater und Kloster-Vorsteher Cornelius Bohl bemerkt.

Pater Cornelius begrüßt es, dass jungen Menschen die Kloster-Türen geöffnet werden: "Ordensleben wird ja allmählich exotisch. Viele wissen kaum etwas über Klöster oder wundern sich sogar, dass sie überhaupt noch existieren."

Das Projekt biete Chancen, interessierten Menschen das Leben dort näher zu bringen. "Unsere Ordensgemeinschaft belebt es, wenn jemand mit einer Außensicht zu uns kommt", sagt Pater Cornelius. Man wolle das Ordensjahr aber nicht für Nachwuchswerbung ausnutzen.

Roberg war schon begeistert vom Kloster, als er nur ein paar Bilder vom Frauenberg im Internet sah. Auf die Option, ins Kloster zu gehen, hatte ihn sein Religionslehrer auf dem Internat in Meißen (Sachsen) aufmerksam gemacht. Und für Roberg, aufgewachsen in Kempen (Nordrhein-Westfalen), ist es nun eine Möglichkeit, Gott näher zu kommen.

Glaube gibt Roberg Kraft und Geborgenheit

Der Glaube spielt für Roberg eine große Rolle. "Mir ist wichtig, persönliche Dinge mit Gott im Gebet und Geiste zu besprechen." Der Glaube gebe ihm Kraft, Sicherheit und Geborgenheit im Alltag. "Wenn ich mich alleine fühle, kann ich durchs Gebet eine Verbindung zu Gott aufbauen."

Roberg betet drei- bis fünfmal am Tag. Zum Beispiel in der Kapelle des Klosters oder in einem Meditationsraum.

Roberg bewohnt ein Zimmer, in dem er keine Platzangst haben muss. "Es ist alles etwas einfacher als im normalen Haushalt. Ich habe auch keinen Fernseher." Aber er hat WLAN und einen Laptop. Und damit nutzt er auch soziale Netzwerke wie Instagram und Youtube.

"Laute Party für 50 Leute wäre unangebracht"

Angenehm findet Roberg, dass "die Franziskaner ein sehr weltoffener und nicht so strenger Orden sind". Er kann dort seine Alltagskleidung tragen. In den braunen Habit, die traditionelle Bekleidung der Franziskaner, muss er nicht schlüpfen. Roberg sagt: "Ich fühle mich hier recht frei. Es gibt wenig Pflichten oder Verbote. Aber eine Party mit lauter Musik für 50 Leute wäre trotzdem eher unangebracht."

Roberg ist während seiner Arbeitszeiten ein Helfer für alle Fälle im Kloster. Er packt im Gästehaus mit an, das Mobiliar für Tagungen zu arrangieren, er unterstützt bei der Bewirtung, schleppt mal ein paar Getränkekisten herbei oder übernimmt Fahrdienste. Dafür bekommt er ein Taschengeld von 450 Euro im Monat - Kost und Logis sind frei.

Der Ordensjahr-Absolvent fühlt sich wohl im Kloster auf dem Frauenberg. In seiner Freizeit liest er gern oder spielt Posaune in einem Musikverein. Doch die Lage des Klosters über den Dächern von Fulda bringt bei jeder Heimkehr auch Mühsal mit sich. "Wenn man mit dem Fahrrad wieder hochfährt, ist das immer sehr anstrengend."

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Ordensjahr: Wo, wie, was?

Ein Freiwilliges Ordensjahr verbringen, kann man an vielen Orten in Deutschland und darüber hinaus (siehe Standorte). In Hessen ist es möglich bei den Niederbronner Schwestern in Gießen, in der Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal in Altenstadt (Wetterau), bei den Steyler Missionsschwestern in Frankfurt und bei den Franziskanern in Fulda. Fragen und Antworten zum Ordensjahr gibt es hier.

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