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Neuer Mountainbike-Park auf Hohem Gras in Kassel

Mountainbiker, die quer durch den Wald rasen und sich eigene Pisten anlegen, sorgen für Ärger im Habichtswald. Bald sollen offizielle Strecken für Harmonie sorgen. Es gibt jedoch Zweifel, ob das den Bikern reichen wird.

Mountainbiker haben es rund um den Habichtswald nicht leicht. Zu oft hafte ihnen ein Rowdy-Image an, sagt Maximilian Achler. Der 25-Jährige muss es wissen. Er ist regelmäßig mit seinem Rad im Wald unterwegs - und zwar auf den dafür vorhandenen Wander- und Forstwegen.

Doch einigen Bikern reicht das nicht, sie legen eigenständig Wege und Hindernisse im Wald an - ohne Rücksicht auf die Natur, wie das zuständige Regierungspräsidium Kassel vor allem seit dem Beginn der Corona-Pandemie beobachtet haben will. Das sorgt immer wieder für Ärger zwischen Spaziergängern und Radfahrern. Bald soll damit aber Schluss sein.

Öffentliche Trails für alle

Für knapp 200.000 Euro entsteht derzeit am Hohen Gras bei Kassel ein Trailpark mit insgesamt fünf unterschiedlichen Strecken für Mountainbiker. Das Projekt wird gemeinsam vom Landesbetrieb Hessenforst und dem Zweckverband Naturpark Habichtswald umgesetzt. Bauleiter Patric Dreher erklärt, dass die fünf Trails unterschiedliche Schwerpunkte haben und somit möglichst viele Interessen abdecken sollen.

Dreher hat bereits Erfahrungen mit solchen Trailparks, er betreibt im Harz den Racepark Schulenberg. Den Habichtswald hatte er schon länger im Blick, weil er die Umgebung noch aus seiner Studienzeit in Kassel kennt. In seiner Abschlussarbeit hatte er Konfliktsituationen mit Mountainbikern analysiert - nun kann er selbst eine Lösung mitgestalten.

Ein Mitarbeiter des Forstes, Matthias Schnücker, steht im Wald und schaut in die Kamera.

Außerdem wird Dreher der neue Betreiber des Skilifts am Hohen Gras. Im Sommer können Mountainbiker ihre Räder nach oben transportieren lassen, bei Schnee wird der Lift ebenfalls in Betrieb genommen. So kommen auch die Wintersportler wieder auf ihre Kosten, nachdem der Lift nun längere Zeit stillstand. Er soll in Zukunft am Wochenende und an einem weiteren Tag der Woche laufen.

"Sensible Waldbereiche entlasten"

Zunächst stehen allerdings die Bauarbeiten an. Die ersten Streckenabschnitte sind angelegt, befinden sich aber noch hinter Absperrband im Wald. Bei dem Projekt handle es sich nicht nur um ein zusätzliches Freizeitangebot, Hessenforst sieht darin auch einen Beitrag zum Naturschutz. Forstamts-Bereichsleiter Matthias Schnücker erklärt: "Durch das Anbieten legaler Strecken wollen wir sensible Waldbereiche entlasten."

Vor allem die Hänge in Richtung Kassel seien wertvolle Waldbereiche, die dem Naturschutz gewidmet seien. Mountainbiker sollten dort nicht unterwegs sein. Schnücker ist zuversichtlich, diese mit den neuen Trails auf legale Pfade führen zu können: "Wir haben einen guten Kontakt zur Szene durch den Naturpark und erwarten, dass die Mountainbiker die legalen Strecken nutzen werden."

Alle kann man nicht erreichen

Der erwähnte "Szenekontakt" entstand unter anderem durch Maximilian Achler. Er fährt selbst seit zwölf Jahren Mountainbike, studiert Forstwissenschaften und hat ein längeres Praktikum beim Naturpark absolviert. Hierdurch konnte er zwischen Naturpark und Mountainbikern vermitteln und Vorschläge einbringen.

Im Habichtswald könne man zwar auf Wander- und Forstwegen fahren, sagt Achler, aber das sei einigen aus technischer Sicht schlicht zu anspruchslos. Sie suchten sich ihre Herausforderungen auf inoffiziellen Wegen, zerschnitten den Wald und grüben den Waldboden in Eigenregie um. "Wir wollten einen Bikepark mit Sprüngen, um das in Zukunft zu vermeiden", sagt Achler.

Ein Mann, Jürgen Depenbrock, steht neben einem großen Schild im Wald. Auf dem Schild steht "MTB Trailpark" mit Text und einer Karte

Obwohl er überzeugt von dem Projekt ist, bezweifelt Achler, dass man wirklich alle Biker mit den Trails erreichen werde. Rund um den Herkules gebe es illegale Strecken, die sehr anspruchsvoll seien. Ähnliche Strecken könne man aus Naturschutzgründen nicht im Trailpark anbieten.

Projekt soll Besucher lenken

Der Geschäftsleiter des Zweckverbands Naturpark Habichtswald, Jürgen Depenbrock, spricht bei dem Projekt von einer "Form der Besucherlenkung": "Wir möchten, dass die Sportler ein bestimmtes Areal nutzen, um ein anderes zu schützen." Es sei ein Angebot für die Mountainbiker der Region, das ein gutes Miteinander für alle schaffen solle.

Bis Maximilian Achler mit seinen Kumpels die neuen Trails nutzen kann, wird es mindestens bis Mai dauern. Dann soll der Trailpark fertig sein. Ein halbes Jahr also müssen die Mountainbiker noch auf den Forst- und Wanderwegen bleiben oder in andere Regionen fahren, wo es bereits offizielle Mountainbike-Strecken gibt. Der eine oder andere Zoff zwischen Bikern und Fußgängern ist bis dahin wohl unvermeidlich.

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