Bischof Georg Bätzing spricht während einer Pressekonferenz.

Homosexualität, Zölibat, Frauen: In Frankfurt treffen sich 230 Katholiken in Amt und Würden, um ihren Reformprozess Synodaler Weg fortzusetzen. Am Donnerstagabend aber sorgen sie für einen Paukenschlag - der die Reformen schon scheitern lassen könnte.

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Synodalversammlung – Reformvorhaben sollen beschlossen werden

hessenschau vom 08.09.2022
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Fassungslosigkeit, gewaltige Enttäuschung und Tränen: Bei der Synodalversammlung der katholischen Kirche in Frankfurt ist am Donnerstagabend ein grundlegender Text zur kirchlichen Sexualmoral gescheitert. Die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe erreichte der Text nicht, der eine Liberalisierung der kirchlichen Sexualmoral anstrebte. Nur 33 Bischöfe stimmten für den Text bei 21 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

Dabei ließen die hohen Kirchenaustrittszahlen und der zurückgehende Gottesdienstbesuch keinen Zweifel daran, dass eine Erneuerung der Kirche dringend nötig sei, hatte der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Morgen zuvor zum Auftakt der vierten Synodalversammlung gesagt.

Der Veränderungsdruck sei "unendlich groß". Auf dem Gelände der Frankfurter Messe treffen sich bis Samstag 230 Bischöfe, Priester, kirchliche Mitarbeiter und zahlreiche Laienvertreter, um wichtige Reformvorhaben des Synodalen Wegs zu beschließen.

Sechs konkrete Reformprojekte

Über sechs konkrete Reformprojekte sollte dabei abschließend beraten werden:

  • Aufhebung des Pflichtzölibats, der Ehelosigkeit von Priestern
  • Größere Mitbestimmungsrechte von Laien
  • Frauen sollen verstärkt in kirchliche Leitungspositionen kommen
  • Zulassung von Frauen zum Priesteramt
  • Homosexualität soll nicht mehr als Sünde verurteilt werden
  • Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Partnerschaften

"Die Fragen, die wir hier stellen, werden in einem großen Teil der Kirche auch gestellt", betonte Bätzing. "Wir sind hier in Deutschland kein Sonderweg, sondern die katholische Kirche weltweit ist unterwegs."

Mitglieder unterschiedlicher katholischer Jugendverbände halten zu Beginn der vierten Synodalversammlung der katholischen Kirche in Deutschland im Congress Center Messe Frankfurt vor dem Eingang Schirme mit Botschaften wie "Meine Kirche ist Bunt" zur Unterstützung der Vielfalt in der katholischen Kirche hoch.

"Nicht von Buhrufen verunsichern lassen"

Die Präsidentin des Zentralrats der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp betonte im Vorfeld, es gehe diesmal unter anderem darum, ob die Synodalität auf Dauer eingeführt werde, ob also auch künftig gemeinsam beraten und entschieden werden solle.

"Insgesamt stehen Teilhabe, Wertschätzung von Vielfalt, Zukunftsfähigkeit der Kirche auf der Entscheidungsagenda." Von "Buhrufen" dürfe man sich dabei nicht verunsichern lassen.

Am Abend dann rang Stetter-Karp um Fassung. Wenn sich ein solches Abstimmungsverhalten wie bei der Sexualmoral auch beim Text über die Rolle der Frauen wiederhole, "stehen wir vor einem Scherbenhaufen", sagte sie. "Ich erwarte von den Bischöfen mit ihrer Macht, dass sie zu ihrer Meinung offen stehen."

Krisenaussprache mit scharfen Worten

Bei einer Krisenaussprache fielen schließlich scharfe Worte - ein Delegierter warf den Bischöfen Feigheit vor. "Es kann doch nicht sein, dass die Gläubigen bei den Bischöfen bleiben müssen, aber die Bischöfe bleiben nicht bei uns!", rief die Ordensschwester Katharina Kluitmann.

Die Benediktinerin Philippa Rath sagte, sie fürchte, dass sich die Spaltung zwischen Gläubigen und Bischöfen angesichts solchen Verhaltens vertiefen werde. "Ich fühle mich, als sei ich ins Messer gelaufen", sagte eine Laienvertreterin. Ein Sprecher sah den Synodalen Weg bereits gescheitert.

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Synodaler Weg

Der Synodale Weg läuft seit 2019, organisiert vom Zentralrat der deutschen Katholiken (ZdK) und der Deutschen Bischofskonferenz. Die Synodalversammlung ist das Hauptgremium des derzeitigen Reformprozesses der deutschen Katholiken, des Synodalen Wegs. Am Ende des Wegs - voraussichtlich im Jahr 2023 - sollen konkrete Reformen stehen.

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Bätzing verteidigt Reformen gegen Kritik aus Vatikan

Auslöser des Reformprozesses seit 2019 war die massive Vertrauenskrise nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals. Im Juli dieses Jahres hatte der Vatikan den deutschen Glaubensbrüdern und -schwestern in einer harschen Stellungnahme mitgeteilt, dass der Synodale Weg "nicht befugt" sei, neue Formen der Leitung und eine neue Ausrichtung der katholischen Lehre und Moral zu entwickeln.

Bischof Bätzing stellte sich daraufhin entschieden gegen die Kritik aus dem Vatikan und pochte auf Veränderungen in der katholischen Kirche: "Wer sich heute dem Dialog mit der Gegenwart entzieht, ja, ihn programmatisch zurückweist, der verliert jegliche Möglichkeit, die Gegenwartskultur auch kritisch verändernd zu durchdringen und Menschen von heute für das Evangelium Jesu Christi zu gewinnen." Bätzing wies darauf hin, dass der Vatikan falsche Vorstellungen von dem Prozess in Deutschland habe. Deshalb sei ein direkter Austausch umso wichtiger.

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Synodalversammlung: Konkrete Reformvorhaben sollen endgültig beschlossen werden

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"Wir hoffen sehr darauf, endlich in Rom zu einem Gespräch eingeladen zu werden", hatte Stetter-Karp gesagt. "Es gibt nur wenige Fragen auf dem Synodalen Weg, die durch eine gesamtkirchliche Regelung beantwortet werden müssen." Vieles könnten die deutschen Katholiken auch eigenständig entscheiden.

Der Text über Sexualmoral übrigens galt im Vorfeld noch nicht einmal als der mit der meisten Sprengkraft. Deutlich kontroverser dürfte es bei der Diskussion über die Neubewertung von Homosexualität am Freitag zugehen.

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