Landessynode in Hofgeismar Kurhessische Kirche trennt sich von 30 Prozent der Kirchen-Gebäude

Der Mitgliederschwund in den Kirchen wirkt sich auf die Finanzen aus. Deshalb hat die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck nun beschlossen, ihren Gebäudestand massiv zu reduzieren. Auch ihre Personalpolitik will die Kirche neu ausrichten.

Archivbild: Abstimmung bei einer vergangen Landessynode der EKKW.
Archivbild: Abstimmung bei einer vergangen Landessynode der EKKW. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)
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Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) will aus Kostengründen mindestens 30 Prozent ihrer kirchlichen Gebäude aufgeben. Außerdem soll bei den landeskirchlichen Bauerhaltungsmitteln gekürzt werden: Nur noch 30 Prozent des aktuellen Bestandes könnten künftig noch mit den Mitteln rechnen. Das hat die Landessynode am Donnerstagabend beschlossen.

Welche Gebäude dies betreffen wird, soll von den 14 Kirchenkreisen in einem nächsten Schritt geklärt werden. Bis zum 1. Januar 2026 haben sie Zeit, Gebäudepläne zu erstellen, die angeben, welche Gebäude erhalten, umgenutzt oder aufgegeben werden sollen.

Weniger Mitglieder - weniger Kirchensteuern

Wegen sinkender Mitgliedszahlen könne die Landeskirche künftig weniger Gebäude aus Kirchensteuermitteln mitfinanzieren, hieß es.

Aktuell befinden sich nach Angaben der kurhessischen Kirche 2.977 Gebäude in ihrem Eigentum. Darunter sind 1.079 Kirchen, 507 Pfarrhäuser, 104 Kitas, 475 Gemeindehäuser sowie 812 sonstige Gebäude. Für alle Gebäude ist laut Beschluss über alternative Nutzungs- und Finanzierungskonzepte nachzudenken.

"Dieser Glaube geht nicht unter, wenn er sich von Gebäuden trennt", sagte Bischöfin Beate Hofmann zu der Entscheidung. Die Kirchenleitung ermutigte die Gemeinden, ihre Zukunft stärker beispielsweise mit Kommunen, anderen Religionsgemeinschaften, Diakonie oder Caritas zu gestalten.

Erste Schritte ist die kurhessische Kirche bereits gegangen: Seit 2014 wurde der Bestand bereits um 140 Gebäude reduziert. Zu den veräußerten Gebäuden gehören 65 Pfarrhäuser, 33 Gemeindehäuser, sechs Kindergarten-Gebäude, fünf Kirchen und 36 sonstige Gebäude.

EKKW kündigt neue Personalpolitik an

Überdies kündigte die EKKW an, ihre Personalpolitik neu auszurichten. Derzeit seien rund 12.400 Menschen in der Landeskirche beschäftigt, darunter annähernd 700 Pfarrerinnen und Pfarrer im aktiven Dienst. Bis Ende 2037 gingen mit mehr als 440 Pfarrpersonen fast zwei Drittel von ihnen in den Ruhestand. Diesen Abgängen werde eine nur geringe Zahl von Zugängen gegenüberstehen, sagte Prälat Burkhard zur Nieden.

Zwar sei der aktuelle Vikariatskurs groß, die Zahl der Theologie-Studierenden aber deutlich rückläufig. Der Mangel an Fach- oder Arbeitskräften, insbesondere auch von Auszubildenden, sei zudem massiv spürbar. 

Die Landessynode tagt bis Samstag, 27. April, in der Evangelischen Tagungsstätte in Hofgeismar. Beraten wird beraten unter anderem über Förderung und Finanzierung von Klimaschutz in der EKKW sowie die Ergebnisse der Forum-Studie zu sexualisierter Gewalt und notwendige Konsequenzen daraus. Der Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck gehören rund 710.500 Menschen an.

Landeskirchen grenzen sich von von rechten Positionen ab

Auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hält aktuell ihre Synode ab. Am Freitag beschloss die Kirche eine "Resolution für Demokratie", die sich gegen Diskriminierung und völkischen Nationalismus richtet. Die hessen-nassauische Kirchensynode repräsentiert rund 1,4 Millionen Gläubige. Ihr Gebiet erstreckt sich auch auf Teile von Rheinland-Pfalz.

"Völkischer Nationalismus ist mit unserem christlichen Gottes- und Menschenbild nicht vereinbar", heißt es in der Resolution. Auch die Geschichte der Kirche sei von Gewalt, Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen von Menschenverachtung geprägt gewesen - daher stünden die Kirchen heute umso deutlicher für Demokratie, Menschenwürde und Toleranz ein.

"Für Gerechtigkeit und ein Leben in Vielfalt und Frieden"

Die in jüngster Zeit deutlich gewordene Gefahr für die Demokratie und besonders für benachteiligte Gruppen erfordere einen engagierten und nachhaltigen Einsatz. Die EKHN stehe ein "für Gerechtigkeit und ein Leben in Vielfalt und Frieden".  

Auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck machte sich für eine klare Abgrenzung von radikalen Positionen stark. "Rechtsextreme und menschenfeindliche Positionen bekommen im Raum der Kirche keine Bühne", sagte Bischöfin Beate Hofmann am Freitag bei einer digitalen Pressekonferenz zur Frühjahrssynode.

"Gleichzeitig werden wir Menschen, die rechtsextreme Positionen im Raum der Kirche vertreten, sehr deutlich darauf hinweisen, dass das mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar ist."

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Sendung: hr3, 26.04.2024, 13 Uhr

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Quelle: hessenschau.de, epd