Hidden Codes

In Sozialen Netzwerken wimmelt es von rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Inhalten. Nicht immer sind sie gleich zu erkennen, zumal für Jugendliche. Eine App der Bildungsstätte Anne Frank will ihnen dabei helfen.

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Wie Jugendliche auf Radikalisierung im Netz sensibilisiert werden

hessenschau vom 20.10.2022
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Mitten in einer Videokonferenz ploppen Hakenkreuze und andere nationalsozialistische Symbole auf den Bildschirmen der Teilnehmenden auf. Schnell ist klar, dass es sich um eine geplante Aktion handelt, zu der ein Gamer in einem Sozialen Netzwerk aufgerufen hat. Doch wer genau steckt hinter der Aktion?

Auf der Suche nach radikalen Hinweisen

Mit diesem Szenario beginnt eine von vier Spielepisoden der App "Hidden Codes". Die App wurde von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt entwickelt, um Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren für Radikalisierung im Netz zu sensibilisieren, damit sie dieser im eigenen Umfeld entgegentreten können.

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Die App

"Hidden Codes" kann im Appstore kostenfrei heruntergeladen werden. Auf der Website des Spiels finden sich weitere Informationen, dort kann auch gespielt werden.

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Im Spiel bewegen sich die Jugendlichen in einem fiktiven sozialen Netzwerk. Sie interagieren mit anderen, schauen sich Profile an und lesen Beiträge - alles wie in echt. Bei "Hidden Codes" allerdings werden sie von fiktiven Freunden zum Beispiel darum gebeten, auf einem Profil nach Hinweisen für rechtsextremes Gedankengut zu suchen. Dadurch sollen die Schüler lernen, Inhalte im Internet kritischer wahrzunehmen.

Radikale Inhalte im Alltag

Die Schülerinnen und Schüler einer zwölften Klasse an der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld haben die App im Unterricht verwendet. Sie stießen auf das Bild eines Kraken auf dem Globus, verbunden mit der Frage "Wer kontrolliert die Welt?" - ein Code für die angebliche jüdische Weltherrschaft, von der Rechtsextreme fabulieren. In einem fiktiven Profilbild tauchten zwei Äxte und ein Totenkopf auf, eine Anspielung auf die SS. Ein anderer fiktiver Nutzer ließ sich über "Schlafschafe" aus, womit Nicht-Coronaregeln-Gegner verhöhnt wurden. Weniger subtil sind Aussagen wie "Das ist unser Land".

Hidden Codes Screenshot

Radikale Inhalte in den sozialen Netzwerken sind für einige der Bad Hersfelder Schüler nichts Unbekanntes. André erzählt, dass er bereits auf Querdenker gestoßen sei: "Ich war schon in Insta-Gruppen, wo Leute gewisse Corona-Theorien geschrieben haben. Die haben teilweise nicht an Corona geglaubt." Er habe eine Diskussion angefangen, zum Teil mit Erfolg.

Sein Klassenkamerad David bestätigt den Eindruck. Seiner Meinung nach findet sich rechte Hassrede überall in den Sozialen Netzwerken. Julian sieht ein weiteres Problem: Es gebe immer wieder Posts, deren Wahrheitsgehalt unklar sei.

Spiegel der jugendlichen Lebensrealität

Hami Nguyen von der Bildungsstätte Anne Frank hat beobachtet, dass vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie vermehrt Verschwörungstheorien online geteilt würden. "Rechtsradikale Gruppen rekrutieren seit Jahren Mitglieder im Netz und begeistern junge Menschen für ihre Narrative", sagt Nguyen. Mit der App "Hidden Codes" wolle man Jugendlichen helfen, radikale Inhalte im Internet zu erkennen. Im Zweifel könnten sie früh professionelle Hilfe holen.

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Rechte Gewalt

Laut hessischer Kriminalstatistik waren im vergangenen Jahr 2.726 Straftaten politisch motiviert. Davon waren 978 dem rechten Milieu zuzuordnen.

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Bisher seien etwa 2.000 Lehrkräfte geschult worden, um die App im Unterricht einzusetzen, berichtet Nguyen. Genauso gut lässt sich die App aber auch allein anwenden. Sie gibt Erklärungen zu verdächtigen oder eindeutigen Inhalten. Es geht auch nicht nur um rechtsradikale Codes. Eine andere Episode von "Hidden Codes" beschäftigt sich mit islamistischen Botschaften.

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App erklärt versteckte Botschaften von Radikalen

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In der Klasse sprechen die Bad Hersfelder Zwölftklässler gemeinsam darüber, was sie zuvor in der App gesehen und gelernt haben. Die Geschichtslehrerin Laura Lang zeigt in einem anonymisierten Chart, wie viele Versuche die Schüler gebraucht haben, um Hinweise auf eine radikale Einstellung in einem Post zu finden.

Täter gefunden

Für Lehrerin Lang ist vor allem die Nachbereitung der Episoden wichtig. So könne sie das Spiel kontextualisieren. Durch Gespräche etwa über den rassistischen Anschlag in Hanau werde das Thema für ihre Klasse greifbarer. Lang ergänzt, dass die Schüler durch die App auch lernten, wie sie mit radikalen Inhalten umgehen können: "Man kann Beiträge melden oder blockieren, man muss sich nicht unbedingt auf einen Diskurs einlassen."

Am Ende der Episode ist sich die Klasse einig: Die Videokonferenz wurde von einem ehemaligen Schüler namens Philipp gecrasht. Darauf deuteten viele Hinweise und ein Bekennervideo auf seinem Profil hin.

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