Schirme mit Botschaften wie "Gleichberechtigung"

Die deutschen Katholiken wollen bei ihrer Synodalversammlung in Frankfurt eine grundsätzlich andere Sichtweise zur Homosexualität erreichen. Doch die Versammlung ist nach dem ersten Tag bereits in der Krise.

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Synodalversammlung in Frankfurt

hsk
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Nach einem Abstimmungseklat und nächtlichen Krisensitzungen ist die vierte Synodalversammlung der deutschen Katholiken in Frankfurt am Freitag fortgesetzt worden. Die deutschen Katholiken wollen eine "lehramtliche Neubewertung von Homosexualität". Die katholische Kirche betrachtet Homosexualität als Sünde. Heute wird für gewöhnlich zwar betont, dass Homosexuelle auf keinen Fall diskriminiert werden dürften und dass die Veranlagung an sich noch keine Verfehlung sei. Doch gleichzeitig pocht der Vatikan darauf, dass Homosexualität nicht ausgelebt werden dürfe.

Bischof Dieser wünscht sich Enspannung und Entkrampfung

Dem soll in Frankfurt eine grundsätzlich andere Sichtweise entgegengestellt werden. Der Aachener Bischof Helmut Dieser sagte: "Wir wollen erreichen, dass in diesen Fragen entspannter, entkrampfter in unseren Ansätzen nachgedacht wird und dass es zu einer Weiterentwicklung des Katechismus und der kirchlichen Auffassung von Homosexualität kommt." Er hob hervor, homosexuelle Menschen seien genauso "gottgewollt" wie heterosexuelle Menschen. Bischof Dieser leitet das Synodalforum zu Partnerschaft und Sexualität.

Am Freitag geht es neben der Neubewertung von Homosexualität um die priesterliche Ehelosigkeit, das Zölibat, und die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche. Bei allen drei Themen geht es in die zweite, endgültige Abstimmung. Auf dem Gelände der Frankfurter Messe treffen sich bis Samstag 230 Bischöfe, Priester, kirchliche Mitarbeiter und zahlreiche Laienvertreter.

21 Bischöfe stimmen gegen Reformtext

Die inhaltliche Arbeit bei der Vollversammlung hatte am Donnerstagabend mit einem Paukenschlag begonnen. Gleich der erste grundlegende Text zur katholischen Sexualmoral scheiterte. Während die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit aller anwesenden 209 Synodalen erreicht wurde, erhielt das Papier bei den Bischöfen keine Zwei-Drittel-Mehrheit, lediglich 61 Prozent von ihnen votierten dafür. 33 Bischöfe stimmten für den Text, 21 dagegen, drei enthielten sich.

Der Text sah Reformbedarf unter anderem in der Haltung der Kirche zu künstlicher Verhütung und homosexuellen Partnerschaften. In der Debatte hatten einige Bischöfe die Forderungen als einen Bruch mit der kirchlichen Lehre und dem christlichen Menschenbild bezeichnet.

Bätzing: Es "fällt etwas auseinander, das nicht auseinanderfallen darf"

Nach dem Scheitern kam es im Versammlungssaal zu einer spontanen Protestkundgebung. Einzelne Synodale verließen die Versammlung. Der Synodalpräsident und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sprach von einer "krisenhaften Situation". Er rief die Synodalen auf, zusammenzubleiben und weiterzumachen. Die Bischöfe und die übrigen Beteiligten besprachen anschließend in getrennten Sitzungen, wie es nun weitergehen soll.

Bätzing sagte am Freitag, wenn ein Text "ein so überragendes Votum der Gesamtversammlung findet und nicht die Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe, dann fällt etwas auseinander, das nicht auseinanderfallen darf".

Forderung nach namentlicher Abstimmung der Bischöfe

Mahnende Worte gab es auch von Irme Stetter-Karp, der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Auf dem Synodalen Weg sei die "Veränderungsbereitschaft aller Beteiligten ausschlaggebend", sagte sie. "Wenn diese Veränderung nicht möglich ist, wenn wir Eindruck einer Beteiligungssimulation erhalten, dann müssen und werden wir eine neue Standortbestimmung vornehmen müssen."

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Synodale wollen Homosexualität nicht mehr als Sünde gewertet sehen

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Eine Aussprache am Morgen machte allerdings deutlich, dass bei vielen Delegierten die Verletzungen noch tief waren. Einige forderten eine namentliche Abstimmung insbesondere der Bischöfe. "Ich frage mich wirklich, was wir hier machen und ob wir nicht aufhören sollten", sagte ein Delegierter.

Synodaler Weg als Reaktion auf den Missbrauchsskandal

Organisiert vom ZdK und der Bischofskonferenz arbeiten die Katholiken im Synodalen Weg seit 2019 an einer Reform der Kirche. Das Projekt wurde gestartet als Reaktion auf den Missbrauchsskandal und die enorme Vertrauenskrise. Am Ende des Wegs - voraussichtlich im Jahr 2023 - sollen konkrete Reformen stehen.

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