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Adorno-Preis für US-Philosophin

Das Bild zeigt eine Frau mit halblangen dunklen Haaren. Sie lehnt an einer Holzwand links im Bild und trägt ein schwarzes Kostüm sowie eine Perlenkette. Ihre Augen sind dunkel geschminkt, ihre Lippen rot.

Mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis würdigt die Stadt Frankfurt besondere Leistungen im Bereich Philosophie, Musik, Theater und Film. In diesem Jahr erhält die Philosophin Seyla Benhabib die Auszeichnung: eine der "international bedeutendsten Denkerinnen".

Die US-amerikanische Philosophin und Politikwissenschaftlerin Seyla Benhabib erhält den Theodor-W.-Adorno-Preis 2024. Das teilte die Stadt Frankfurt am Donnerstag mit.

Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Stadt alle drei Jahre vergeben. Sie erinnert an den Philosophen Theodor W. Adorno und würdigt hervorragende Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film.

Kuratorium lobt Benhabibs Klarheit

Die 73-jährige Benhabib sei eine der international bedeutendsten Denkerinnen in der Tradition der Kritischen Theorie, begründete das Kuratorium, zu dem auch Oberbürgermeister Mike Josef und Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) sowie der Direktor des Instituts für Sozialforschung, Stefan Lessenich, gehören.

Im Sinne eines moralischen Universalismus im Anschluss an Kant untersuche die US-Amerikanerin Fragen zum Spannungsverhältnis von staatlicher Souveränität und Globalisierung, hieß es weiter.

Benhabibs Analysen und politische Forderungen, dass nur praktische Solidarität und gelebte Demokratie die Menschenwürde wahren könnten, würden durch Klarheit bestechen "in einer Welt, deren Spannungen manifest und zunehmend krisenhaft sind".

Forschung in Yale und Boston

Seyla Benhabib wurde 1950 in Istanbul geboren und studierte unter anderem an der Brandeis University im US-Bundesstaat Massachusetts und in Yale, wo sie 1977 mit einer Arbeit zu Hegels Rechtsphilosophie promovierte.

Nach Assistenzprofessuren in Yale und Boston sowie Professuren in Harvard und an der New School for Social Research in New York wurde sie 2001 als Eugene Meyer Professor of Political Science and Philosophy an der Yale University berufen.

Nach ihrer Emeritierung ist sie weiter als Forschungsbeauftragte an der Columbia Law School in New York tätig. Benhabib wurde mit renommierten Wissenschafts- und Philosophiepreisen wie dem wie dem Meister-Eckhart-Preis, dem Dr. Leopold Lucas-Preis und dem Ernst-Bloch-Preis ausgezeichnet.

Seit 1977 vergeben

Theodor W. Adorno wirkte viele Jahre an der Universität Frankfurt und dem Institut für Sozialforschung und war einer der namhaftesten Vertreter der Frankfurter Schule. Seine Schriften wie die "Negative Dialektik" und die gemeinsam mit Max Horkheimer im Exil verfasste "Dialektik der Aufklärung" zählen zu den einflussreichsten philosophischen und kulturtheoretischen Werken des 20. Jahrhunderts.

Der erste Preisträger war im Jahr 1977 der Soziologe Norbert Elias. Auch Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit (2021), Regisseurin und Schauspielerin Margarethe von Trotta (2018) und sowie der französische Kunsthistoriker Georges Didi-Huberman (2015) wurden mit dem Adorno-Preis geehrt.

Zuletzt wurde die Aberkennung des Adorno-Preises für die Preisträgerin von 2012, die US-Philosophin Judith Butler, gefordert. Sie steht wegen Äußerungen zum Angriff der Hamas auf Israel in der Kritik.

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