Wegen des enormen Erfolgs Loriot-Ausstellung in Frankfurter Caricatura wird verlängert

Ein Atomkraftwerk zu Weihnachten, eine Nudel im Mundwinkel und "Die Ente bleibt draußen": Mit seinen Sketchen und Karikaturen hat Loriot die deutsche Humor-Landschaft geprägt. Zu seinem 100. Geburtstag feiert ihn das Caricaturamuseum Frankfurt und verlängert die Ausstellung jetzt wegen der großen Nachfrage bis in den Mai 2024.

Zeichung zweier Männer, die sich in einer Badewanne gegenüberstehen.
Zwei Männer in der Badewanne - eine Szene aus der Kompilation "Loriots große Trickfilmrevue", die im November auch im Deutschen Filmmuseum zu sehen ist. Bild © picture alliance/dpa/Salzgeber/ Studio Loriot
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Frankfurter Caricatura feiert 100 Jahre Loriot

hs
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Das Modell des Atomkraftwerks sieht sehr adrett aus. Blankweiße Gebäudeteile, eine aufgeklappte Reaktorkuppel. Sie gibt den Blick frei auf den leuchtend roten Einsatz der Brennstäbe in einer blauen Kammer. Das hübsche Modell ist nach den Bauzeichnungen von Loriot gebaut, die im Caricatura-Museum in Frankfurt neben dem Modell hängen.

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Ach was. Loriot zum Hundertsten.

Die Ausstellung im Caricatura-Museum am Weckmarkt Frankfurt wurde bis zum 12. Mai 2024 verlängert.
Das Deutsche Filmmuseum begleitet die Ausstellung im November mit den Filmen "Ödipussi", "Pappa ante Portas" und der Kompilation "Loriots Große Trickfilm-Revue".

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Im Sketch "Weihnachten bei Hoppenstedts" macht die Verkäuferin alias Evelyn Hamann den Opa alias Vicco von Bülow mit diesem Weihnachtsgeschenk für das Enkelkind glücklich. "Schau mal Dickie, wir bauen uns ein Atomkraftwerk", erklärt der Opa ihm im Sketch begeistert. "Wenn wir was falsch gemacht haben, dann soll es jetzt Puff machen."

Umfassendste Übersicht des Lebenswerks

Der groteske und zugleich feinsinnig vorgetragene Humor war von Bülows Markenzeichen als Loriot. Ihm widmet das Museum für Komische Kunst zum kommenden 100. Geburtstag die bisher umfassendste Ausstellung seines Lebenswerks.

Ein Mann sitzt in einem Sessel vor einer übergroßen Loriot-Karikatur eines Mannes im Sessel.
Achim Frenz verabschiedet sich mit der Loriot-Ausstellung als Chef der Frankfurter Caricatura. Bild © hr, Pablo Diaz

"Er war und ist unsere größte Humorinstanz", sagt der Museumsleiter Achim Frenz. Für ihn ist die Loriot-Schau die letzte vor seinem Abschied in den Ruhestand.

Loriot zeichne seine einzigartige Präsenz, der lustvolle Umgang mit Sprache, das zeichnerische Handwerk und die groteske Komik aus, sagt Frenz. "Er ist vom Stellenwert her vergleichbar mit Monty Python in England."

Über 700 Exponate

705 Objekte hat Kurator Thomas Kronenberg zusammengetragen, darunter sind Zeichnungen, Cartoons, Trickfilme, Fotografien, Drehbuchseiten, Bühnenbildentwürfe oder Ausschnitte aus den Fernseh- und Kinofilmen.

Zeichnung: Menschen in südlndischem Ambiente, alle schauen durch ihre Kameras.
"Auf Reisen im Ausland" - die Kameras sehen inzwischen anders aus, das Thema bleibt. Bild © Studio Loriot

So sind die Zeichnungen zu Trickfilmen zu sehen wie für die legendären Herren im Bad ("Die Ente bleibt draußen!"), daneben der handschriftliche Ablauf des Dialogs und die getippte Dialogregie.

Sketche, Opern, Kinofilme

Fotos rufen die Szenen der gespielten Sketche Loriots mit Evelyn Hamann in Erinnerung, zum Beispiel das unvergessliche romantische Abendessen mit der Nudel im Gesicht.

Als Opernliebhaber inszenierte Loriot etwa "Martha" an der Staatsoper Stuttgart. In der Schau sind seine Kostümzeichnungen, Bühnenbilder, die Bühnenmodelle und Fotos von Szenen der Aufführung zu sehen.

Eine Frau in silbernem Kleid und ein Mann in einem Hotel-Flur.
Evelyn Hamann und Vicco von Bülow in einer Szene der Komödie "Ödipussi" von 1987. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Loriots Langfilme "Ödipussi" und "Pappa Ante Portas" können anhand von Fotografien, den Dialogen und der Szenenübersicht nachvollzogen werden, bevor Ausschnitte im provisorischen Kinoraum betrachtet werden.

Porträtzeichnungen aus dem Krieg

Die chronologisch aufgebaute Ausstellung zeigt nicht nur Bekanntes, sondern auch unbekannte Raritäten. Darunter sind Porträtzeichnungen des 20-jährigen Soldaten aus dem Krieg und die Werbegrafiken zu Beginn der Berufslaufbahn.

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Bild © picture alliance/dpa/Salzgeber/ Studio Loriot | zur Audio-Einzelseite
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Die Schau führt bis zu den spätesten Werken, den grotesken Gemälden "Nachtschattengewächse", durch das gesamte Schaffen des Künstlers.

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Bernhard-Victor Christoph-Carl "Vicco" von Bülow

Loriot wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren. Er studierte von 1947 bis 1949 Malerei und Grafik an der Kunstakademie Hamburg und arbeitete zunächst als Werbegestalter. 1950 begann seine Karriere der komischen Kunst mit den ersten veröffentlichten Cartoons.
Der Künstlername Loriot ist das französische Wort für Pirol, das Wappentier der Familie von Bülow. Er starb am 22. August 2011 am Starnberger See.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.09.2023, 19.30 Uhr

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Quelle: hessenschau.de, epd