Salustiano in Wetzlar

In Wetzlar ist derzeit ein Bild zu sehen, das im Februar in Spanien für hitzige Debatten sorgte: Es zeigt einen überirdisch schönen, fast nackten Jesus. Eine irritierende Debatte, findet sein Schöpfer Salustiano.

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Umstrittene Kunst von Salustiano in Wetzlar

Salustiano als Jesus
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Die Aufregung über sein Jesus-Plakat versteht Salustiano Garcia Cruz bis heute nicht. Anfang des Jahres bekam er den Auftrag, ein Poster für die Feierlichkeiten der berühmten Karwoche im spanischen Sevilla zu entwerfen, die mit vielen Prozessionen gefeiert wird und Gäste aus aller Welt anlockt.

Der Aufschrei über das fertige Plakat war groß: Zu sehen ist ein überirdisch schöner, athletischer Mann auf rotem Hintergrund, das lange Haar in der Mitte gescheitelt, die Hüfte mit einem Lendenschurz bedeckt.

Hitzige Debatten über "sexy Jesus"

In den spanischen und internationalen Medien löste das Plakat, das bis zum 6. Juli in der Galerie am Dom in Wetzlar zu sehen ist, hitzige Debatten aus. Zu hübsch sei dieser Jesus, zu sauber, zu profan, zu kitschig und, ja, zu sexy.

Salustiano war zutiefst irritiert, wie er erzählt. Sein Bild folge der klassischen europäischen Tradition der Abbildung der Jesus-Auferstehung. Er habe nach dem Erhalt des Auftrags für das Plakat Jesus-Darstellungen der vergangenen sieben Jahrhunderte studiert.

Werke Salustiano

Auf vielen Gemälden - etwa bei Michelangelo - sei Jesus schön, athletisch und oft fast nackt. Es gebe sogar Gemälde, auf denen er komplett nackt sei.

"Die Gesellschaft ist übersexualisiert"

Lange habe ihn die Kontroverse, die auch in den sozialen Medien geführt wurde, beschäftigt. "Die Gesellschaft ist einfach übersexualisiert", resümiert er. Und: "Um Sexualität in meinem Christus zu sehen, muss man krank sein - und ohne Kultur."

Die Kontroverse habe ihn auch deswegen beschäftigt, weil Persönliches in diese Jesus-Darstellung geflossen sei. Zum einen habe ihn sein Sohn inspiriert, wegen seiner Schönheit und seiner Augen. Zum anderen aber auch eine prägende Erfahrung, die er im Alter von elf Jahren machte.

Leid aus Gesicht des toten Bruders verschwunden

Damals starb sein Bruder mit nur 18 Jahren. Seine Mutter wollte, dass er am offenen Sarg Abschied nimmt. "Ich wollte das erst nicht", sagt Salustiano, "habe dann aber doch zugestimmt."

Der Bruder sei lange krank gewesen, habe sehr gelitten. Doch dieses Leid sei aus dem Gesicht verschwunden gewesen. "Was man noch sehen konnte, war seine Schönheit", erinnert sich der Künstler.

"Wollte mich auf Auferstehung konzentrieren"

Beim Design des Jesusbildes sei er versucht gewesen, diesen Moment am offenen Sarg seines Bruders festzuhalten. "Ich wollte mich dann aber doch auf die Wiederauferstehung konzentrieren, denn daran glaubt das Christentum."

Deswegen habe er Jesus schön und rein dargestellt: Er sei zunächst halb Mensch, halb göttlich, und in der Auferstehung werde er zu Gott. Eine Polemik habe er nicht lostreten wollen, betont der Spanier - der sich durchaus bewusst ist, dass er selten so viel Aufmerksamkeit bekam.

"Alle Emotionen sind in Ordnung"

Generell sei Schönheit eines der drei Elemente, die alle seine Werke ausmachten. Die anderen beiden seien Ruhe und Spiritualität.

Viele seiner Bilder zeigen Gesichter und Oberkörper teils androgyner Menschen vor einfarbigem Hintergrund. Salustiano will sie aber nicht als Porträts verstanden wissen: "Es sind Idealisierungen", erklärt er.

Werke Salustiano

Wie Poesie oder Musik sollen sie beim Betrachter Stimmungen und Emotionen wecken - welche, das liege ganz beim Betrachter. "Alle sind in Ordnung", sagt Salustiano - und schiebt lachend nach: "Wer bei meinem Jesus an etwas Sexuelles denkt, sollte trotzdem zum Psychologen gehen."

Weitere Informationen

Salustiano - Malerei, Zeichnung & Grafik

Bis zum 6. Juli zeigt die Galerie am Dom Malerei, Zeichnungen und Grafiken von Salustiano.

Adresse: Krämerstr. 1, 35578 Wetzlar

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