Kulturstaatsministerin Roth zu Netrebko-Streit "Ukrainische Künstler müssen selbst über Auftritte entscheiden dürfen"

Im Streit um einen Auftritt der russischen Sängerin Anna Netrebko bei den Maifestspielen in Wiesbaden hat sich Kulturstaatsministerin Roth nun zu Wort gemeldet. Sie fordert, die ukrainischen Künstler selbst entscheiden zu lassen.

Das Hessische Staatstheater.
Um die Maifestspiele im Staatstheater wird heftig gestritten. Bild © picture alliance / Zoonar | Birgit Reitz-Hofmann
  • Link kopiert!
Audiobeitrag
Bild © picture alliance / Zoonar | Birgit Reitz-Hofmann| zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat im Streit um die Maifestspiele in Wiesbaden dazu aufgerufen, die ukrainischen Ensembles selbst entscheiden zu lassen, ob sie gemeinsam mit der russischen Sängerin Anna Netrebko auftreten wollen oder nicht. Roth könne verstehen, wenn diese einen gemeinsamen Auftritt ablehnen, schrieb eine Sprecherin am Freitag in einer Stellungnahme an den hr.

Die Entscheidung müsse aber bei den Künstlern der Nationalphilharmonie und des Taras-Schewtschenko-Theaters liegen. "Dass es eine Entscheidung der ukrainischen Künstlerinnen und Künstler selbst sein sollte, das wird Claudia Roth auch gegenüber ihrem Amtskollegen in der Ukraine deutlich machen", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Weißhaarige frau, im Hintergrund mehrere ukrainische Flaggen.
Kulturstaatsministerin Claudia Roth im Juni 2022 im ukrainischen Odessa. Bild © picture-alliance/dpa

Roth habe immer wieder unterstrichen, dass sie einen generellen Boykott russischer Kultur sowie russischer Künstlerinnen und Künstler ablehnt. Die Ausrichtung der Internationalen Maifestspiele sei aus ihrer Sicht in erster Linie eine Angelegenheit der künstlerischen Leitung sowie der Stadt Wiesbaden.

Ukrainischer Minister: Keine Zusammenarbeit mit Russen

Zuvor hatte Roths Büro bestätigt, dass diese am Donnerstagnachmittag einen Brief des ukrainischen Kultur- und Informationsministers Oleksandr Tkachenko erhalten habe. Am Mittwoch hatte es noch geheißen, der Brief sei nicht bekannt.

Indirekt bestätigte Roths Sprecherin nun auch den Inhalt des Briefs, auf den sich das Staatstheater Wiesbaden als Veranstalter der Maifestspiele schon Anfang der Woche berufen hatte.

In dem Brief, der dem hr vorliegt, heißt es unter anderem, in der jetzigen Situation werde die Ukraine jegliche Zusammenarbeit mit dem Angreifer nicht tolerieren, weder gemeinsame Auftritte mit Repräsentanten der russischen Kultur noch Veranstaltungen, bei denen russische Kultur "promotet" werde.

Ein Mann mit blauem Pulli hält ein Mikrofon in der Hand
Oleksandr Tkachenko, ukrainischer Minister für Kultur und Informationspolitik. Bild © Imago Images

Das Staatstheater Wiesbaden hatte daraus gefolgert, dass man künftig weder russische Künstler auftreten lassen noch russische Musik spielen und auch keine russischen Dichter mehr zu Wort kommen lassen dürfe. Das sei nicht hinnehmbar.

Zu den Maifestspielen waren neben der russischen Star-Sopranistin auch die Ukrainische Nationalphilharmonie und das Taras-Schewtschenko-Theater aus Charkiw eingeladen. Die Ukrainer hatten Anfang der Woche erklärt, nicht gemeinsam mit der Russin auftreten zu wollen.

"Ausrichtung ist Sache des Theaters"

Um die Einladung an die russische Star-Sopranistin hatte es in den vergangenen Wochen heftigen politischen Streit gegeben, weil ihr eine zu große Nähe zum Regime Putin vorgeworfen wird. Ministerpräsident Rhein hatte die Schirmherrschaft für die Maifestspiele zurückgezogen. Der Wiesbadener Magistrat hatte am Dienstag beschlossen, weder zu dem Netrebko-Konzert noch zum anschließenden "Meet and greet" offizielle Vertreter zu entsenden.

Quelle: hessenschau.de