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Projekt "Station to Station" bringt Kunst an Bahnhöfe

Das Bild zeigt eine weiße Skulptur am Fernbahnhof Frankfurt Flughafen. Die Figur besteht aus einem großen Kopf ohne Haare und mit geschlossenen Augen. Ihre Hände hat sie an ihre Ohren gelegt. Die Arme sind am Ellenbogen abgeknickt und ergeben eine Art Brücke, unter der Reisende hindurchgehen können.

Bahnhöfe haben nicht das beste Image. Das Projekt "Station to Station" der Deutschen Bahn will das mithilfe von Kultur ändern. Am Flughafen Fernbahnhof in Frankfurt ist dazu nun eine fünf Meter hohe Skulptur aufgestellt worden. Der Aufbau verlief nicht ohne Probleme.

Ein Leergutsammler durchsucht mehrere Mülltonnen am Flughafen Fernbahnhof in Frankfurt. Er schaut hoch, bleibt mit seinem Blick an etwas hängen und brummt: "Sieht gut aus. Was ist'n das?"

Er meint den fünf Meter hohen und 1,2 Tonnen schweren Aluminium-Kopf, der seit Donnerstag mitten in der Bahnhofshalle steht. Die Skulptur "Immaterielles" des Künstlers Andreas Schmitten ist weiß lackiert, innen hohl und wird von drei Armen gehalten.

Kunst soll Bahnhöfe aufwerten

Schmittens Kunstwerk ist Teil der Kulturreihe "Station to Station" der Deutschen Bahn. Das Projekt entstand auf Initiative des Bundes und will den Menschen Bildende Kunst und Musik im öffentlichen Raum, genauer an Bahnhöfen, näherbringen. Langfristig soll dadurch das Image von Bahnhöfen aufgewertet werden.

Nach dem Berliner Hauptbahnhof ist der Fernbahnhof Frankfurt der zweite Ort, der für das Projekt ausgewählt wurde. Im September soll mit Kassel der dritte Bahnhof folgen.

Die Wahl sei aus ästhetischen Gründen auf den Flughafen-Bahnhof gefallen, erklärt Walter Smerling, Vorsitzender der "Stiftung für Kunst und Kultur" und künstlerischer Leiter für den Projektbereich Bildende Kunst. Die Halle biete "einen wunderbaren Rahmen" für das Kunstwerk.

Kunstwerk am Frankfurter Fernbahnhof

Schwierigkeiten beim Aufbau

Bereits Anfang der Woche ist der monumentale Kopf in der Nacht per Transporter angeliefert und aufgebaut worden. Bis zur Eröffnung blieb er unter einem schwarzen Tuch verhüllt.

Der Aufbau sei komplizierter als gedacht gewesen, sagt Schmitten. Ein zu kleiner Eingang auf der Etage habe sich als größte Herausforderung herausgestellt. "Die Skulptur musste durch dieses Nadelöhr." Erst in der Diagonalen habe die Skulptur durch den Durchgang gepasst.

Eigens für Frankfurt entwickelt

Bisher wurden Schmittens Arbeiten nur in Galerien und Museen ausgestellt. Kunst im öffentlichen Raum sei ein zweischneidiges Schwert, sagt der Künstler. "Irgendwie belästigt man auch als Künstler. So wie Werbung, die sich ungefragt im Außenraum aufdrängt." Es sei aber auch eine Möglichkeit, Menschen zur Kunst zu bringen, die damit zuvor wenig zu tun gehabt hätten.

Mit Kurator Walter Smerling habe er sich vorab die Gegebenheiten am Fernbahnhof angeschaut. "Es gibt dort viel Konkurrenz in dem Sinne, dass das Gebäude an sich schon sehr imposant ist", so Schmitten. "Es gibt Werbung und Leuchtschrift." Die Skulptur müsse dem standhalten, um nicht unterzugehen.

Und so entwickelte der Künstler das Objekt eigens für den Fernbahnhof und seine Umgebung. In seinem Atelier produzierte er eine Vorlage der Skulptur aus Kunststoff und ließ diese dann in einer Düsseldorfer Gießerei im gleichen Maßstab aus Aluminium anfertigen.

Das Bild zeigt eine weiße Skulptur am Fernbahnhof Frankfurt Flughafen. Die Figur besteht aus einem großen Kopf ohne Haare und mit geschlossenen Augen. Ihre Hände hat sie an ihre Ohren gelegt. Die Arme sind am Ellenbogen abgeknickt und ergeben eine Art Brücke, unter der Reisende hindurchgehen können.

Kritik an fehlender Ausschreibung

Dem Projekt "Station to Station" stehen 7,5 Millionen Euro aus öffentlicher Hand zur Verfügung. 1,5 Millionen davon sollen in die Bildende Kunst fließen. Ursprünglich war laut Kurator Smerling angedacht, fünf Bahnhöfe mit Kunst zu bespielen. Das Geld werde dafür aber wohl nicht reichen.

Eine öffentliche Ausschreibung für die beteiligten Künstlerinnen und Künstler gab es trotz der hohen Fördersumme nicht. Das sorgte für Kritik in mehreren Medien.

Smerling entgegnet, eine öffentliche Ausschreibung sei langwierig. Er habe sich dagegen entschieden, weil das für ihn "die unkomplizierteste und direkteste Art" sei, das Projekt umzusetzen. Das habe er der Bahn vorab kommuniziert und angeboten, von der Aufgabe zurückzutreten, damit ein anderer Kurator engagiert werden könne.

Dauerleihgabe für zehn Jahre

Dass trotzdem an Smerling festgehalten wurde, begründet eine Unternehmenssprecherin mit der "Einmaligkeit und Urheberschaft der Idee". Allerdings ist laut Bahn selbst nicht Smerling für die konzeptionelle Entwicklung verantwortlich, sondern Daniel Kühnel, künstlerischer Leitung für den Projektbereich Musik von "Station to Station".

Die Skulptur "Immaterielles" ist als Dauerleihgabe für zehn Jahre am Flughafen Fernbahnhof zu sehen. Ob sie bis dahin auch noch so unbeschadet und weiß-glänzend wie am Tag ihrer Eröffnung bleibt, ist fraglich. "Es braucht natürlich nicht viel, um eine weiße Oberfläche anzugreifen", sagt Künstler Schmitten.

Keine Angst um Skulptur

Sollten sich schon nach kurzer Zeit Kritzeleien oder Aufkleber darauf befinden, sei das für ihn schade. Angst um seine Skulptur habe er aber nicht, so Schmitten. Bahnhofsmanagerin Melanie Kühner verweist zudem auf das Sicherheitspersonal im Bahnhof und das Kamera-Überwachungssystem der Bundespolizei, das direkt auf das Objekt gerichtet ist.

Das Bild zeigt einen Mann mit rotblonden Haaren, Dreitagebart und weißem Hemd. Er steht mit verschränkten Armen vor einer weißen Wand. Über seinen Oberkörper fallen Sonnenstrahlen.

Die meisten Reisenden werfen dem Kunstwerk kurz nach seiner Enthüllung nur einen schnellen Blick zu. Eine Frau, die mit mehreren Koffern in der Bahnhofshalle wartet, hat es sich aber schon bequem gemacht und sich an die Skulptur angelehnt. Kunst im öffentlichen Raum kann manchmal auch einfach nützlich sein.

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