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Schirn zieht in die leerstehende Dondorf-Druckerei in Frankfurt

Das Gebäude der ehemaligen Dondorf-Druckerei.

Das leerstehende Gebäude soll als Ausweichquartier für die Kunsthalle genutzt werden. Der Abriss der historischen Druckerei ist damit vom Tisch - ein Erfolg für Aktivisten, die das Haus besetzt hatten.

In den vergangenen Monaten hatten Demonstranten die ehemalige Dondorf-Druckerei mehrfach besetzt, um gegen den geplanten Abriss des historischen Gebäudes im Frankfurter Stadtteil Bockenheim zu protestieren. Die Aktivisten forderten, das Gebäude als Kultur- und Bildungszentrum zu nutzen.

Tatsächlich planen Stadt und Land nun genau das: Die Kunsthalle Schirn soll im kommenden Jahr, während sie saniert wird, in das leerstehende Gebäude ziehen. Das Ausstellungshaus muss wegen der Sanierungsarbeiten nach aktueller Planung ab Mai 2025 bis Frühjahr 2027 seinen etablierten Standort am Römerberg verlassen. 

Die Dondorf-Druckerei auf dem Uni-Campus Bockenheim komme als Ausweichquartier in Betracht, teilten die Stadt Frankfurt und das Land Hessen am Freitag mit. Gemeinsam mit der Schirn werde eine "zeitnahe Zwischennutzung" angestrebt - auf drei Stockwerken soll dort Kunst ausgestellt werden.

Die umkämpfte Dondorf-Druckerei gehört dem Land Hessen und wurde zuletzt vom Institut für Kunstpädagogik der Goethe-Uni genutzt.

Abriss ist "vom Tisch"

Eine Machbarkeitsstudie sei bereits erstellt worden. "Derzeit werden die weiteren notwendigen Schritte zur Umsetzung abgestimmt und finalisiert", meldete das Kunstministerium. Ein Abriss der Dondorf-Druckerei sei damit "vom Tisch".

"Gemeinsam haben wir nicht nur den Erhalt des Bauwerks gesichert, sondern auch einen außergewöhnlichen Interimsstandort für die Schirn Kunsthalle Frankfurt geschaffen", sagte Minister Timon Gremmels (SPD) am Freitag. Die Dondorf-Druckerei werde durch die Nutzung der Schirn zu einem "pulsierenden Ort der Kunst".

Sebastian Baden, der Direktor der Schirn, betonte, dass das Druckerei-Gebäude sowie seine Kunstinstitution die "Vermittlung von Kunst und gesellschaftliches, unternehmerisches Engagement" verbinde. "Wir freuen uns, wenn wir darüber hinaus aktiv zu einer nachhaltigen kulturellen Gestaltung des Ortes beitragen können."

Doch bevor die Schirn in der ehemaligen Dondorf-Druckerei ausstellt, soll das Gebäude saniert werden. Rund eineinhalb Millionen Euro sollen in Sanitäranlagen, Elektrik und Fenster fließen.

Max-Planck-Institut verwarf Neubau

Um das 1873 von der jüdischen Unternehmerfamilie Dondorf errichtete Backsteingebäude hatte es zuvor heftigen Streit gegeben. Ursprünglich wollte die Max-Planck-Gesellschaft auf dem Gelände der historischen Dondorf-Druckerei ihr neues Institut für empirische Ästhetik bauen.

Doch nach den Besetzungen zog sich das Institut von den Plänen zurück und sucht seither einen neuen Standort. Kritik an den Abriss- und Neubauplänen hatte es auch vom Bund Deutscher Architekten (BDA) gegeben, der sich für den Erhalt des nicht denkmalgeschützten Industriebaus aussprach.

"Die Dondorf'sche Druckerei sollte als Pilotprojekt des geforderten substanziellen 'Umdenkens im Bausektor' erhalten bleiben, anstatt sie als mahnende Hülle einer überholten Planungskultur zu rekonstruieren", teilte der BDA zur ersten Besetzung durch Aktivisten im Sommer 2023 mit.

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