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"Freibad": Paulina Stulins Graphic Novel zum gleichnamigen Kino-Film von Doris Dörrie

Wenn sich Frauen im Freibad treffen, geht so einiges. Der neue Film "Freibad" von Doris Dörrie handelt nicht umsonst von eben diesem Ort. Eine gleichnamige Graphic Novel gibt es schon jetzt, nämlich von der Darmstädter Comiczeichnerin Paulina Stulin - und das ist kein Zufall.

Im Burkini, im Badeanzug oder direkt oben ohne - für Frauen kann der Gang ins Freibad ganz unterschiedlich aussehen. Und das kann so manch einen Konflikt mit sich bringen. Genau das ist Thema im neuen Film von Regisseurin Doris Dörrie, der am 1. September in den Kinos startet. Die gleiche Szenerie hat aber auch Paulina Stulin in ihrer Graphic Novel "Freibad" behandelt - und zwar auf prominente Anfrage.

Überraschender Anruf von Doris Dörrie

Es war ein Telefongespräch, das die Darmstädter Comiczeichnerin Paulina Stulin vor ungefähr einem Jahr fast umgehauen hatte. Der Anruf kam von Doris Dörrie, der Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Denn Dörrie liest gerne Comics, besonders die autobiografische Graphic Novel "Bei mir zuhause" von Paulina Stulin hatte es ihr angetan.

Dörrie selbst steckte da gerade mitten in den Dreharbeiten zu ihrem neuen Film "Freibad". Und plötzlich war da ein Gedanke: Warum daraus nicht auch einen Comic machen? "Das war eine wirklich bestechende Idee. Ich hatte sie selbst, ich muss mich selber loben", erinnert sich Dörrie.

"Freibad": Graphic Novel von Paulina Stulin

Besagter Anruf überraschte Paulina Stulin: "Ich wäre überhaupt nicht darauf gekommen, den Stoff von jemand anderem zu verwirklichen", denn bisher habe sie eher autobiografische Stoffe bearbeitet. "Aber da die Person, die mich gefragt hat, Doris Dörrie war, habe ich eine Ausnahme gemacht und mich darauf eingelassen."

Aus Dreharbeiten erwachen Comicfiguren

Einige E-Mails, Drehbücher und Verträge später war die Darmstädterin dann am Set und fertigte, während der Dreharbeiten im vergangenen Sommer, Skizzen für ihr Werk an. Zeichnungen vom Freibad, der Pommesbude und natürlich von den Schauspielerinnen: "Ich habe sie porträtiert, damit ich sie dann in den Wintermonaten am Tablet zu Comicfiguren erwecken konnte." Und das hat sie.

Daher ist es kein Wunder, dass eine Comicfigur der Schauspielerin Andrea Sawatzki aus dem Dörrie-Film ähnlich sieht. Oder sich auch bei Paulina Stulin Freibadbesucherinnen über eine Schwimmerin im Burkini echauffieren, weil das die Unterdrückung der Frau verkörpere. Mal zu wenig, mal zu viel Haut: In dem Comic beurteilen sich Frauen gegenseitig nach ihrem Äußeren - was für eine Menge Ärger sorgt.

"Freibad": Graphic Novel von Paulina Stulin

Für die Darmstädter Comic-Autorin war diese Art zu arbeiten neu. Und auch nicht immer leicht: "Die Geschichte von jemand anderem umzusetzen, hat von mir so eine gewisse Selbstlosigkeit erfordert." Trotzdem habe Stulin es geschafft, etwas ganz Eigenes aus ihrer Graphic Novel zu machen, findet Doris Dörrie. In dem 296-seitigen Comic gäbe es auch andere Geschichten, die im Film nicht vorkämen, andere Diskussionen. "Es ist ein bisschen Denkfutter, aber erst mal auch einfach optisches Futter."

Im Film wie im Comic geht es um Regeln, die in einem Frauen-Freibad immer neu ausgehandelt werden müssen. Oben ohne oder Burkini? Darf gegrillt werden oder nicht? Und wer bestimmt überhaupt diese Regeln? Derselbe Stoff in einem anderen Medium umgesetzt - erstaunlicherweise ist das nicht langweilig, sondern eher ein Gewinn, findet Dörrie: "Der Vorteil von dieser Graphic Novel ist natürlich, dass man selbstbestimmt und im eigenen Rhythmus in diese Geschichte eintauchen kann, bei bestimmten Figuren verharren kann."

Freibad Film und Comic

Manche Dinge könne man auch mal überblättern, oder zurückblättern. Den idealen Leseort für die Graphic Novel von Paulina Stulin kennt Doris Dörrie nun schon: "Es passt schön auf jedes Handtuch im Freibad. Ich glaube, man muss nur aufpassen, dass es nicht geklaut wird."

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