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Wie die Weltpolitik Wiesbadens Verkehr lahmlegt

Die G7-Innenminister treffen sich im Rheingau. Morgens werden sie aus Wiesbaden unter Polizeischutz dorthin gefahren. Die damit verbundenen Straßensperrungen sorgen für Wut beim kommunalen Busbetreiber Eswe. Am Freitag gab es wieder Staus.

Über Wiesbaden und die Verkehrsprobleme der hessischen Landeshauptstadt könnte man vermutlich einige Bücher schreiben - nur keine lustigen. Zu frustgeplagt ist jeder, der wochentags versucht, mit dem Auto einigermaßen schnell durch den Berufsverkehr zu fahren.

Der Donnerstag aber hielt nicht nur für Auto-Pendler ein neues Kapitel an Frustration bereit, sondern auch für alle, die mit dem Bus unterwegs waren. In den Straßen reihte sich Auto an Auto, an den Haltestellen Bus an Bus.

Politiker von Wiesbaden in den Rheingau

Grund dafür: Straßensperrungen wegen des Treffens der Innenminister der G7-Staaten im Kloster Eberbach in Eltville (Rheingau-Taunus). Die Politiker übernachten in der Wiesbadener Innenstadt und werden von dort aus zu den Veranstaltungsorten gebracht. Die Delegationen waren laut Polizei am Donnerstag in elf Kolonnen unterwegs, die von Polizisten auf Motorrädern begleitet wurden.

Am Donnerstag trafen sie sich in der ehemaligen Zisterzienserabtei, um unter anderem über den Kampf gegen organisierte Kriminalität, gegen Extremismus und Terrorismus sowie gegen hybride Bedrohungen zu sprechen.

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G7-Innenminister zu Gast in Hessen

hs
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"Ohne jede konkrete Vorwarnung"

"Ohne jede konkrete Vorwarnung von den Behörden an uns zu genauem Zeitpunkt und Umfang wurden heute Morgen Hauptachsen des Straßenverkehrs einfach dichtgemacht", beschwerte sich der kommunale Verkehrsbetrieb Eswe Verkehr in einer Mitteilung.

"In der Folge kam nahezu der komplette Busverkehr zum Erliegen. Busse stauten sich meterlang an Haltestellen und auf Busspuren."

Polizei: "Da ist dann kein Durchkommen"

Die Wiesbadener Polizei räumte "erhebliche Verkehrsbehinderungen" ein und erklärte diese mit "der Verlegung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den jeweiligen Veranstaltungsörtlichkeiten".

Neben Kloster Eberbach treffen sich die G7-Minister auch auf Schloss Vollrads in Oestrich-Winkel. "Und sie müssen in zusammenhängenden Kolonnen dorthin gebracht werden", sagte eine Polizeisprecherin auf hr-Anfrage.

Dafür müssten eben Straßen gesperrt werden, auch Nahverkehrs-Fahrzeuge dürften dann nicht passieren. Zu groß sei die Gefahr, dass die Kolonnen getrennt werden könnten. "Da ist dann kein Durchkommen", sagte die Sprecherin weiter. Und am Donnerstagmorgen sei eben alles zusammengekommen: G7-Kolonnen, Berufsverkehr, Baustellen und Unfälle.

Busunternehmen beklagt mangelnde Einbindung

"Ich war jetzt nun schon in mehreren Millionenstädten in Deutschland mitverantwortlich für den ÖPNV", teilte Jan Görnemann mit, der Geschäftsführer von Eswe Verkehr. Er nennt als Beispiel München, wo jedes Jahr eine große Sicherheitskonferenz mit Staatsoberhäuptern stattfindet.

"Von daher weiß ich, dass es für solche Situationen gute Konzepte gibt, wie ein ÖPNV trotzdem nicht komplett zum Erliegen kommt. Doch dafür müssen uns die Sicherheitsbehörden auch mit einbinden, das gehört zu einem professionellen Vorgehen einfach dazu. Schade, dass das im Vorfeld nicht passiert ist."

Von der Wiesbadener Polizei hieß es hingegen, man habe mit allen Verantwortlichen der Stadt Wiesbaden im Austausch gestanden und versucht, die Auswirkungen auf den Nahverkehr gering zu halten.

Fahrplan "komplett zerschossen"

Durch die Vollsperrung in der Hauptverkehrszeit sei trotzdem der gesamte Fahrplan des Donnerstags "komplett zerschossen" worden, hieß es von Eswe Verkehr weiter, die Folgewirkungen im Busverkehr reichten demzufolge über den ganzen Tag. Busfahrer hatten reihenweise Verspätungen von 70 bis 90 Minuten - und mussten den Frust der Fahrgäste ertragen.

"Ausgerechnet diejenigen, die absolut gar nichts für die Situation können, werden bisweilen verbal auf das Unflätigste beschimpft", berichtete Eswe Verkehr. Dabei machten gerade "an diesen beiden 'besonderen' Tagen" alle Kollegen "einen großartigen Job".

Schon am Mittwoch war es in Folge einer Weltkriegs-Bombenentschärfung im Wiesbadener Stadtteil Biebrich zu großen Verkehrsproblemen gekommen.

Staus auch am Freitag

Auch am Freitag gab es ab 7.30 Uhr wieder Staus und Verkehrsbehinderungen. "Um die Kolonne zusammenzuhalten, müssen wir leider immer wieder temporäre Straßensperrungen einrichten", teilte die Polizei am Freitagmorgen mit. Um 9.15 Uhr twitterte die Polizei, die Sperrungen seien wieder aufgehoben und der Verkehr fließe wieder.

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