Braunes Wasser steht in einer Straße, darin und daneben Mitarbeitende und Autos der Feuerwehr.

In Hessen kommt es immer wieder zu Überschwemmungen nach Starkregen. Damit Rettungskräfte und Betroffene im Ernstfall schneller alarmiert werden, gibt es nun ein digitales Frühwarnsystem. Es wird im Kreis Fulda erprobt und soll hessenweit Schule machen.

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Warnung vor Starkregen: Digitales Alarmsystem vorgestellt

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Die Bilder der verheerenden Hochwasser-Katastrophe im Sommer 2021 im Ahrtal sind noch vielen Menschen im Gedächtnis. Mehr als 130 Menschen starben, rund 500 Gebäude wurden zerstört. Folgenschwere Überschwemmungen mit großen Schäden - aber nicht so heftig wie im Ahrtal - gibt es auch in Hessen immer wieder.

In Hessen kommt deswegen nun ein Starkregen-Frühalarmsystem zum Einsatz. Erprobt wird es in vier Pilot-Kommunen im Kreis Fulda. Installiert ist es bereits in Eichenzell, Ebersburg, Burghaun und Neuhof. Bis Ende kommenden Jahres soll es in weiteren 19 Städten und Gemeinden des Landkreises in Osthessen verfügbar sein.

System wird auf weitere Landkreise Hessens übertragen

Übertragen werden sollen die Erfahrungen mit diesem System und die Technik dann auch auf weitere Landkreise in Hessen und bei Bedarf darüber hinaus ins Bundesgebiet, wie Hessens Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, Kristina Sinemus, am Mittwoch sagte. Die CDU-Politikerin ließ sich am Mittwoch bei einem Besuch in Eichenzell-Kerzell das neue System vorführen.

Das System misst mit Sensoren in Echtzeit Niederschlag, Pegelstände und Abflussverhalten und kombiniert diese Daten mit den Werten des Deutschen Wetterdienstes. Vorgesehen sind dann rund 200 Sensoren in Abwasser-Kanälen, an Brücken, öffentlichen Gebäuden und an Gewässern in den Kommunen. 60 Sensoren sind bereits installiert, 140 folgen noch.

Ministerin Sinemus ließ sich die Technik am Mittwoch auf einer Fußgänger-Brücke über der Fliede präsentieren. Dort ist der mit Radar messende Sensor 2,5 Meter über dem Fluss angebracht. Wenn das Wasser definierte Schwellenwerte übersteigt, wird Alarm ausgelöst.

Kristina Sinemus und Ramona-Margarita Ruppert stehen in der Abendsonne auf einer Fußgängerbrücke, an welcher ein Senor angebracht ist.

Alarm bei Bedarf in Sekundenschnelle

Die von den Sensoren gesendeten Messdaten werden in einen Cloud-Speicher übertragen und analysiert. Im Bedarfsfall löst das System dann in Sekundenschnelle einen Alarm aus. Der soll dann Rettungskräfte, die Verwaltung und die Anwohner erreichen - übermittelt durch Kurznachrichten (SMS), E-Mails oder Sprachanrufe.

Erhalten kann man die Warnungen nach einer kostenlosen Registrierung auch über eine Web-Anwendung (starkregen.de) oder die zugehörige App. Verbunden mit den Warnungen sind - je nach Schwere des Ereignisses - auch konkrete Handlungsempfehlungen. Etwa: Keine Tiefgarage mehr betreten. Oder: Im Haus besser Räume in höher gelegenen Etagen aufsuchen.

Aktuell sei es das einzige System auf dem Markt, das flächig einen kompletten Landkreis bei drohender Gefahr in mehreren Stufen Behörden, Rettungskräfte sowie die Bürgerinnen und Bürger alarmiere, erklärt das Ministerium. Das System wird vom Land im Programm "Starke Heimat Hessen" gefördert und wurde mit 830.000 Euro Fördergeld bedacht.

Projektleiterin Ramona-Margarita Ruppert vom Landkreis Fulda sagte: Mit dem Warn- und Überwachungsystem könne man die Wasserläufe von der Quelle bis zur Mündung im Blick behalten. Das System kann mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auch dazulernen und künftig Vorhersagen treffen zu Starkregen-Ereignissen und den Folgen.

Ziel: Zeitgewinn im Ernstfall für Betroffene und Rettungskräfte

Der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) sieht in dem Pilotprojekt die Möglichkeit, die "Kommunen in ihrer Klimaresilienz zu stärken". Mit dem Starkregen-Alarmsystem würden Anpassungsstrategien und Digitalisierung unter Verwendung neuester Technologien zusammengebracht. Er appellierte, dass sich die Menschen im Landkreis die App aufs Handy laden sollten, um alarmiert werden zu können.

Das Starkregen-Warnsystem sei ein konkretes Beispiel, wie Digitalisierung den Menschen effektiv helfen könne, sagte Ministerin Sinemus: "Das System kann den Katastrophenfall nicht verhindern, aber es verschafft einen wichtigen Zeitvorsprung, um sofort alle Beteiligten zu warnen und damit Menschenleben zu retten."

Besonders wertvoll ist das Frühwarnsystem für die Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen. "Normalerweise werden wir erst alarmiert, wenn es schon zu spät ist. Jetzt haben wir eine längere Reaktionszeit und können besser auf den Ernstfall reagieren. Das System wird großen Nutzen für die Bevölkerung und die Einsatzkräfte haben", befand der Fuldaer Kreisbrandinspektor Adrian Vogler.

Weitere Informationen

Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal

Wie der Wiederaufbau in den von der Flutkatastrophe zerstörten Regionen in Rheinland-Pfalz läuft, kann man in einem Hochwasser-Blog des SWR nachlesen. Mitte Juli 2022 lag die Katastrophe ein Jahr zurück - der SWR gab dazu einen Überblick zum Wiederaufbau und der Aufarbeitung.

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