Foto: Eine Hand hält einen Döner in Alufolie. Auf dem Bild eine kleine, farbige Grafik mit dem Schriftzug "war was?".

In Frankfurt-Bockenheim hat ein Vermieter seinen Mietern das Warmwasser abgedreht. "War was?" weiß: Mit einem ordentlichen Studenten-WG-Finanzplan wäre das nicht nötig gewesen.

Hessen, das Bundesland, in dem immer was los ist. An dieser Stelle wirft unser Kolumnist Stephan Reich mit seiner Glosse "War was?" jeden Freitag einen ganz eigenen Blick auf die Nachricht der Woche. Nehmen Sie diesen Blick bitte auf keinen Fall ernst.

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Vermieter dreht seinen Mietern in Frankfurt das Warmwasser ab

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Mit dem Sparen ist es ja so eine Sache. Vor einigen Jahren stand ich verträumt in meiner Studenten-WG-Küche und betrachtete die auf beeindruckende Größe angewachsene Pfandflaschensammlung. Noch ein paar WG-Partys mehr, dachte ich, und diese leicht (lies: sehr) verlebte WG-Küche würde so viel Pfand beherbergen, dass man auf ewig davon leben könnte. Ein finanzielles Studentenleben-Perpetuum-Mobile quasi, eine Art Sparbuch aus Glas und PET und Dosen, der Pfandautomat eine studentische Bankfiliale. Dachte ich, stieß mir den Zeh an einer Binding-Flasche und war zu faul, sie wieder aufzustellen.

Hätte ich mich damals mit tatsächlichen Geldanlagemöglichkeiten befasst und nicht mit anderen Dingen wie etwa möglichst ausufernden WG-Partys, wäre mir vielleicht aufgegangen, dass eine Pfandflaschenarmada weniger ertragreich ist als andere Sachen. Zum Beispiel Immobilien. Andererseits hätte ich dann vielleicht ein Mietshaus gekauft (lies: hätte ich nicht) und müsste mich als Vermieter aktuell schämen über die Schlagzeile, die einer meiner Dann-Kollegen in dieser Woche fabriziert hat: "Hohe Energiekosten: Vermieter dreht seinen Mietern in Frankfurt das Warmwasser ab."

"Vermieter klaut Kleinkind den Lolli"

Der Mann ist mit allen Kaltwassern gewaschen, möchte man meinen. Den Leuten das warme Wasser abzudrehen, das hat schon starke Montgomery-Burns-Vibes. Noch warte ich auf die Folgeschlagzeilen "Vermieter klaut Kleinkind den Lolli" oder "Vermieter tritt Leuten grundlos vors Schienbein und rennt dann weg", aber lange kann es eigentlich nicht mehr dauern.

Auf die Idee kam der Mann in Frankfurt-Bockenheim übrigens, weil er wegen der gestiegenen Energiepreise in Sorge war, dass sich viele seiner Mieterinnen und Mieter die steigenden Nebenkosten nicht würden leisten können. Weshalb er die Heizungsanlage des Hauses einfach abschaltete und den Leuten riet, sich Elektroheizöfen zu beschaffen und Wasser auf dem Herd zu erhitzen. Blöderweise hatte er die Rechnung ohne das Verwaltungsgericht in Frankfurt gemacht. Das entschied am Freitag: Die Versorgung mit Warmwasser gehört zu den Mindeststandards für menschenwürdiges Wohnen. Übrigens hatte der Mieter selbst den Eilantrag gestellt, um seinen Warmwasser-Entzug zu legitimieren.

Das kann kein Elektroheizofen der Welt

Wer so eine Eiseskälte an den Tag legt, dem kann kein Elektroheizofen der Welt helfen, glaube ich. Und ich frage mich, welche lebens- und praxisnahen Ratschläge der Vermieter seinen Mietern noch mit auf den Weg gab. Setzt Euch doch einfach kurz ins Auto, wenn Euch kalt ist, so ein Porsche hat doch eine Sitzheizung. Verbrennt doch einfach ein paar Wertpapiere, die nicht so viel Dividende abwerfen. Sehr große Diamanten kann man benutzen, um das Sonnenlicht zu brechen und einen wärmenden kleinen Sonnenstrahl zu erzeugen. Oder so.

Habe ich das richtig geschrieben, Dividende? Machen Wertpapiere sowas? Oder Pfand? Na ja. Vielleicht tu ich dem Vermieter auch Unrecht. Die Welt ist komplex, im Osten tobt ein fürchterlicher Krieg, dessen Ausläufer wir in Form steigender Energiekosten spüren. Weswegen der Vermieter meinte, seine Existenz würde bedroht, blieben die Zahlungen aus.

Prophylaktisch die Heizung abzustellen, ist freilich trotzdem schäbig. Sehr hilfreich übrigens auch, was Verbraucherschützer für die aktuelle Situation empfehlen. Nämlich Geld beiseite zu legen. Dafür muss man aber natürlich erstmal welches haben. Einem Ertrinkenden sagt man ja auch nicht, er solle einfach atmen.

Hilfsfonds für Mieter und Vermieter

Elektroheizöfen, kaltes Wasser aus der Dusche, eine Nebenkostenabrechnung von der Höhe des Mount Everest. Das macht einem natürlich schon Sorge. Aktuell liegt der Gaspreis bei über 300 Euro pro Megawattstunde, der Mieterverein fordert deswegen einen Hilfsfonds für Mieter und Vermieter gleichermaßen, die durch die hohen Kosten in Schwierigkeiten geraten. Eine sinnvolle Idee. Zumal ich beispielsweise ja gar nicht mehr so viel Pfand in der Küche habe, seit ich dem Studenten-WG-Lotterleben vor einigen Jahren entwachsen bin. Damals war der WG-Pfandbon am Ende übrigens auch gar nicht so üppig, für die Nebenkosten hätte es niemals gereicht, auch nicht bei normalen Heizkosten. Aber ein neuer Bierkasten war drin. Und das ist ja auch was.