Menschen in einem Wahllokal in Frankfurt zum Bürgerentscheid über die Rennbahn.
Wahllokal für den Bürgerentscheid in Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Der DFB kann seine Fußball-Akademie auf dem Frankfurter Galopprennbahn-Gelände bauen. Die Gegner des 89-Millionen-Projekts lagen beim Bürgerentscheid am Sonntag (21.06.2015) zwar vorne. Aber sie scheiterten klar an einer zweiten Hürde.

Um 19.10 Uhr fehlten noch eine Handvoll Ergebnisse aus den 474 Stimmbezirken Frankfurts. Doch im Römer war ein erleichterter DFB-Mediendirektor Ralf Köttker längst in Jubellaune: "Unserem Projekt steht jetzt nichts mehr im Wege. Frankfurt bleibt Fußball-Hauptstadt." 20 Minuten später war dann mit dem vorläufigen Ergebnis amtlich, was sich vom ersten Zwischenergebnis des Wahlabends an abgezeichnet hatte: Die Initiative gegen die neue DFB-Akademie und zur Rettung der Galopprennbahn zwischen Sachsenhausen und Niederrad hat ihr Ziel verfehlt.

Die Rennbahn-Befürworter bekamen zwar die deutliche Mehrheit der abgegebenen Stimmen. 62.900 votierten dafür, die 89 Millionen Euro teuren DFB-Pläne zu kippen. 40.196 Frankfurter sahen es anders. Aber die Initiative verfehlte bei einer Wahlbeteiligung von lediglich 20,9 Prozent das vorgeschriebene Quorum klar.

Bierhoff: "Ein Ja für den Fußball"

Mindestens 124.389 (25 Prozent) aller 497.556 Wahlberechtigten hätten sich für die Rennbahn entscheiden müssen - und damit dagegen, dass die Stadt dem Deutschen Fußball Bund (DFB) wie geplant 20 Hektar des Rennbahn-Geländes zum Bau seiner neuen Zentrale samt Nachwuchs-Leistungszentrum verpachtet. Aber so viele gingen beim ersten Bürgerentscheid in der Geschichte Frankfurt nicht einmal zur Wahl.

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Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hätte sich nach eigenen Angaben eine höhere Beteiligung gewünscht. Das Ergebnis war ihm aber recht. "Ein Gewinn für Frankfurt, ein Gewinn für den Fußball", lautete sein Kommentar. Die DFB-Spitze sah es ähnlich. "Das NEIN der vielen Frankfurter bei diesem Bürgerentscheid war ein JA für die Zukunft des Fußballs in Deutschland", hieß es in einer Mitteilung von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der das Projekt leitet. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach stellte fest: "Ich gehe davon aus, dass die Rennbahnbefürworter die klare Entscheidung der Bürger respektieren, so wie wir es im umgekehrten Fall auch getan hätten".

Juristisches Nachspiel möglich

Doch Manfred Louven, Präsident des Renn-Klubs Frankfurt, signalisierte, dass er sich trotz allem noch nicht geschlagen gibt. In einem heftigen Wahlkampf hatte der Klub der Kommune vorgeworfen, das Projekt mit Millionen zu subventionieren. "Wir haben eine stolze Abstimmungs-Zahl erreicht. Am Montag wollen wir analysieren und zu weiteren Maßnahmen kommen", sagte Louven nun.

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Droht nach dem mit hohem Aufwand und vielen Plakaten ausgefochtenen politischen Streit jetzt also ein gerichtliches Nachspiel? Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) warnte die Bürgerentscheid-Initiatoren: Nach ihrer "krachenden Niederlage" sollten sie es nicht mit "juristischen Winkelzügen" versuchen. Sportdezernent Markus Frank (CDU) demonstrierte Gelassenheit. "Das Rennen ist zu Ende", sagte er.

Nun können Stadtverwaltung und DFB das bislang größte Projekt in der Geschichte des weltgrößten Fußballverbands weiterverfolgen. Die Stadt wird das Gelände ab 2016 für die Dauer von 99 Jahren und zum Preis von sieben Millionen Euro an den DFB verpachten. Der will dort 89 Millionen Euro in seiner neue Zentrale und eine Akademie investieren, in der junge Profitalente gefördert werden.

Unmittelbar vor dem Wahltag hatte sich Bundestrainer Joachim Löw öffentlich für das Projekt stark gemacht. Baubeginn soll 2017, Eröffnung bis Ende 2018 sein.