Kultusministerium Hessische Schüler dürfen in Abschlussprüfungen keine Genderzeichen mehr verwenden

Das Kultusministerium verbietet Genderzeichen in Abschlussprüfungen. Schüler, die sie verwenden, müssen mit einer schlechteren Benotung rechnen. GEW und Grüne kritisieren die Entscheidung scharf.

Gendern: Eintrag im Duden
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Abiturienten, Real- und Hauptschüler in Hessen dürfen in den Abschlussprüfungen keine Genderzeichen mehr wie Doppelpunkt, Sternchen oder Unterstrich benutzen. Sie würden als Fehler gelten und könnten zu einer schlechteren Benotung führen, teilte das Kultusministerium am Donnerstag dem hr mit. Die Frankfurter Rundschau berichtete zuvor.

Der Grund sei das Auslaufen einer Corona-Ausnahmeregelung, die in den vergangenen zwei Jahren das Verwenden von Genderzeichen in Prüfungen gestattete, "weil in der belastenden Corona-Zeit mit zeitweisen Schulausfällen nicht alle Schülerinnen und Schüler wissen konnten, wie die Positionierung des Rats für deutsche Rechtschreibung aussah", so ein Sprecher des Kultusministeriums. Jetzt solle aber wieder das Regelwerk des Rates angewendet werden.

Grüne und GEW kritisieren Entscheidung

Scharfe Kritik gibt es dazu unter anderem von den Grünen in Hessen. Sie sehen darin eine Verunsicherung der Schülerinnen und Schüler in einer bereits schwierigen Prüfungsphase. "Man kann nicht kurz vor den Prüfungen die Regeln ändern. Das ist reine Ideologie und Kulturkampf auf dem Rücken der Abiturient*innen im Prüfungsstress", sagte Julia Herz, schulpolitische Sprecherin ihrer Partei im Landtag.

Hessen gehe beim Genderverbot für Schüler sogar weiter als Bayern, führt Herz fort. "Dort entstehen den Schüler*innen weder durch das Gendern noch durch das Nicht-Gendern Nachteile. Dass die Koalition aus Markus Söder und Hubert Aiwanger umsichtiger handelt als die Koalition von Boris Rhein und Kaweh Mansoori, ist unfassbar."

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußerte Bedenken gegenüber der Regelung. "Wir stehen kurz vor dem Abitur. Es ist jetzt ganz schwierig für Lehrer und Schüler Rechtssicherheit für die wichtige Prüfung herzustellen. Dabei gibt es nicht mal Eile, jetzt Maßnahmen für das Abitur zu ergreifen", sagte der Vorsitzende der GEW Hessen, Thilo Hartmann, dem hr.

Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) hingegen betont: "Die deutsche Sprache ist so vielfältig, so reichhaltig, und es gibt so viele Möglichkeiten, inklusiv zu sprechen, ohne dass man auf Sonderzeichen zurückgreifen muss." Sonderzeichen seien gerade für Menschen mit einer Lern-, Seh- oder Hörbeeinträchtigung ein großes Hemmnis. Die Landesregierung sei gewillt, inklusiv zu sprechen und zu wirken - ohne Sonderzeichen.

Koalition übt Vorsicht nach scharfer Kritik

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatten CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, den Verzicht aufs Gendern mit Sonderzeichen an staatlichen und öffentlich-rechtlichen Einrichtungen wie Schulen, Unis und dem Rundfunk festzuschreiben. Nach heftiger Kritik von Opposition, Wissenschaft und Öffentlichkeit ruderte die Koalition jedoch zurück.

Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) erklärte im Februar vor dem Landtag, dass er keinen "Kulturkampf" bezüglich des Genderns führen wolle, sondern sicherstellen wolle, dass Studierende nicht aufgrund ihres Nicht-Genderns schlechter benotet würden.

Gremmels betonte Anfang Februar im Landtag auf Nachfrage der Opposition, dass die Regierung kein mit Sanktionen belegtes Verbot plane, sondern lediglich eine "Klarstellung" vornehmen wolle, um Rechtssicherheit in Bezug auf das Gendern zu schaffen.

Landesregierung in anderen Bereichen nicht so weit

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Das Kultusministerium ist mit dem Verbot nun vorgeprescht. In anderen Bereichen ist die Landesregierung noch nicht so weit. Regierungssprecher Tobias Rösmann erklärte: "Die hessische Landesregierung arbeitet derzeit an einer rechtssicheren Regelung zum Gendern." Das hessische Wissenschaftsministerium erläutert für seinen Bereich: "Ein genauer Zeitplan zur Umsetzung zum Umgang mit Gender-Sonderzeichen steht noch nicht fest."

Die Debatte über inklusive Sprache und das Gendern wird auch in anderen Bundesländern geführt. In Bayern ist man nun schon einen Schritt weiter als in Hessen. Das Kabinett hat am Dienstag beschlossen, dass an Schulen, Unis und Behörden Schreibweisen mit Doppelpunkt oder Genderstern verboten sind.

Beamte müssen bei wiederholten Verstößen auch mit Ansprache und Konsequenzen rechnen. An Schulen sind Lehrkräfte aber nicht verpflichtet, das Gendern von Texten mittels Sonderzeichen als Fehler zu werten. Es soll lediglich als "nicht korrekt" angestrichen werden.

Das SPD-geführte Wissenschaftsministerium teilte mit: "Den bayerischen Kabinettsbeschluss kommentieren wir nicht und nehmen ihn auch nicht zum Vorbild für Hessen."

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Redaktion: Emal Atif

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 22.03.2024, 19.30 Uhr

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Quelle: hessenschau.de