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Grüne erhoffen sich von OB-Kandidatin Rottmann Vernetzung

Sie soll nach dem Willen einer Findungskommission zur ersten grünen Frankfurter Oberbürgermeisterin werden: Dafür will Manuela Rottmann den Bundestag verlassen. An der Basis sorgt die Empfehlung der 50-Jährigen aber auch für Unmut.

Die OB-Wahl in Frankfurt sei eine Richtungswahl zwischen Mike Josef (SPD) und Uwe Becker (CDU), schrieb der SPD-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende Kaweh Mansoori am Dienstag auf Twitter. Und weiter: "Für die Frankfurter Grünen tritt eine Abgeordnete aus Unterfranken an."

Mit diesem Seitenhieb scheint Mansoori auch Teilen der Basis der Frankfurter Grünen aus dem Herzen zu sprechen: Die Entscheidung der Findungskommission, die Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann für die Oberbürgermeister-Wahl am 5. März zu empfehlen, sorgte vielerorts mindestens für Verwunderung. Schließlich war die 50 Jahre alte Würzburgerin zuletzt vor zehn Jahren als Umweltdezernentin im Römer tätig.

Seit 2017 sitzt Rottmann für die bayrischen Grünen im Bundestag, seit 2021 ist sie zudem Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Eskandari-Grünberg will nicht kandidieren

Der grüne Stadtverordnete Uwe Paulsen etwa sagte der Frankfurter Rundschau am Dienstag, er halte die Empfehlung für "sehr unglücklich" und einen "Affront" gegen die zuvor gehandelten Kandidatinnen, Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg und die Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner. Gegenüber hessenschau.de wollte sich Paulsen am Mittwoch nicht noch einmal äußern.

Eskandari-Grünberg sagte dem hr, sie sei mit ihrer Rolle als Bürgermeisterin zufrieden und strebe keine Gegenkandidatur zu Rottmann an. Auch Arslaner betonte, sie habe immer versichert, sich dem Votum der Findungskommission anschließen zu wollen. Wie die Parteibasis sich bei der für Samstag vorgesehenen Abstimmung verhalten werde, wisse sie aber nicht. "Wie ich höre, sind viele davon ausgegangen, dass zwei Kandidatinnen zur Auswahl gestellt werden."

Findungskommission: Entscheidung war einstimmig

Die siebenköpfige Findungskommission hatte laut Ortsvorsteherin Karin Guder, die Teil der Gruppe war, explizit den Auftrag, eine Kandidatin oder einen Kandidaten vorzuschlagen. Die Entscheidung für Rottmann sei einstimmig gefallen und habe keine Kontroverse ausgelöst.

Das unterstrich auch die Frankfurter Grünen-Chefin Julia Frank. Bei der offiziellen Vorstellung Rottmanns als OB-Kandidatin sagte sie, die Entscheidung der Findungskommission sei nicht knapp ausgefallen und lediglich ein Vorschlag, über den die Parteibasis abstimme. Auch andere Kandidatinnen und Kandidaten könnten sich am Samstag bei der Kreismitgliederversammlung in Griesheim zur Abstimmung stellen.

Rottmann will Klimaneutralität bis 2035

Rottmann warb am Mittwoch auf einer Pressekonferenz deshalb nicht nur um die Stimmen der Wählerinnen und Wähler, sondern auch um die Unterstützung ihrer eigenen Partei. Durch ihre vorherigen Erfahrungen unter anderem im Frankfurter Magistrat und der Bundesregierung sehe sie sich gut gewappnet für das Amt der Oberbürgermeisterin, sagte die 50-Jährige.

Davon scheint sie zumindest die Frankfurter Grünen-Chefin überzeugt zu haben. "Meine Wunsch-Oberbürgermeisterin vernetzt Frankfurt auch wieder mehr mit Deutschland", sagte Frank. Das gelte nicht nur für den Städtetag, sondern auch die über die Jahre geknüpften Kontakte Rottmanns auf Landes- und Bundesebene.

Als ihre wichtigste Aufgabe nannte Rottmann aber etwas anderes: Sie wolle Frankfurt bis 2035 klimaneutral machen. Dazu brauche es "eine ambitionierte Sozial- und Wirtschaftspolitik und eine ambitionierte Umwelt- und Klimaschutzpolitik". Unter anderem der Gebäudebestand müsse zügig energetisch saniert werden. "Da die Stadt mitzunehmen und in den Mittelpunkt zu stellen, das ist mein wichtigstes Projekt", so Rottmann.

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