Keine Energie, kein Feuer, kein Europacup-Spirit bei der Eintracht

Eintracht Frankfurt scheidet mit einer blutleeren Leistung gegen Union St. Gilloise aus der Conference League aus. Es ist der zweite Wettbewerb, den die Eintracht abschenkt. Den Hessen droht die Saison vollends zu entgleiten.

Torschütze Junior Dina Ebimbe am Boden.
Torschütze Junior Dina Ebimbe am Boden. Bild © Imago Images
  • Link kopiert!
Audiobeitrag
Bild © Imago Images| zur Audio-Einzelseite
Ende des Audiobeitrags

Die Stimmungslagen in den Katakomben des Waldstadions hätten nicht gegensätzlicher sein können. Hier lauter Jubel und Geschrei, wann immer die Kabinentür von Union St. Gilloise aufging. Wenige Meter weiter versteinerte Mienen bei den Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt, deren Interviews nach dem Ausscheiden aus der Conference League vom Lärm der feiernden Belgier fast geschluckt wurden.

"Das war das schlechteste Spiel, das wir bisher gespielt haben", sagte ein angefressener Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche. "Damit sind alle Träume kaputt", sagte wenig später Timothy Chandler. Und schließlich, als man die Belgier schon nicht mehr feiern hörte, saß Trainer Dino Toppmöller sichtlich angefasst auf der Pressekonferenz und sagte: "Für eine Analyse fühle ich mich gerade gar nicht zu hundert Prozent bereit."

"Überhaupt nicht Europapokal-like"

In der Tat ist die Leistung der Eintracht an diesem Europapokal-Abend schwer zu erklären. Der Europa-League-Sieger von 2022 präsentierte sich schwach, emotionslos, fast ängstlich. Von den einst rauschenden Europapokal-Nächten, in denen das ganze Stadion elektrisiert schien, in denen die Spieler ihr Herz auf dem Platz ließen, um die nächste Runde zu erreichen, war nichts, aber absolut nichts mehr zu sehen. "Wir haben es auf dem Platz überhaupt nicht Europapokal-like gemacht. So wie in der ersten Halbzeit können wir nicht Fußball spielen, schon gar nicht international", sagte Krösche richtigerweise.

Und so mischte sich in der Mixed Zone schnell eine ordentliche Portion Ratlosigkeit unter den Frust. Der Kader verfügt über genügend Qualität, um auch den belgischen Tabellenführer zu schlagen, vom 1. FC Köln, dem VfL Bochum und von Saarbrücken, etc. ganz zu schweigen. Dafür müsste man aber ganz anders auftreten, selbstbewusst, dominant, mutig. Davon scheint die Eintracht meilenweit entfernt. Aber warum eigentlich? "Es ist schwierig, das rational zu erklären", sagte Kevin Trapp. "Wir sind sehr träge ins Spiel gekommen. Das Feuer hat gefehlt. Wir müssen unsere Energie wieder finden", sagte Chandler.

"Ich hätte erwartet, dass sie offensiver spielen"

Keine Energie, kein Feuer – und das in einem Europacup-Spiel, in Frankfurt traditionell ein Festtag, eigentlich undenkbar. Mehr noch: Die Eintracht trat gegen Union derart harmlos auf, dass selbst der gegnerische Trainer Alexander Blessin richtiggehend irritiert wirkte. "Nach zehn Minuten habe ich gewusst: Hier ist was zu holen", sagte Blessin nach der Partie. "Ich hätte erwartet, dass sie ein bisschen offensiver spielen. Für eine Heimmannschaft kann man fragen, war es der richtige Ansatz oder nicht? Das ist aber nicht meine Aufgabe, das zu kommentieren."

Was er damit allerdings schon tat. Und nicht zu Unrecht. Denn neben Blessin hätten rund 57.000 andere Menschen im Stadion erwartet, dass die Eintracht ein bisschen offensiver auftritt, den Gegner aggressiver anläuft, den Ball erobern will, die Tiefe sucht, einen frühen Treffer erzielen will. Fehlanzeige. "Die Abstände waren zu groß. Vereinzelt sind wir vorne angelaufen, haben dann aber nicht nachgeschoben. Dann ist man gefühlt immer einen Schritt zu spät", analysierte Toppmöller dann doch noch.

"Das Hauptmanko ist das Spiel mit dem Ball"

Und so gleicht Eintracht Frankfurt im Frühjahr 2024 einer ziemlichen Großbaustelle. Es fehlt an Basics wie Zweikampfführung und Leidenschaft, es fehlt an Intensität und Synchronizität gegen den Ball, es fehlt aber auch an spielerischer Finesse, an Ideen, an Kreativität. Niemand versucht, niemand traut sich, niemand überrascht. Spiele von Eintracht Frankfurt sind aktuell vieles, aber sicher nicht "Heavy Metal", wie Krösche unlängst forderte.

"Ich glaube, dass das Hauptmanko zuletzt das Spiel mit dem Ball ist. Aus dem eigenen Ballbesitz haben wir nicht genug gefährliche Situationen kreiert", so Toppmöller. Und weil sich das seit Wochen schon so darstellt, droht Eintracht Frankfurt eine aussichtsreiche Saison vor die Wand zu fahren. Gemessen am Kader hätte es im DFB-Pokal und auch in der Conference League weit gehen können, beide Wettbewerbe wurden quasi ohne Gegenwehr abgeschenkt.

"Wir müssen schon allein aufgrund des Supports am Sonntag eine Reaktion zeigen", sagte Toppmöller, der in der Mixed Zone von Krösche demonstrativ den Rücken gestärkt bekam. "Wir wollen uns über die Bundesliga Europapokal-Nächte in der kommenden Saison besorgen." In der aktuellen Verfassung klingt das wie ein frommer Wunsch.

Quelle: hessenschau.de