Krösche geht mit Toppmöller-Verbleib ins Risiko

Dino Toppmöller darf eine zweite Saison als Eintracht-Trainer beginnen. Will er sie auch bei den Frankfurtern beenden, muss er sein eigenes Tun an einigen Stellen verändern - und das innerhalb kurzer Zeit. Ein Kommentar.

Wie weiter mit Dino Toppmöller?
Dino Toppmöller erhält eine zweite Chance. Bild © Imago Images
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Die Nachricht des Tages war gut verpackt, auf den ersten Blick sogar etwas versteckt in einem auf der Homepage von Eintracht Frankfurt veröffentlichten Interview: Darin sagte es Sportvorstand Markus Krösche zwar nicht frei heraus, aber doch verständlich: Dino Toppmöller, der zuvor wackelnde Trainer, darf bleiben und eine zweite Saison als Chef der Frankfurter Fußballer angehen.

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Portrait von Daniel Schmitt. Daneben steht "Meinung".
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Daniel Schmitt
hr-Sportredakteur

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Es ist eine mutige Entscheidung des Managers. Eine, die vor allem im Umfeld des Clubs, aber auch teils im inneren Zirkel, nicht nur Fürsprecher hat. Im Gegenteil. Doch Krösche ließ sich nicht treiben in den vergangenen Tagen, wie übrigens in den Wochen und Monaten zuvor ebenfalls nicht. Er bildete sich mit zeitlichem und räumlichem Abstand seine Meinung, wog Für und Wider penibel ab, ehe der Entschluss zur zweiten Chance für Toppmöller reifte. Es macht dies, stets nach der eigenen Überzeugung und entgegen anderer Einschätzungen zu handeln, einen starken Manager aus. Das ist Krösche, keine Frage.

Toppmöllers Position der Schwäche

Ob er tatsächlich auch die richtige Wahl getroffen hat, kann zu diesem Zeitpunkt dagegen niemand sagen. Klar ist nur: Toppmöller wird es nicht leichter haben als bisher. Selbstkritik hin, Veränderungswillen her - er wird in die kommende Spielzeit erstmal aus einer Position der Schwäche heraus starten. Passen zu Saisonbeginn die Ergebnisse (und Leistungen) nicht, wird das Gerede um eine mögliche Ablösung des 43-Jährigen rasch von vorne beginnen. Eine optimale Ausgangslage sieht sicher anders aus. Mehr denn je ist die Personalie Toppmöller nun auch mit Krösche verbunden.

Doch warum entschied sich Krösche trotzdem für die Weiterbeschäftigung seines wichtigsten Angestellten? Zum einen, weil er ganz grundsätzlich von den Fachkenntnissen Toppmöllers überzeugt ist. Das brachte jenem den Job vor einem Jahr ein, das hält ihn auch jetzt auf dem Posten. Ein angenehmer Mensch ist Toppmöller ebenfalls.

Den Prozess nicht abwürgen

Zum anderen sprach der Sportchef in der abgelaufenen Spielzeit selbst mantra-artig von einem Prozess, in dem die junge Mannschaft stecke. Diesen wollte er nicht abwürgen, sah eine Gefahr darin, mit einem neuen Coach bei Null beginnen zu müssen. Andere Impulse, andere Ideen hätten das ohnehin wacklige Team-Gebilde mehr zurückwerfen denn voranbringen können.

Stattdessen wird die Hoffnung gehegt, mit Geduld und einer umbruchfreien Sommer-Transferphase (sowie einzelnen Verstärkungen durch erfahrene Spieler) kurzfristig zu Stabilität und Konstanz zu finden, um mittel- und langfristig ähnliche Leistungssprünge wie etwa beim VfB Stuttgart bewirken zu können. Talent vereint die Mannschaft, es muss nur dauerhaft freigelegt werden.

Erfahrener Co-Trainer soll Toppmöller helfen

Nicht umsonst nennt das Wort für Wort genaustens bedachte Interview auch die positiven Aspekte der Toppmöller'schen Trainertätigkeit: das Einbauen von U21-Talenten etwa, das Voranbringen von jungen Stammspielern wie Hugo Larsson oder Willian Pacho, und vor allem das erreichte Saisonziel mit Platz sechs. Letzteres wurde gar zweimal hevorgehoben, was doch ein wenig erstaunt, schließlich war ob des Endresultats ja nie die Kritik am Coach aufgekommen.

Dino Toppmöller steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er wird sich selbst verändern müssen, er wird die Mannschaft verändern müssen, er wird die fußballerischen Auftritte verändern müssen - und das in recht kurzer Zeit. Ein erfahrener Co-Trainer, den Krösche ihm zur Seite stellen wird, soll dabei helfen. Ob dieser vergleichsweise kleine Impuls von außen genügt, um den Turnaround zu packen, bleibt schlicht abzuwarten. Markus Krösche immerhin ist davon überzeugt - und wählt deshalb das Risiko.

Quelle: hessenschau.de