Ausschreitungen im Stade Veledrome von Marseille

Die Euro-Party ist vorbei. Nachdem Eintracht Frankfurt und ihr Anhang gefühlt durch die vergangene Europa-League-Saison tanzten, zeigt ein Teil der Fans in Marseille nun seine hässliche Fratze. Der Ruf des ganzen Vereins steht auf dem Spiel. Ein Kommentar.

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Eintracht-Fan Christina aus Friedrichsdorf im Interview

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Der Spaß ist vorbei. Ein ganzes Jahr lang zelebrierten die Fans von Eintracht Frankfurt den Europapokal. Gigantische Choreografien, 30.000 Fans beim Spiel in Barcelona und eine Stimmung, um die die Eintracht ganz Europa beneidete. Und Pyrotechnik. Als Teil der Choreografie, aber nicht als Waffe. Doch diese Party ist Geschichte. Das Bild der Eintracht hat trotz des sportlichen Erfolges in Marseille maximal gelitten.

Klar. Die Fans von Olympique Marseille haben beim Champions-League-Spiel am Dienstag wesentlich mehr Böller, Pyro-Fackeln und Raketen in Richtung des Eintracht-Blocks im Stade Velodrome geworfen und geschossen, es flogen sogar Golfbälle, Schrauben und Muttern. Der Hass und die Gewalt gegen die Anhängerinnen und Anhänger aus Hessen war immens. Dabei wurden dutzende Eintracht-Fans verletzt, ein Mann sogar schwer. Das ist schlimm.

Doch die Ausschreitungen eines Teils der Eintracht-Fans war vor allem Aktion, nicht Reaktion. Besonders während der Anfangsphase im Stadion flogen sehr viele Raketen und Pyro-Fackeln aus dem Eintracht-Block Richtung OM-Fankurve. Das war so gewollt. Das war ein Unding. Ein Unding, welches den Anhängerinnen und Anhängern vielleicht die ganze Champions-League-Saison verderben wird. Darüber diskutieren die Fans erregt in den sozialen Netzwerken. Genauso wie über den Eintracht-Fan, der im Stadion von Marseille den Hitlergruß gezeigt hatte.

Ein Hitlergruß ist ein Hitlergruß

Menschen, die zur Eintracht gehen, können sich nicht daran erinnern, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Fan einmal einen Hitlergruß im Stadion gezeigt hat. Das ist ein hohes Gut und spricht sehr für den Verein und die Selbstreinigungskräfte der Kurve. Doch diesmal hat jemand diesen Menschen in der Eintracht-Trainings-Jacke in Marseille mit ins Stadion genommen. Und er hat zweifelsohne im Stade Velodrome den Hitlergruß gezeigt, die eindeutigste nationalsozialistische Geste, die es gibt.

Gut, dass der Verein das äußerst schnell nach dem Spiel verurteilt hat. Wobei relativ schleierhaft ist, was da jetzt noch groß untersucht werden muss. Der Täter hat sich zwar zeitnah bei den Fanbeauftragten der Eintracht gemeldet, wies die Vorwürfe nachdrücklich zurück, was aber einigermaßen abenteuerlich ist. Ein Hitlergruß bleibt ein Hitlergruß. Die Bilder, die tausendfach in den sozialen Medien geteilt wurden und der Eintracht tausendfach schaden, lassen da keinen Interpretations-Spielraum. Ein Fan, der einen Hitlergruß im Stadion zeigt, hat bei der Eintracht nichts mehr zu suchen. Da muss der Verein knallhart sein.

Pyro-Werfer machen den übrigen Fans die Champions-League-Saison kaputt

Die Eintracht-Fans, die sich überlegt hatten, dem zu erwarteten Pyro-Wahnsinn der OM-Fans vor Ort militant etwas entgegensetzen zu wollen und dutzende Raketen und Pyro-Fackeln mit ins Stadion nahmen und diese auch Richtung Marseille-Fans warfen, sind genauso schlimm wie die Anhänger aus Frankreich. Vor allem werden sie der übergroßen Anzahl der friedlichen Eintracht-Fans die Champions-League-Saison kaputtmachen. Die Strafe des europäischen Fußballverbandes UEFA gegen die vorbelastete Eintracht wird hart sein.

Für das Heimspiel gegen Tottenham, die beiden Auswärtsspiele in London und Lissabon und natürlich das Heimspiel gegen Marseille besteht die große Gefahr, dass Eintracht-Fans nicht ins Stadion dürfen. Für ein oder eben mehrere Spiele. Der Traum aller Fans, die Champions League, könnte so schneller ausgeträumt sein als man gucken kann. Die Fans als Ganzes sollten jedoch - anstatt wie das Kaninchen vor der Schlange auf die Strafe der UEFA zu warten - jetzt aktiv werden. Thema Selbstreinigung. So kann es nicht weitergehen.

Doch eine Selbstreinigung wird nach den schlimmen Vorfällen von Marseille nicht ausreichen. Der Verein muss alles in seiner Macht stehende tun, um die Pyro-Werfer auf Frankfurter Seite ausfindig zu machen und diese zu bestrafen. Außerdem muss jetzt alles auf den Tisch. Die Praxis, es den Fans bei Auswärtsfahrten weitgehend selbst zu überlassen, wer dabei ist, hat in Marseille nicht funktioniert. Eines muss bei der Aufarbeitung der Vorfälle über allem stehen: So etwas wie in Marseille darf es nie wieder geben. Auch wenn das unpopuläre Entscheidungen miteinschließt.