Frust bei Robin Koch von Eintracht Frankfurt

Nach dem unerklärlichen Auftritt in Köln ist bei Eintracht Frankfurt jegliche Euphorie verflogen. Die Spielidee und die eigenen Ansprüche bleiben rätselhaft, das kommende Heimspiel gegen Bochum wird zum Stimmungstest.

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Eintracht Frankfurt – Wo bleibt Toppmöllers Handschrift?

Eintracht Frankfurt-Trainer Toppmüller mit Gewitterwolke rechts oben, links Eintracht Frankfurt-Logo. Text: Heimspiel - Toppmüller unter Druck?
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Dass es im Fußball manchmal sehr schnell geht, liegt in der Natur des Geschäfts. Dass es bei Eintracht Frankfurt hin und wieder sogar noch schneller geht, ist wohl irgendwo tief in der Club-DNA verankert. Am vergangenen Donnerstag und nach dem Transfer von Hugo Ekitiké waren die Hessen das heißeste Team der Liga, zwei Tage später und nach der 0:2-Niederlage beim 1. FC Köln ist aus dem kommenden Riesen ein taumelnder Zwerg geworden. Die Diva, Sie wissen schon.

Nun liegt die Wahrheit, wie so oft, irgendwo in der Mitte und im Bereich zwischen Welt- und Kreisklasse. Die Eintracht-Welt ist derzeit aber definitiv nicht so glitzernd wie sie zuletzt schien. Die Ergebnisse gegen Gladbach, Leipzig und Mainz stimmten zwar, letztlich übertünchten sie aber die doch sehr schwachen Leistungen in den vergangenen Wochen. "Wir sind noch kein Spitzenteam", betonte Trainer Dino Toppmöller am Samstagabend völlig richtig. Das Problem dabei: Will die Eintracht nicht genau das sein?

Was will die Eintracht?

Wie in vielen Bereichen des Lebens würde aktuell eine offene und ehrliche Kommunikation viele Dinge vereinfachen. Es beginnt bei den Saisonzielen, die im Sommer sehr groß waren, im Winter sehr klein und jetzt sehr geheim sind. Und geht weiter bei der Spielweise, die offiziell aufregend und offensiv sein soll, die in Wahrheit aber so spannend ist wie das Werbevideo einer örtlichen Kreissparkasse. "Wir wollen positive Troublemaker sein", hatte Toppmöller bei seiner ersten Pressekonferenz angekündigt. An der Umsetzung hapert es aber gewaltig.

Damit es nicht falsch verstanden wird: Toppmöller hat seinem Team in wenigen Monaten taktische Kniffe beigebracht, die man so in Frankfurt noch nicht gesehen hat. Die Systeme wechseln im Spiel ohne größere Probleme hin und her, die Variabilität ist groß, die Handschrift von Toppmöller klar erkennbar. Was fehlt, ist die für die Eintracht in den vergangenen Jahren typische Wucht und vor allem Emotionen. Toppmöller bevorzugt einen anderen Ansatz als Oliver Glasner und einen ganz anderen als Adi Hütter, das ist sein gutes Recht und womöglich sogar eine Weiterentwicklung. Und von der Eintracht und Sportvorstand Markus Krösche genauso gewollt. Da Toppmöller es aber anders angekündigt hat, wächst nun die Unruhe.

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Toppmöller muss seinem Team helfen

Dass vor allem das Offensivspiel nach wie vor sehr hölzern und ideenlos wirkt und sich die Eintracht gegen tiefstehende Gegner weiter unglaublich schwertut, muss sich Toppmöller ankreiden lassen. Die Duelle mit Borussia Dortmund (3:3) und Bayern München (5:1) haben gezeigt, welches Potenzial in diesem Team steckt. Da der Kader seitdem qualitativ noch einmal deutlich besser geworden ist, sollte das aber auch irgendwann und dauerhaft auf dem Rasen zu erkennen sein. "Das war ein sehr gutes Transferfenster, aber Transfergeschäfte schießen keine Tore", hatte Vorstandssprecher Axel Hellmann auf der Mitgliederversammlung richtig zusammengefasst und damit ebenfalls den Druck erhöht.

Toppmöller muss es nun schaffen, die hochtalentierten Einzelspieler zu einer Mannschaft zu formen und ihr vor allem Struktur geben. Ein Profifußballer sollte zwar damit klarkommen, hin und wieder auf einer anderen Position aufzutauchen und auch komplexere taktische Anweisungen des Trainers verstehen, hin und wieder wirkte die Eintracht in den vergangenen Wochen aber überfrachtet. Die offensive Position von Hugo Larsson gegen Köln, die Toppmöller im Nachgang des Köln-Spiels plausibel erklärte, ist ein Paradebeispiel. Der 19 Jahre alte Schwede fühlte sich sichtlich unwohl und kam überhaupt nicht ins Spiel. Weniger ist manchmal mehr.

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Bochum wird zum Gradmesser

Besonders spannend wird zudem sein, wie sich das Binnenklima der Eintracht in den kommenden Wochen entwickelt. Renommierte Spieler, von denen es inzwischen eine ganze Reihe bei den Hessen gibt, haben auch ambitionierte Vorstellungen. Dass Neuzugang Donny van de Beek nach seiner Nichtberücksichtigung für den Conference-League-Kader schon jetzt angezählt ist, zeigt wie nah Anspruch und Enttäuschung beieinander liegen. Die Eintracht braucht eine Achse, die die Mannschaft zusammenhält. Die ist aktuell aber nur schwer erkennbar.

Umso wichtiger wird da das Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfL Bochum. Die Eintracht trifft erneut auf ein Team aus dem unteren Tabellendrittel und geht erneut als klarer Favorit in die Partie. Sollte auch dieses Duell in Frustration enden, wird das schon latent hörbare Knistern im Umfeld immer lauter. Die Eintracht und Toppmöller sind unter Druck.

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