Fans verlassen die Kurve von Eintracht Frankfurt

Die Schilderungen und Meinungen über die Ausschreitungen vor dem Spiel von Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart gehen weiter auseinander. Der Ablauf wird langsam klarer, es gibt aber offene Fragen. Ein Überblick.

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Nach Krawallen vor Eintracht-Spiel – Polizei rechtfertigt Einsatz

Stefan Müller vom Polizeipräsidium Frankfurt
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Vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart ist es am Samstagabend zu heftigen Ausschreitungen zwischen Eintracht-Fans und der Polizei gekommen. Es gab zahlreiche Verletzte auf beiden Seiten. Doch was ist genau passiert? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was war der Auslöser?

Nach anfänglich Verwirrungen und einer Falschmeldung der Polizei ist der Auslöser der Ausschreitungen inzwischen klar. Ein in Zivil gekleideter Ordner wurde bei Einlasskontrollen vor dem Ultra-Block 40 von mehreren Fans attackiert. Der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes hatte zuvor einen Eintracht-Anhänger, der kein gültiges Ticket hatte, am Arm festgehalten und ihm den Zutritt verweigert. Daraufhin kam es zu den ersten wilden Auseinandersetzungen. Die Fans verbündeten sich, der Ordner rief erst seine Kollegen, diese dann die Polizei zu Hilfe. Das war, wie die Polizei am Montag rekonstruierte, um 17.50 Uhr, also 40 Minuten vor Anpfiff.

Ein Zusammenstoß rivalisierender Fangruppen war nicht der Grund, Fans des VfB Stuttgart waren ausdrücklich nicht beteiligt. Genau das hatte die Polizei bei X zunächst behauptet und erst in einer Mitteilung am Sonntagabend revidiert.

Wie reagierte die Polizei?

Die Polizei, so stellten es Polizeipräsident Stefan Müller, der Leiter der Sonderkommission, Christoph Döring, und später auch die Eintracht am Montag dar, eilte zunächst mit 15 unbehelmten Beamten zur Hilfe. Da auch diese beim Eintreffen vor Block 40 umgehend von mehreren Seiten körperlich angegriffen wurden, eskalierte die Situation ab diesem Moment komplett. Die Polizei marschierte mit Einsatzkräften in Kampfmontur auf, die vorher zum Teil noch bei Demonstrationen in der Innenstadt im Einsatz gewesen waren.

Ihr Ziel, so sagte es Müller: Die Fans und die angegriffenen Ordner trennen und diese hinter eine im Stadionumlauf installierte Absperrung führen. Zur Durchsetzung setzten sie laut eigenen Angaben "körperliche Gewalt, Pfefferspray und Schlagstöcke" ein.

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Wie reagierten die Anhänger?

Die Gruppe der Anhänger, die sich der Polizei entgegenstellte und diese angriff, wuchs innerhalb kürzester Zeit immens an. Im Stadioninneren war zu beobachten, wie sich die Fankurve leerte. Vor dem Block kam es laut Angaben der Polizei dann zu einem "Gewalt-Exzess" mit "300 bis 400 teils vermummten Anhängern". Es flogen Eisenstangen, Türen von Dixi-Klos und eine mobile Grillstation. Handtuchspender und Trockengebläse wurden von den Wänden der Toiletten gerissen und als Wurfgeschosse genutzt, Feuerlöscher wurden erst in Richtung der Beamten entleert und dann hinterhergeworfen.

Szenen, die an keinem Ort der Welt etwas verloren haben und die auch von der Eintracht scharf kritisiert wurden. Die Gewalt gegen die Ordner und die Polizei sei "nicht zu entschuldigen", betonte Eintracht-Vorstand Philipp Reschke in einer Mitteilung vom Montagabend.

Gab es Verletzte?

Ja, aber genau an diesem Punkt gibt es die ersten Unstimmigkeiten. Die Polizei spricht offiziell von 57 verletzten Beamten und 59 verletzten Ordnern. Verletzte Fans, das sagte SOKO-Leiter Döring, seien nicht bekannt. Es habe sich niemand bei der Polizei gemeldet. Die Eintracht und Fanvertreter gehen nach zahlreichen Rückmeldungen und Berichten von mehr als 100 verletzten Anhängern aus. Heißt: Ein Fußballspiel endet mit über 200 Verletzten. Beschämend.

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Fan-Vertreterin Kobuschinski: "Fronten sind verhärtet"

Ina Kobuschinski still
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War der Einsatz verhältnismäßig?

Genau das ist die große Frage, die es noch zu klären gilt. Klar ist, dass es die Polizei trotz eines Großaufgebots nicht schaffte, deeskalierend einzuwirken. Letztlich löste eine ungültige Eintrittskarte und daraus entstehende und zu verurteilende Tumulte den größten und intensivsten Polizeieinsatz aus, den es am Frankfurter Stadion je gegeben hat. Klar ist trotz anderer Verlautbarungen der Polizei zudem, dass auch Außenstehende zu Schaden kamen.

Die Eintracht, die von "etlichen unbeteiligten Verletzten" spricht, kündigte eine sorgfältige Aufarbeitung der Geschehnisse an. "Wir werden eine entsprechende Einordnung vornehmen", so Reschke.

Ina Kobuschinski, die Vorsitzende des Frankfurter Fanclubverbands, verurteilte den Einsatz als "völlig übertrieben".

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Eintracht Frankfurt vor dem Spiel gegen PAOK

Eintracht Kultspieler Ioannis Amanatidis vor der Nordwestkurve
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Wie geht's jetzt weiter?

Zunächst einmal sind die Fronten zwischen allen Beteiligten verhärtet. Die Polizei, die eine härtere Gangart im Vorfeld der EM 2024 dementierte und von einem "Frankfurter Problem" sprach, forderte die Eintracht zum Handeln auf. Es müsse Hausverbote und Stadionverbote geben, sagte Polizeipräsident Müller. "Wir haben eine Erwartungshaltung an den Verein, die vorgegebenen Sanktionen auch umzusetzen."

Die Eintracht hingegen äußerte sich zu diesem Punkt erst einmal nicht, nahm vor dem Conference-League-Heimspiel am Donnerstag (21 Uhr) gegen PAOK Saloniki aber alle Beteiligten, und damit Fans und Polizei, in die Pflicht. "Jeder Einzelne trägt eine Mitverantwortung dafür, dass wir einen sicheren, friedlichen und vor allem erfolgreichen Fußballabend erleben", so Reschke. Das letzte Wort ist in nach den Krawallen vom Samstag noch lange nicht gesprochen.

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