Tischtennis-Bundesliga Fulda-Maberzell stürzt ab – und setzt auf einen "Rohdiamanten"

Die Tischtennis-Cracks aus Fulda haben die schlechteste Saison seit dem Aufstieg 2005 hingelegt. Dass sie in der Bundesliga bleiben dürfen, ist glücklichen Umständen zu verdanken. Für die nächste Saison wurde ein neuer Hoffnungsträger verpflichtet.

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Ruwen Filus und der TTC Fulda-Maberzell wurden in dieser Bundesligasaison einige Male in die Knie gezwungen. Bild © Imago Images
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Am Ende einer aufreibenden Saison war es wie so oft für den TTC Fulda-Maberzell in der Tischtennis-Bundesliga (TTBL): hart gekämpft, nicht schlecht gespielt, aber dennoch verloren. Fast sinnbildlich stand daher die 1:3-Niederlage des einzigen hessischen Spitzenteams gegen den Abonnement-Meister und Klassenprimus Borussia Düsseldorf am Wochenende zum Saison-Ausklang.

Fulda-Maberzell beschloss damit die Saison zum Vergessen auf dem elften und damit vorletzten Tabellenplatz. Nur Mainz ist erfolgloser und hat zwei Punkte weniger als Fulda (14:30 Punkte in 22 Spielen) in der Bilanz.

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Fuldas Spitzenspieler Chun Ting Wong sorgte nicht wie erhofft für die nötigen Punkte, um besser abzuschneiden. Bild © TTC Fulda-Maberzell

Die Osthessen können froh sein, dass sie und die Mainzer deswegen nicht absteigen. Denn Neu-Ulm zieht sich nach Verstößen gegen Lizenzauflagen und viel Unruhe in Folge aus der Liga zurück. Und aus dem Unterhaus hat kein Verein eine Lizenz fürs Oberhaus beantragt, auch nicht der TTC BG Bad Homburg als Spitzenteam in der 2. Bundesliga.

Schlechteste Platzierung seit dem Aufstieg 2005

Für Fulda ist es die schlechteste Platzierung seit dem Bundesliga-Aufstieg im Jahr 2005. Zudem war es ein besonders rasanter Absturz nach Platz vier in der Vorsaison.

Tiefe Enttäuschung macht sich deswegen bei Team-Manager Stefan Frauenholz im hr-Gespräch dennoch nicht breit. "Wir sind nicht unzufrieden. Man darf bei der Saison-Bewertung nicht alles am Tabellenstand festmachen. Man muss aber auch sagen: Es war deutlich mehr drin. Platz sechs wäre erreichbar gewesen."

Frauenholz befand: "In einigen Momenten hat uns das Spielglück gefehlt. Hätten wir hier und da mal einen Matchball mehr genutzt, wären wir schnell einige Plätze höher in der Tabelle gewesen."

Alle Akteure unter ihren Möglichkeiten geblieben

Die Gründe für die schwache Saisonbilanz sind vielfältig. Während sich die Konkurrenz vor der Saison durchweg verstärkte, blieb das Team aus Hessen unverändert. Im Saisonverlauf machte sich auch Verletzungspech breit. "Wir haben nur etwa fünf oder sechs Mal in Bestbesetzung spielen können."

Wegen der Ausfälle fehlte die Konstanz in den Leistungen. Und so blieben eigentlich alle Akteure unter ihren Möglichkeiten, wie auch Frauenholz einräumen musste. Der Trainer trage daran aber keine Schuld.

Top-Spieler Chun Ting Wong, aktuell die Nr. 29 der Weltrangliste, lieferte nicht wie erwartet ab. Der während der Saison gekommene Hongkong-Chinese kam auf eine 3:7-Bilanz bei Siegen und Niederlagen. Ihm versagten meist in den entscheidenden Sätzen die Nerven.

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Was soll ich nur machen? Fan Bo Meng hatte in dieser Saison häufiger Grund mit sich und seinem Spiel zu hadern. Bild © Imago Images

Viel Lehrgeld zahlen musste Fan Bo Meng. Für den Nachwuchsspieler stand am Ende eine 2:17-Bilanz zu Buche im Einzel, damit rangiert er in der Einzel-Statistik der Liga auf dem letzten Platz. Doch im Doppel steuerte er einige wichtige Punkte bei.

Trotz der Niederlagen hielten die Fans dem Team die Treue. In der Zuschauer-Tabelle belegt Fulda-Maberzell mit knapp 480 Zuschauern Platz drei. Zum Vergleich: Zu den Heimspielen des Top-Teams in Düsseldorf kamen rund 720 im Schnitt. Der Liga-Durchschnitt liegt bei 350 Zuschauern.

"Ein echter Rohdiamant"

Die Zuschauer in Fulda bekommen in der nächsten Saison ein neues Gesicht an der Platte zu sehen. Thibault Poret wechselt in die Domstadt. Der 18 Jahre alte Franzose kommt aus seinem Heimatland nach Hessen und machte zuletzt als U21-Europameister im Doppel auf sich aufmerksam. "Besonders seine Doppelstärke kann uns in den entscheidenden Momenten einen Vorteil bringen", sagte der Fuldaer Chefcoach Qing Yu Meng.

Frauenholz, der als Vereinspräsident seit 1987 die Geschicke des Fuldaer Tischtennisvereins lenkt, kommt ins Schwärmen, wenn er über Poret spricht: "Er besitzt großes Entwicklungspotenzial und ist ein echter Rohdiamant, der geschliffen werden muss. Und unser Trainer hat schon bei vielen Spielern bewiesen, dass er sie noch besser machen kann. Er ist ein Taktik-Fuchs."

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Thibault Poret kommt aus Frankreich nach Fulda. Bild © ETTU

Für den zuletzt für Fulda aufschlagenden Franzosen Alexandre Cassin gilt das nicht mehr. Er wechselt zurück in die Heimat. Erhalten bleiben wird den Osthessen neben Top-Spieler Chun Ting Wong (31) und Fan Bo Meng (22) hingegen Ruwen Filus (35). Der immer wieder spektakuläre Auftritte liefernde Abwehrspieler blickt in Fulda seiner elften Saison entgegen.

Mit Blick auf Poret im Gefüge der Etablierten sagt Frauenholz: "Mit diesem Neuzugang setzt unser Verein das ausgewogene Verhältnis zwischen erfahrenen und jungen aufstrebenden Spielern fort."

Die Personalplanungen sind damit abgeschlossen, wie Frauenholz sagte. Der Saisonetat bleibe mit rund 500.000 Euro weitgehend unverändert. Um damit in der besten Tischtennis-Liga Europas oben anzugreifen, wird das Budget wohl nicht reichen. Doch zu einer besseren Platzierung als in dieser Saison sollte es allemal reichen.

Quelle: hessenschau.de