Audio

Dauerbaustelle am Bahnhof Friedrichsdorf

Eine provisorische Fußgängerüberführung führt über die Gleise an einem Bahnhof.

Seit mehr als zwei Jahren wird der Bahnhof von Friedrichsdorf im Taunus modernisiert - mit großen Einschränkungen für die Reisenden. Nun wird klar: Die Bauarbeiten verzögern sich auf unbestimmte Zeit. Der Bürgermeister zeigt sich verärgert.

Wer am Bahnhof von Friedrichsdorf (Hochtaunus) mit dem Zug in Richtung Frankfurt oder Friedberg fahren möchte, muss eine sportliche Herausforderung bewältigen: Über eine etwa zehn Meter hohe provisorische Überführung geht es zum Gleis.

Seit Anfang 2022 laufen hier Bauarbeiten, um den Bahnhof zu modernisieren. Für Menschen mit Rollator, Kinderwagen oder Fahrrad ist der Behelfssteg ein kaum zu überwindendes Hindernis.

Das ärgert auch Björn Hoffmann, der als Erzieher in einem integrativen Kindergarten arbeitet. Er ist mit einer Kindergruppe unterwegs zum Opel-Zoo in Kronberg (Hochtaunus). "Wir haben Kinder, die im Rollstuhl sitzen. Die müssen wir dann hoch- und wieder runtertragen", sagt Hoffmann. Er wünscht sich, dass es mit der Baustelle am Bahnhof vorangeht.

Längere Bauzeit, gestiegene Kosten

Geplant sind für den Bahnhof Aufzüge, neue Überdachungen und einfachere Zugänge zu den Gleisen. Die Kosten wurden zunächst auf 12,7 Millionen Euro veranschlagt - nach hr-Informationen liegen sie mittlerweile bei mindestens 17,2 Millionen Euro.

Bereits vor einem Jahr sollte das Herzstück eingeschoben werden: Eine Röhre aus Beton, durch die die Reisenden in Zukunft zu den Zügen gelangen können. Doch bei der Berechnung der Unterführung wurden falsche Annahmen zur Bodenbeschaffenheit getroffen. Der Einschub wurde abgesagt, die Bauarbeiten verzögerten sich um ein Jahr.

Die Deutsche Bahn gab eine neue Röhre in Auftrag und teilte noch vor kurzem mit, dass diese Mitte Juli unter den Gleisen eingeschoben werden solle. Doch auch daraus wird nun nichts.

Einschub auf unbestimmte Zeit verschoben

Wenige Tage vor dem geplanten Meilenstein teilte die Bahn am Montag mit, dass der Einschub der neuen Röhre auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss.

"Leider gab es aufgrund der engen Terminschiene, ausgelasteten Firmen und der komplexen Geometrie keine fristgerechte Lösung aller auftretenden Herausforderungen", heißt es in der Mitteilung. "Da die Abläufe im Projekt eng aufeinander abgestimmt sind, wird die Baumaßnahme während der Sommersperrpause nicht in Gänze umsetzbar sein."

Der Bürgermeister von Friedrichsdorf, Lars Keitel (Grüne), klagt, er sei von der Bahn erst am Freitag über den Baustopp informiert worden. "Ich ärgere mich maßlos über die Art der Kommunikation und wie mit den Nutzerinnen und Nutzern umgegangen wird," sagt Keitel.

Reisende steigen auf Taxi oder eigenes Auto um

Die Bahn habe die Öffentlichkeit im Glauben gelassen, dass es bald weitergeht, kritisiert der Bürgermeister. Dabei habe ihr längst bekannt sein müssen, dass die Röhre nicht rechtzeitig fertig wird. Keitel sagt, er könne den Ärger vieler Friedrichsdorfer verstehen, die mit dem "Monstrum", der provisorischen Überführung, nicht klarkommen.

Ein Taxifahrer am Bahnhof erzählt, viele ältere Leute schafften es nicht über den Steg zum Zug. Sie kämen dann zum Taxistand, um zum nächsten Bahnhof in Bad Homburg zu fahren. "Das sind Rentner", erklärt der Taxifahrer. "Viele können sich die rund 17 Euro für die Fahrt nicht leisten und fangen dann an, mit uns zu handeln."

Bürgermeister Keitel hatte sich von der Modernisierung des Bahnhofs einen Schub für die Verkehrswende erhofft. Doch im Moment sei das Gegenteil eingetreten. "Ich kann verstehen, wenn Pendler wieder aufs Auto umsteigen", sagt Keitel.

Blickdichte Abdeckungen gegen Schwindel

Akuten Handlungsbedarf sieht der Bürgermeister bei dem Behelfsübergang. "Wenn es da gefährliche Stellen gibt, muss die Bahn da sofort handeln und nachbessern", so Keitel. Nach hr-Informationen verunglückte im Mai eine Frau auf dem Weg zur Arbeit auf der hohen Treppe. Die Bahn besserte danach einige Trittflächen aus.

Die provisorische Überführung am Bahnhof Friedrichsdorf werde engmaschig von Fachkräften kontrolliert, erklärte eine Sprecherin dazu auf Anfrage. Die Sicherheit des Bauwerks sei aktuell durch das Eisenbahnbundesamt bestätigt worden. "Wir bedauern sehr, wenn es hier zu einem Vorfall gekommen ist und bitten ausdrücklich um Entschuldigung", so die Bahnsprecherin.

Damit es den Reisenden beim Blick durch die Stufen und Trittbleche nicht schwindlig wird, hat die Bahn nach eigenen Angaben blickdichte Abdeckungen angebracht. Seit bekannt ist, dass die Überführung noch länger in Friedrichsdorf stehen wird, hat die Bahn "weitere Abdeckungen bestellt, um die komfortable Begehbarkeit auch weiterhin sicherzustellen", teilte die Sprecherin mit. Wegen längerer Lieferzeiten würden die Abdeckungen aber "leider erst in einigen Wochen angebracht."

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen