Eine Frau mit Helm auf dem Fahrrad im Stadtverkehr.,

Mit dem E-Bike mehr als 30 Kilometer zwischen Wohnort im Taunus und Arbeitsplatz pendeln - zwei Frauen wollen dafür in den kommenden fünf Monaten ihr Auto stehen lassen. Die beiden nehmen teil an einem wissenschaftlich begleiteten Experiment. Der Start war vielversprechend.

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Verkehrsexperiment in Frankfurt

hs
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In einer roten Softshell-Jacke kommt Nina Engelmann aus der Tiefgarage, sie schiebt ein neues E-Bike vor sich her. Auf dem Kopf trägt sie einen neu gekauften Fahrradhelm. Vieles ist an diesem Tag neu für die Polizistin: Bisher fuhr Engelmann die 18 Kilometer von Oberursel (Hochtaunus) zu ihrem Revier in Frankfurt mit dem Auto, an diesem sonnigen Morgen Anfang September will sie die Strecke erstmals als E-Bike-Pendlerin zurücklegen.

Kurz vor der Abfahrt weiß die 37-Jährige noch nicht so genau, was auf sie zukommt, wie sie sagt: "Die Strecke kenne ich nur ein bisschen, ich mache jetzt mein Navi an. Ich fahre heute ein bisschen früher los, da ich noch nicht weiß, wie lange ich brauche."

40 Pendlerinnen und Pendler lassen das Auto stehen

Warum diese Umstellung? Nina Engelmann macht bei einem Experiment des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt mit. Rund 40 Pendlerinnen und Pendler aus dem Frankfurter Umland haben sich freiwillig zur Teilnahme an dessen "Pendel-Labor" gemeldet.

Sie alle sind vorher mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Für die Zeit des Experiments bekommen sie E-Bike, Bahn-Ticket oder ein E-Auto gestellt, je nach den individuellen Voraussetzungen. In den kommenden fünf Monaten sollen sie dafür für ihren Weg zur Arbeit aufs Auto verzichten.

Orientierungsschwierigkeiten am ersten Tag

Das gilt auch für Kristina Post, eine weitere Teilnehmerin am "Pendel-Labor". Die 51-Jährige pendelt zwischen Neu-Anspach (Hochtaunus) und Bad Homburg, wo sie in einer Reha-Klinik arbeitet. Demnächst legt sie die Strecke - 15 Kilometer einfach - mit einem E-Bike zurück, auch wenn es Herbst und Winter wird.

Post teilt vor der ersten Abfahrt von ihrem Wohnort Engelmanns Unsicherheit bezüglich der Strecke. Nicht ganz unberechtigt, wie sich auf dem Rückweg herausstellt. Post erzählt: "Ich habe mich im Wald ein bisschen verfahren, da habe ich noch eine Runde über den Homburger Golfplatz gedreht. Das fanden die Golfer nicht so lustig." Sie müsse die ungewohnten Wege eben erst kennen lernen.

Kristina Post steht auf einer Brücke über einer Straße,auf der sich viele Autos stauen. Sie trägt eine gelbe Jacke und einen gelben Helm und blickt in die Kamera (Selfie)

Nina Engelmann vermeidet Golfplätze an ihrem ersten Tag als Rad-Pendlerin erfolgreich, kommt aber auf den letzten Metern der Hinfahrt ins Schlingern, wie sie später berichtet: "Das Navi ist auch nicht immer ganz eindeutig: Muss ich jetzt hier schon links oder erst die nächste Straße? Und ja, dann habe ich mich in der Innenstadt einmal kurz verfahren, da war es ein bisschen chaotisch."

Forscher fragen nach Schnittstellen und Empfinden

Diese Erfahrungen sind für Luca Nitschke vom Forschungsteam des "Pendel-Labors" Gold wert. Er und die anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom ISOE wollen klären: Welche Fähigkeiten müssen die Pendlerinnen erlernen? "Also beispielsweise: Was brauche ich für das Fahren mit dem E-Bike, wie finde ich Fahrradwege?", erläutert Nitschke.

Darüber hinaus interessiert sich das Team besonders für die Schnittstellen in der Infrastruktur. Etwa: Wie lässt sich das Fahrradfahren mit dem öffentlichen Nahverkehr verbinden? Nitschke und sein Team wollen auch solchen Fragen nachgehen, wie er sagt: "Was verbinden die Leute eigentlich mit dem Pendeln? Ist es eine lästige Notwendigkeit?" Oder könne Pendeln sogar etwas sein, das der Gesundheit zugute kommen könne?

Luca Nitschke vom Forschungsteam des "Pendel-Labors" des Instituts für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt

Im Herbst und Winter stellt sich die Kleidungsfrage

Letzteres kann Nina Engelmann nach ihrer ersten Fahrt mit dem E-Bike zur Arbeit bejahen. Am Revier angekommen, stellt die Polizistin fest: "Manchmal wird das E-Bike ein bisschen belächelt, damit zu fahren, sei kein Sport. Man kommt schon ins Schwitzen." Am Berg sei die Unterstützung durch den kleinen Motor daher sehr angenehm. Auch sonst falle ihr erstes Fazit sehr positiv aus.

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Nina Engelmann pendelt nun täglich 36 Kilometer mit dem Rad

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Das ist auch bei Kristina Post der Fall. Sie berichtet: "Es war wunderschön, in der aufgehenden Sonne zur Arbeit zu fahren, mit dem Fahrtwind in der Nase. Auf dem Rückweg wurden die Wolken zwar immer dunkler, aber ich bin trocken nach Hause gekommen." Die Wetterabhängigkeit und die damit verbundene Wahl der Kleidung, so erwarten es beide Teilnehmerinnen am "Pendel-Labor", dürfte eine der größten Umstellungen im Vergleich zum Pendeln mit dem Auto werden.

Das Wetter wird in den kommenden Monaten des Experiments nicht immer so angenehm wie an diesem ersten Tag sein. Dafür dürften Nina Engelmann und Kristina Post weniger Zeit für ihren Arbeitsweg brauchen - wenn die unfreiwilligen Umwege in der Frankfurter Innenstadt und über den Bad Homburger Golfplatz ausbleiben.

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