Menschen sitzen auf ihren Koffern und warten.

Mitten in der Ferienzeit hat die Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik den Frankfurter Flughafen lahmgelegt. Nach der Absage von mehr als 700 Flügen ging am Mittwoch fast gar nichts mehr. Auch in den kommenden Tagen könnte das noch Auswirkungen haben.

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Lufthansa-Warnstreik am Frankfurter Flughafen

hs
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Lange Schlangen hier, viel Frust - von Urlaubsvorfreude keine Spur: Mitten in den Sommerferien hat ein Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals den Frankfurter Flughafen lahmgelegt. Am größten deutschen Airport wurden am Mittwoch 725 von 1.160 geplanten Flügen abgesagt, wie ein Sprecher des Betreibers Fraport erklärte. Damit waren auch Flüge anderer Gesellschaften betroffen, die üblicherweise vom Lufthansa-Bodenpersonal mitbetreut werden. Lufthansa selbst hatte für Mittwoch die Zahl von 646 streikbedingten Flugabsagen genannt.

Fast 100.000 Reisende in Frankfurt traf der eintägige Warnstreik demnach. Den Kunden seien je nach Flugziel unterschiedliche Lösungen angeboten worden, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Man habe extra Personal für diese Aufgabe eingeplant, die damit händelbar geblieben sei. Die verfügbaren Kapazitäten seien allerdings sehr begrenzt.

Tagelanges Warten auf Flüge

Am bestreikten Flughafen haben sich am Mittwoch lange Schlangen von meist ausländischen Reisenden gebildet, die in Frankfurt gestrandet sind. Deutschlands größte Fluggesellschaft hatte die Passagiere im Vorfeld gebeten, sich möglichst auf digitalen Wegen mit dem Unternehmen in Verbindung zu setzen, um neue Flüge oder zwischenzeitliche Unterkünfte zu organisieren.

Wegen der meist stark gebuchten Flüge sei es sehr schwierig, in den kommenden Tagen alternative Reisemöglichkeiten zu finden. In einzelnen Fällen könne es sein, dass Gäste mehrere Tage lang auf ihren Weiterflug warten müssten.

Auswirkungen an kommenden Tagen

Auch nach dem eigentlichen Streiktag rechnet Lufthansa noch mit weiteren Auswirkungen. "Mit Blick auf das kommende Wochenende, den Ferienbeginn in Bayern und Baden-Württemberg, arbeitet Lufthansa mit Hochdruck daran, den Flugbetrieb wieder so schnell wie möglich zu normalisieren."

Dennoch könne es auch am Donnerstag und Freitag noch zu einzelnen Flugausfällen und Verspätungen kommen, erklärte die Airline. Es gebe allerdings bereits am Donnerstag keine planmäßigen Flugstreichungen mehr, betonte Lufthansa. Trotz der Streikdauer bis Donnerstag, 6 Uhr, werde man versuchen, auch am ersten Knoten am Morgen wie gewohnt zu fliegen.

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Vorerst keine weiteren Warnstreiks

Lufthansa-Kunden müssen nach dem Warnstreik des Bodenpersonals am Mittwoch zumindest bis zur nächsten Gesprächsrunde in der kommenden Woche keine weiteren Aktionen der Gewerkschaft Verdi fürchten. "Das kann ich ausschließen", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Behle am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin.

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Anspruch auf Erstattung?

Ob die Passagiere der annullierten Flüge Anspruch auf eine Erstattung oder Ausgleichszahlung haben, müsse individuell geprüft werden, sagte die Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) Sabine Cofalla. Das hänge davon ab, ob das streikende Bodenpersonal bei der Lufthansa selbst angestellt ist oder nicht. Wichtig sei deshalb, dass Reisende alle Details zu ihrem Flug dokumentieren.

Die Gewerkschaft Verdi hatte für Mittwoch rund 20.000 Lufthansa-Beschäftigte des Bodenpersonals zu einem eintägigen Warnstreik aufgerufen. Er begann am Morgen um 3.45 Uhr und soll am Donnerstag um 6 Uhr enden. Zum Bodenpersonal gehören unter anderem Techniker und Logistiker, ohne deren Dienstleistungen die Flugzeuge nicht abheben können. Auch der Check-In ist betroffen.

Verdi hofft auf schnelles Ergebnis

Verdi und Lufthansa hielten sich gegenseitig vor, für die Lage verantwortlich zu sein. Das Unternehmen habe bewusst darauf verzichtet, nach der Warnstreikankündigung noch einmal zu verhandeln, sagte Verdi-Streikleiter Marvin Reschinsky. Er hoffe nun auf ein schnelles, gutes Ergebnis. "Wir erwarten ganz klar, dass Lufthansa in der nächsten Woche nachlegt, damit der Luftverkehr wieder läuft." Ein hoher Abschluss sei auch ein Entlastungssignal an das Bestandspersonal, wenn Lufthansa attraktivere Jobs für Neueinsteiger anbiete. "Die werden dringend gebraucht."

Verdi-Mitglieder streiken am Frankfurter Flughafen.

Hintergrund des Streikaufrufs sind die laufenden Tarifverhandlungen. In der zweiten Verhandlungsrunde hatte die Lufthansa Mitte Juli ein Angebot vorgelegt, das Verdi als "unzureichend" kritisiert hatte. Man wolle daher den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, in der nächsten Verhandlungsrunde Anfang August "ein deutlich verbessertes, abschlussfähiges Angebot" vorzulegen.

Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann kritisierte den Streikaufruf und das Timing. "Die frühe Eskalation nach nur zwei Verhandlungstagen in einer bislang konstruktiv verlaufenden Tarifrunde richtet enorme Schäden an", sagte er am Dienstag. Das betreffe vor allem die Fluggäste in der Hauptreisezeit. "Und es belastet unsere Mitarbeitenden in einer ohnehin schwierigen Phase des Luftverkehrs zusätzlich stark."

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