Portraitbild von Papst Benedikt XVI. steht zwischen Kerzen in einer Kirche.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist am Silvestertag gestorben. Hessens Kirchenoberhäupter brachten ihre Trauer zum Ausdruck und würdigten seine Menschlichkeit. Es gab aber auch verhaltene Kritik.

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Bätzing über verstorbenen Papst Benedikt: „Großer Theologe“

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. gewürdigt. "Heute ist ein Tag der Trauer, des Abschieds, aber für mich innerlich noch viel mehr der Dankbarkeit und des Respekts vor einem großen Mann der Kirche", sagte der Limburger Bischof am Samstagnachmittag bei einer spontan anberaumten Pressekonferenz in Limburg. Er hob "die bescheidene und demütige Art" des Verstorbenen hervor, den er als "beeindruckenden Theologen und erfahrenen Hirten" bezeichnete.

Der als Joseph Ratzinger in Deutschland geborene Benedikt starb am Samstagmorgen im Alter von 95 Jahren, wie der Vatikan mitgeteilt hatte.

"Wir trauern um eine Persönlichkeit, die der Kirche auch in schwierigen Zeiten Hoffnung und Richtung vermittelt hat", so Bätzing. Benedikt XVI. habe "die Stimme des Evangeliums - gelegen oder ungelegen - hörbar gemacht". Sein theologisches Denkvermögen, seine politische Urteilskraft und sein persönlicher Umgang mit vielen Menschen hätten den aus Deutschland stammenden emeritierten Papst ausgezeichnet, fügte der Limburger Bischof hinzu. Aber: "Er hat auch manchen Stolperstein in den Weg gelegt." Manche würden sagen, sein Rücktritt vom Amt sei "die vielleicht größte Tat seines Lebens" gewesen.

Bätzing erinnerte in seiner ersten Reaktion auch an den Brief Benedikts vom 8. Februar 2022 anlässlich der Veröffentlichung des Münchener Gutachtens zu sexualisierter Gewalt: "Die Betroffenen hat er um Vergebung gebeten und doch blieben Fragen offen."

Ministerpräsident Rhein: "Ein brillanter Theologe"

Auch Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) würdigte Benedikt XVI. als "brillanten Theologen". "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mit dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger im Jahr 2005 nach fast fünf Jahrhunderten zum ersten Mal wieder ein Papst gewählt wurde, der aus Deutschland stammte. Das Gefühl vieler Katholiken damals brachte die Schlagzeile ,Wir sind Papst‘ sehr gut auf den Punkt", sagte Rhein am Samstag.

Beim Weltjugendtag in Köln habe Benedikt XVI. 2005 ein ,Wir-Gefühl‘ geschaffen, das auch Menschen umfasste, die nicht Mitglied in der katholischen Kirche waren, so Rhein. Nicht zuletzt durch seinen freiwilligen Rücktritt vom Amt des Papstes im Jahr 2013 wird Benedikt XVI. vielen als historische Schlüsselfigur in Erinnerung bleiben – auch wenn er die Aufklärungsarbeit zum Missbrauch in der katholischen Kirche energischer hätte betreiben können.

Auf der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda: Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger (l.) mit Kardinal Joseph Hoeffner und dem damaligen Papst Johannes Paul II. (r.) im November 1980.

Trauer auch in Fulda und Mainz

Das Bistum Fulda teilte mit, dass im Fuldaer Dom ein Ort für das Gebet und das Gedenken an Benedikt XVI. eingerichtet werde. "Mit Trauer aber auch in großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied vom emeritierten deutschen Papst Benedikt XVI", erklärte das Bistum im Namen von Fuldas Bischof Michael Gerber, seinem Vorgänger Heinz Josef Algermissen und Weihbischof Karlheinz Diez mit. Den Fuldaer Dom und das Grab des Heiligen Bonifatius hatte Papst Benedikt XVI. als Kardial Joseph Ratzinger und als Erzbischof von München und Freising häufiger besucht.

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf würdigte den Verstorbenen in einer Stellungnahme und rief die Gläubigen im Bistum Mainz zum Gebet auf. Benedikt XVI. habe die theologische Welt und die Kirche geprägt und inspiriert. "Ich denke in Dankbarkeit an das, was mir Joseph Ratzinger in den letzten Jahrzehnten auch für mein priesterliches Wirken gegeben hat", so Kohlgraf. "Mit abschließenden Einordnungen eines derart vielfältigen Lebenswerks sollten wir uns jetzt zurückhalten", hieß es weiter in der Mitteilung. Das Urteil bleibe Gott überlassen.

Evangelischer Kirchenpräsident kondoliert

Als "Theologen von Weltgeltung" bezeichnete der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, den Verstorbenen. Dieser habe auch als Papst stark durch sein theologisches Denken gewirkt. Jung drückte "den katholischen Geschwistern unser Mitgefühl zum Tod ihres emeritierten Papstes aus". Für ihn bleibe es auch eine Botschaft seines Pontifikates, dass es wichtig sei, "den Weg der Ökumene behutsam und beharrlich" fortzusetzen.

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EKHN-Präsident Jung: "Papst Benedikt war ein großer Lehrer des Glaubens"

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Anteilnahme in der ganzen Welt

In den vergangenen Tagen beteten Christen in vielen Kirchen und Bistümern für den 95-Jährigen. Dazu hatte der amtierende Papst Franziskus aufgerufen. Bätzing hatte als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz außerdem ein selbst verfasstes Gebet für den emeritierten Papst veröffentlicht.

In ein Krankenhaus wollte der frühere Papst Benedikt XVI. nicht. Seine Residenz im früheren Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten verfügte laut Vatikan über die notwendige medizinische Ausrüstung.

Erster deutscher Papst seit 482 Jahren

Der als Joseph Ratzinger geborene Benedikt XVI. leitete die Katholische Kirche von 2005 bis 2013 als erster deutscher Papst seit 482 Jahren. Aus gesundheitlichen Gründen trat er als erster Papst seit dem Mittelalter von seinem Amt freiwillig zurück. Papst Franziskus wurde zu seinem Nachfolger gewählt.

1927 war Ratzinger im bayerischen Marktl am Inn geboren, ab 1982 war er Erzbischof von München und Freising. Bevor er Papst wurde, war der Theologe mehr als zwei Jahrzehnte lang Präfekt der Glaubenskongregation und damit oberster Glaubenshüter der Katholikinnen und Katholiken.

Kritik an Umgang mit Missbrauchsskandalen

Kritikerinnen und Kritiker werfen ihm vor, die Kirche durch eine konservative Haltung nicht ausreichend geöffnet zu haben. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, hatte anlässlich des Rückzugs vom Amt 2013 kritisiert, dass Benedikt XVI. ein "weiteres Aufeinanderzugehen der Konfessionen" gebremst habe.

Außerdem überschatten die Enthüllungen um Missbrauchsskandale in der Kirche das Wirken des Papstes. Auch Bätzing hatte Benedikt XVI. zuletzt für seinen Umgang mit neuen Vorwürfen kritisiert.

Papst Benedikt in Hessen

Da die Versammlungen der Deutschen Bischofskonferenz regelmäßig in Fulda stattfinden, hat der emeritierte Papst in seiner Zeit als Erzbischof mehrmals Hessen besucht. Er sei mehrere Male mit anderen Bischöfen am Grab des Heiligen Bonifatius im Dom der Stadt gewesen, sagte der Fuldaer Bischof Michael Gerber. "Viele Menschen im Bistum verbinden mit ihm wertvolle persönliche Begegnungen."

So hatte auch die katholische Gemeinde St. Lukas aus Fulda anlässlich des verschlechterten Gesundheitszustands von Benedikt XVI. auf ihrer Webseite an einen Besuch in ihrer Gemeinde erinnert. Man könne "stolz darauf sein", dass der damalige Kardinal im Jahr 1984 in der Pfarrkirche an einer Andacht teilgenommen und danach im Pfarrhaus zu Gast gewesen sei.

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